Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1889)
- Date
- 1889-01-10
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
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20 gelegentlichen Bemerkungen in den biblischen Büchern beschränkt. Was die häuslichen Baulichkeiten betrifft, so waren sie gewiß einfach und schmucklos. Ueber gewohnheitsmäßige Dinge berichten Autoren nicht ausführlich. Die Gebäude sind ihrem Zwecke nach Theils gottesdienstliche, Theils weltliche. Was die ersteren betrifft, so tritt uns hier nur die mosaische Stiftshütte und der Tempel auf dem Gipfel des Morija und zwar in dreifacher Gestalt entgegen: der salomonische, der nachexilische und der herodianische. Von den Götzentempeln, Altären und anderen heidnischen Heiligthümern, welche seit Salomon unter mehreren Königen entstanden, haben wir keine nähere Schilderung. Der Beschreibung der Stiftshütte (richtiger: „Zelt der Zusammenkunft") sind wir wohl an dieser Stelle enthoben; wer kennt sie nicht aus dem zweiten Buche Moses? Auch bei dieser Gelegenheit erfahren wir, wie hoch in unserem Volke die Kunst geschätzt ward, da den Künstlern die Beseelung durch den göttlichen Geist zugeschrieben wird, der Ausdruck für die höchste und erhabenste Begeisterung. War auch die Stiftshütte als tragbare und zerlegbare Kultusstätte kein großartiges Gebäude, sondern einfach in seiner Quadrat- und rechteckigen Form mit flachem Dach, da auch die eigentlichen Zieraten außer zwei Vorhängen im Innern sich befanden und den Augen des Volkes entzogen waren — so mußte sie doch in der öden Wüste mitten in dem symmetrisch angeordneten Lager einen bedeutsamen Eindruck machen, wie dies in den Reden Bileam's zum Ausdruck kommt. Der nachherige Tempel wurde nach dem Vorbilde der Stiftshütte hergestellt, und bezeugt so, daß , wir es auch in ihm mit einem nationalen Produkte zu thun haben. Dies wird auch dadurch erwiesen, daß David bei dem Bau seines Palastes sich der phönicischen Künstler bediente, während Salomo bei dem Bau des Tempels die. tyrischen Arbeiter nur für die Bearbeitung des Materials und für den Erzguß verwendete, zum Tempelbau selbst sich der eigenen Werkleute bediente 0- Geben wir hier eine übersichtliche Beschreibung. Der Tempel wurde in Jerusalem auf dem Berge Morija errichtet, und da dessen Scheitelfläche zu schmal für den beabsichtigten Bau war, so wurde damit begonnen, an einigen Stellen vom Fuße des Berges Mauern ju der fast unglaublichen Höhe von 3 bis 400 Ellen aus Quadersteinen aufzuführen und den Raum zwischen ihnen und dem Gipfel mit Erde auszufüllen. Das Tempelhaus, aus Quadern von 8 und 10 Ellen Länge, war etwa 70 Ellen lang, 30 breit und 40 hoch, jedoch in seinem hintersten Drittel 10 Ellen niedriger; innerhalb seiner sehr dicken Mauern enthielt er auf einem ansehnlichen Unterbau bloß i) Im Folgenden benutzen wir die trefflichen „Zwei Borträge über die Kunstleistungen der Hebräer von vr. L. Herzseld," welche das „Jnstitur zur Förderung der israel. Literatur." (Leipzig 1864) herausgegeben hat. das Heilige, von kolossalen Dimensionen, und gleich dahinter das viel kleinere und auch nicht so hohe Allerheiligste, das Dach von beiden war vermuthlich flach, und das über dem Heiligen mit einem Geländer von rothem Sandelholz versehen. Die inneren Wände des Heiligen wie des Allerheiligsten wurden mit Zederbretern verschalt, in welche Cherubim, Palmen und aufbrechende Blumen eingeschnitzt waren; beide Räume wurden dann noch ganz mit Gold überzogen, selbst ihre Fußböden aus Cypressenholz, doch jene Kunstschnitzereien wohl bloß vergoldet. Das Allerheiligste war wieder völlig dunkel, und erhielt außer der alten Bundeslade mit ihren beiden Cherubim jetzt noch zwei viel größere Cherubim; auf der Ostseite trennte es bloß eine Zederwand vom Heiligen, und sowohl in ihr wie in dem östlichen Portal waren kolossale Flügelthüren mit denselben vergoldeten Schnitzereien; in dem Heiligen aber, das wieder den kleinen Altar und den Tisch, aber statt des einen jetzt 10 siebenarmige Leuchter erhielt, wurde durch Gitterfenster hoch oben an seinen Längenwänden auch dem Tageslicht Zugang verschafft. Vor dem Heiligthum war eine Halle, nach der Chronik 120 Ellen hoch, was aber wohl auf einem Mißverständnisse beruht; und in ihr wurden zwei hohe eherne Hohlsäuleu aufgestellt, von 12 Ellen im Umfange und mit sehr kunstreichen Capitälen; die eine wurde Jachin, die andere Boas genannt, vermuthlich auszudrücken, daß keine irdische Säule Festigkeit gebe, sondern Gott stelle fest (jachin), in ihm sei die Kraft (bo-as): bekannt ist, daß die ersten Freimaurer ihre Anschauungen an diese Säulen angeküpft haben. Während also die Halle, zu welcher Stufen hinanführten, an der Vorderseite des Gebäudes war, lehnte sich an die drei übrigen Seiten desselben ein schmaler und viel niedrigerer 3 stückiger Anbau zu Zellen für die Priester und Tempelbedürfnisse. Das Ganze umgab ein Vorhof, den eine Mauer aus Quadersteinen mit einem Zedernstacket darüber einschloß; die zahlreichen Thore darin waren pylonenartig überbaut. Drei Seiten des Vorhofes waren nicht breit, desto geräumiger dagegen seine Ostseite. Dort stand erstens der eherne Opferaltar, 20 Ellen lang und breit und 10 Ellen hoch, mit Stiegen und seitlichen Umgängen, durch welche er terrassenförmig nach oben immer schmäler wurde; dann 10 große Spülgefäße und das sogenannte eherne Meer, dieses wie jene von großem Kunstwerth im Erzguß, das eherne Meer eine mit Wasser gefüllte Vase aus Erz von 5 Ellen Höhe und 10 Ellen oberen Durchmessers war, und wegen der priesterliche» Waschungen, zu welchen es diente, wohl mit tauglichen Vorrichtungen hierzu versehen. Ein zweiter, noch größerer Vorhof, wieder östlich von dem ersteren, aber niedriger gelegen, wurde vielleicht erst von Salomo's Nachfolgern hinzugefügt, welche noch Manches ausbauten und auch umbauten. Sicherer wird noch ihm selbst eine Doppelhalle oben auf dem östlichen Rande des