Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1889)
- Date
- 1889-01-03
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 In diesen verschiedenen Gegenden hat Sacher Masoch, der wohlbekannte Verfasser von „Kains Vermächtniß" und von hundert anderen, nicht weniger originellen und anziehenden Werken, die Beobachtungen gemacht, welche in ihm die „Jüdischen Erzählungen" erweckten, die wir heute veröffentliche». Er hat so eine große Reihe kleiner Gedichte in Prosa geschrieben, voll Phantasie und Schwung, reich an pikanten Contrasten, an belebten Dialogen, bald scherzhaft und komisch, bald ernst und immer streng wahr. Die Freunde der Literatur wissen, bis zu welchem Punkte Sacher Masoch die Kunst versteht, seinen Schöpfungen Bewegung und Farbe zu geben, welche, man möchte sagen, auf einer Nadelspitze aufgebaut sind, und welche dem Leser bald die Empfindung einer weiten Bühne geben, auf der sich, in unerwartetster Weise, Personen und Situationen vervielfältigen. Von der ersten bis zur letzten Zeile dieser Erzählungen findet man die glänzenden Eigenschaften des Autors wieder, mit seinem humoristischen Geiste, seiner durchdringenden Poesie, seiner milden, heiteren, großmüthigen Philosophie, die doch mit einem leichten Anfluge von Pessimismus gewürzt ist — mit seinem bündigen und nervigen Stil, voll Lebendigkeit und Kraft, ein sehr origineller, sehr persönlicher Stil, der die Gedanken und Bilder im Geiste des Lesers in Menge entstehen läßt." — Ein jüdischer Aberglaube. Bei unseren älteren Glaubensgenossen wird der Dienstag als ein zu allen Unternehmungen günstiger Tag angesehen und ki tob genannt. Warum? Weil in der Schöpfungsgeschichte es an jedem Tage heißt: „Gott sah, daß es gut war" (ki tob), am dritten Schöpfungstage heißt es zwei Mal so — weil nämlich zwei Schöpfungsacte von diesem Tage berichtet werden, die der Erde (1. Mos. 1, 10) und der Pflanzen (V. 12). Dieses doppelte ki tob sollte die Begünstigung bezeichnen, welche dem Dienstage zugute gekommen. — Man hat gefragt, warum am Montag kein ki tob vorkomme? Die Ursache liegt wohl darin, daß am zweiten Schöpfungstage der Raum, die Ausdehnung (yp-i) hervorgerufen wurde, also etwas an sich nicht Sichtbares. — Nichts ist gewöhnlicher bei den Juden, als der Glückwunsch „Masel tob", der mit mehr oder weniger Innigkeit bei jedem glücklichen Ereigniß ausgerufen wird. Ein Unglück bezeichnet man mit dem Ausdruck „Schlummasel" (Schlimmes Masel). Die Leute denken sich bei dieser Bezeichnung nichts Böses, und doch steckt ein tüchtiges, von der h. Schrift verpöntes Stück Aberglaube darin. Masol heißt Stern, Sternbild, Glücksstern. Auch Cochab wird vom jüdischen Publicum in gleichem Sinne gebraucht, „ein guter und ein schlechter Cochab". Der Glaube, daß die Sterne das Geschick des Menschen leiten, ist ein sehr alter und führte natürlich auch zum Sterndienst. Derselbe fand zu der Zeit, wo die Israeliten Götzendienst trieben, auch Eingang bei diesen. Vom Könige Josias wird (2. Kön. 23, 5) berichtet: „Und er schaffte ab die Götzenpriester, welche dir Könige von Juda eingesetzt, und die da räucherten der Sonne und dem Monde und den Sternbildern und dem ganzen Heere des Himmels- Noch directer auf den hier besprochene» Aberglauben geht Jesaias 47, 13 ein: „Bist du der vielen Berathungen müde: laß sie doch aufsteheu und dir helfen, die Himmelsabtheiler, die Sterngucker, die an den Neumonden verkünden von dem, was über dich kommen werde ff." Wurde nun Israel durch die Strafreden der Propheten von solchem Aberglauben befreit, so schlich er sich aus der Mitte anderer Nationen wieder bei den Juden ein, und in den talmudischen Schriften finden wir Spuren genug davon. Unter Cochab verstand man vorzugsweise den Merkur, und z. B. wird dem, der unter der Herrschaft des Merkur geboren worden, ein gutes Gedächtniß und Weisheit werden. Eine größere Rolle spielt daselbst Masol. Man ging so weit, jeder Pflanze einen besonderen Stern zuzuschreiben, unter dessen Einfluß sie entweder erblüht oder verwelkt. Man hielt das Geschick des Menschen von der Stunde seiner Geburt oder wenigstens vom Tage derselben abhängig (Sabb. 156, 1). Das Geschick ist cs, welches weise oder reich macht. Man sprach von leuchtendem oder trübem Glücksstern. So ist es erklärlich, daß der astrologische Aberglaube auch bei denkenden Juden sich verbreitete, wie z. B. Aben Esra demselben huldigte, während Maimonides ihn als schädlichen Aberglauben bekämpfte. Jndeß bei der großen Masse verlor das Wort Masol die Bedeutung von Stern und dem von den Sternen abhängigen Geschick und ward eben nur ein Ausdruck für Schicksal. Vermi! chtes. Alte jüdische Porträts. In einer Felsenhöhle bei Rubajjott in der Nähe von Roda (Egypten), welche der Bestattungsplatz für die Bewohner eines damals als Hafenort genannten Städtchens Kerka gedient zu haben scheint, in der Provinz Fayoun sind 66 antike Bildnisse gefunden worden, welche der Wiener Großhändler Graf erworben und in München, gegenwärtig in Berlin ausgestellt hat. Georg Ebers hat über dieselben eine sehr lehrreiche Abhandlung geschrieben. Er weist nach, daß jene Bildnisse zwischen der Regierung der letzten Lagiden und der des Hadrian, also zwischen 50 vor und 138 nach