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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-01-10 · Heft 2 (10.1.1889) · p. Seite 21

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 2 (10.1.1889)
Date
1889-01-10
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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21 Tempelberges zugeschrieben, gebildet durch drei Reihen Säulen, welche ein Dach von getäfelten Zedernbrettern trugen. Es werden übrigens oft Säulengänge erwähnt, sodaß diese als ein wesentliches Stück des hebräischen Baustiles erscheinen; ihre häufige Anlegung ist aus dem in jenem heißen Klima so großen Bedürfniß des Schattens zu erklären. Denen aber, welche Riß und Ausführung dieses salomonischen Tempels fast ganz den Phönieiern zuschreiben, ist entgegenzustellen, daß er im Wesentlichen offenbar nur eine Ausführung der Stiftshütte in Stein war, auch eigentlich bloß die größere Höhe seines mittleren Theiles als der Seitengebäude und die zwei Säulen vor ihm phönicischen Stil zeigen. Der nachexilische Tempel ist uns nicht beschrieben worden, doch erfahren wir, daß er an die Größe und Pracht des salomonischen nicht reichte. Desto großartiger und kunstvoller war der vom Könige Herodes errichtete, welchen Josephus ausführlich schildert. Auch er hielt sich an den Baustil und die allgemeinen Einrichtungen des ersten Tempels, konnte jedoch dem Einflüsse der hellenischen und römischen Baukunst sich nicht entziehen, weshalb wir hier nicht näher auf ihn eingehen wollen. Genug, daß er auch in der römischen Welt bewundert und von Tacilus als das großartigste Bauwerk Asiens bezeichnet wurde. Gehen wir nun zu den weltlichen Bauwerken über, so haben wir zuvor zweier Gegenstände zu gedenken, die noch mit dem Tempel in Verbindung standen. Der erste diente dem Zwecke, den so hoch gelegenen Tempel mit Wasser zu versorgen, dessen die Priester zu Waschungen, Bädern und sonst noch viel brauchten. Salomo ließ zwar dort tief hinabgraben und fand auch eine starke Quelle; da sie aber für den Bedarf lange nicht hinreichte, so verschaffte er diesen dem Tempel durch einen bewundernswürdigen Aquäduct. Er ließ nämlich bei dem drei Stunden südlich von Jerusalem hoch gelegenen Städtchen Etam reichliches Wasser zuerst durch drei ausgemauerte Teiche mehr thalwärts leiten, dann durch sorgfältig gearbeitete Röhren von gebranntem Ziegelthon an Bethlehem vorbei, und mit Hilfe einer Bogenbrücke über das Thal Gichon bis zum Tempelberge führen; Ueberreste dieses Werkes sind noch jetzt vorhanden. Doch brachte dies immerhin das Wasser erst an die Kniehöhe des Berges, und von da mußte es noch mühsam hinaufgeschafft werden. Aber nach dem Exil wurde dasselbe in ein Reservoir geleitet, das man in dem Berge selbst unter dem Tempel anzulegen wagte, und von da durch ein Räderwerk in die Höhe gehoben; man stellte vermittelst dessen auch ein Priesterbad unter dem Tempel und ein anderes in ihm selbst her. Ein ebenfalls unterirdischer Kanal führte das benutzte Wasser in den Bach Kidron auf der Ostseite der Stadt. Ein zweiter mit dem Tempel in Verbindung gebrachter Zweig der Baukunst war die Ausführung ganz eigenthüm- > licher Brücken. Jene über das Gichonthal, die Wasserleitung zu tragen, wurde scholl erwähnt. Eine andere, für den! Tempelbesuch der Könige bestimmt und darum ohne Zweifel geschmackvoll verband die Berge Zijon und Morija; noch 1 Robinson will von einem großen Bogen derselben Ueberreste! entdeckt haben, welche mit der Grundmauer des Tempelberges zusammenhingen. Ob verschieden von ihr die Brücke „vom ' Tempel in die Stadt," welche aus Furcht vor Pompejus abgebrochen wurde, oder jene war, welche in der spätesten Zeit j die nordöstliche Ecke der Oberstadt mit dem Tempel verband, j ist unklar geblieben. Eine fernere führte von dem Tempelberge über Thal und Bach Kidron nordostwärts zu dem über eine Viertelstunde entfernten Oelberge; ursprünglich einfach, war sie später ein prächtiger Viaduct von mehreren ■ Bogenreihen übereinander. Eine letzte führte vom Tempel >der Wüste zu, ihre Richtung ist streitig.! Schließlich haben wir nun noch die hebräische resp. alt-! jüdische Baukunst in der Anlage von königlichen Schlössern!und Aehnlichem zu betrachten. Ein Palast, welchen David sich von Tyriern erbauen ließ, gehört zwar eben deshalb nicht hierher. Doch Salomo errichtete sich einen nach eigenen Ideen, der an Geschmack und Pracht dem Tempel nicht nachgestanden haben kann. Die Mitte desselben war ein Raum 100 Ellen lang, 50 breit, 30 hoch, der Länge nach durchschnitten von 4 Reihen Zedernsäulen, welche mit getäfelten Zedernbrettern überdacht waren; und über diese Halle hin liefen zwei Reihen Zimmer, je 15 hintereinander, jedes seitlich mit einem Fensterbogen und einem entsprechenden Bogen in der Mittelwand; das flache Dach erhielt ebenfalls ein Geländer von Sandelholz. Davor war ein großer Hof, in welchen man durch ein von Säulen umstelltes Portal gelangte. Hinter der erwähnten Halle war eine zweite, worin der König Gericht hielt, mit seinem Thron, dessen berühmten Löwenschmuck wir später betrachten müssen. Zur Rechten und Linken der Mittelhalle standen Gebäude, die auch prachtvoll gewesen sein müssen, da in dem einen Salomo selbst, in dem anderen die Königin, eine Pharaonentochter, wohnte; und nach ansehnlichem Zwischenräume schloß eine Quadermauer mit einem Zedernstacket darauf das Ganze ein. Daraus, daß dieser Palast das Haus des Libanonwaldes hieß, wird mit Recht geschlossen, daß der großen, nur von Zedern getragenen Halle die schöne Idee zu Grunde lag, einen schattigen Zedernwald architektonisch herzustellen. Aus späterer Zeit werden Paläste der Könige von Juda wie von Israel mehrfach erwähnt, aber nicht beschrieben; und aus den Rügen des Jeremias wegen der zu vielen Prachtbauten des Königs Jojakim ist auch nichts Näheres über sie zu entnehmen. Desgleichen wissen wir von den Gräbern der alten Könige bloß, daß die meisten derselben in einer gemeinsamen Gruft waren, welche prachtvoll gewesen sein soll. — Auch hier übergeheil

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