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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-01-03 · Heft 1 (3.1.1889) · p. Seite 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 1 (3.1.1889)
Date
1889-01-03
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 der gew. Zeilr. entstanden sein. Die Porträts gehören zur Gattung derer, welche, auf Holztäfelchen gemalt, den Mumien auf das Gesicht gelegt und da auf dessen Umhüllung mit Pech befestigt worden. Unter diesen Bildnissen sind mehrere, welche einen durchaus jüdischen Typus zeigen, und sich dadurch von den übrigen unterscheiden. Hierüber sagt Ebers: „Seit Ptolemäus II. Philadelphus würde es nicht mehr befremdlich gewesen sein, daß sich heidnische Griechen und Juden der egyptischen Bestattungsweise wenigstens annähernd gefügt, und daß Egypter von der Vortragsweise heimischer Künstler abgesehen und hellenischen die Ausschmückung ihrer Leichen überlassen hätten. Denn unter Ptolemäus II. hatte bereits der Serapis-Cultus zu blühen begonnen, welcher das religiöse Bewußtsein der Griechen und Egypter mit einander zu versöhnen bestimmt war, hatte die jüdische Gemeinde Alexandria's sich zu griechischer Lebens- und Anschauungsweise bequemt, und es läßt sich wohl denken, daß ein freidenkender Israelit von damals, der griechisch sprach, griechische Philosophen studirte, sich nach einem griechischen Gott Appollodor oder Hermaios nannte, der sich an griechischen Kunstwerken freute und sie in seinem Hause aufstellte oder sammelte, und noch dazu wußte, daß man auch in seinem Mutterlands Palästina die Todten mit linnenen Hüllen umgab und in Felshöhlen abstellte, sich bereit gefunden habe, die Leiche eines geliebten Verstorbenen in egyptisch-hellenischer Weise zu bestatten und mit seinem Bildniß zu schmücken, so lauten Widerspruch das auch bei seinen strengeren Glaubensgenossen wachgerufen haben mag." — Man erinnere sich, daß in der Thora wiederholt die Todtengebräuche der Heiden streng untersagt werden, was wohl insonders auf die egyptischen zu deuten ist. Denn mit diesen war der Götzencultus und die drückendste aller Priesterherrschaften eng verbunden. Diesem sollte ein Riegel vorgeschoben werden. Eine merkwürdige Persönlichkeit. Ein in weiten Kreisen des Neutraer Comitats bekannter Mann, Namens Moritz Diamant aus Galgocz, ist jüngst aus dem Leben geschieden. Sein Leben war reich an Wechselfällen und Erschütterungen. Er zeichnete sich besonders durch sein Reimtalent aus. Bei seinem Geschäfte, ferner als Vorsitzender bei den verschiedenen Vereinen, überall bediente er sich der gebundenen Rede. Er ward deshalb oft zu Aristokraten gerufen, welche er durch sein nicht alltägliches Talent und seine komischen Einfälle erheiterte. Sein Wandertrieb ließ ihm keine Ruhe. Er verließ Weib und Kind, ein ihn gemächlich nährendes Geschäft, und reiste nach Jerusalem, wo er bald an die Spitze der österreichisch-ungarischen jüdischen Gemeinde gestellt wurde. Auch hier ließ es ihn nicht lange ruhen, er schied sich in absentia durch die Vermittelung eines ungarischen Rabbinats von seinem sehr braven Weibe und durchstreifte zu Wasser und zu Lande Persien, Vorder- und Hinterindien, einen Theil von China und kam durch die chinesischen Gewässer nach der Hafenstadt Nangasaki, woher in den jüngsten Tagen durch das dortige österreichisch-ungarische Consulat die Nachricht von seinem Tode kam. Er hatte drei Frauen und von jeder Kinder hinterlassen, welche kaum jemals das Grab ihres Vaters zu besuchen in der Lage sein werden. Letzte Zeitungsnachrichten. Italien. Rom, 25. Dec. (Privatmitth.) Gestern haben wir eine recht schöne, erhebende Stunde verlebt. In der Jesuiten- Hauptkirche, von der so oft Verfolgung und Unheil über die Menschheit ausgegangen ist, hielt der bekannte Cardinal Lavigerie, Erzbischof von Algier, eine „Conferenz", wie er selber sagte, über und gegen den afrikanischen Sklavenhandel. Der würdige und greise Prälat, eine hohe, imponirende Gestalt, welcher die prächtige Cardinalskleidung sehr wohl stand, riß die ganze Versammlung durch seine innige und von edelster Ueberzeugung durchdrungene Rede zu lebhaftester Theilnahme hin. Er wandte sich nicht nur an die Katholiken, nicht nur an die Christen, sondern an alle, deren Herz für das Wohl der Menschheit empfindet. Es machte auf uns einen tiefen Eindruck, von jener Kanzel herab, von der Jahrhunderte lang nur zu Mord und Haß aufgefordert worden ist, einen Fürsten derselben Kirche, welcher — wie ich vor vierzehn Tagen gesehen — die Bartholomäusnacht noch lange nicht blutig genug gewesen war, sich jetzt mit Worten des Friedens und der Versöhnung selbst an die Ungläubigsten richten, sich in den Dienst der Sache reinster und selbstlosester Humanität stellen zu sehen. Solche eindringliche Thatsachen, die laut von dem Fortschritte der Gesittung und und des Friedens in der Menschheit zeugen, trösten immer wieder über die traurigen Erfahrungen des Tages und regen die Hoffnung an, daß auch unsere sonstige Barbarei und Brutalität, die freilich noch bergehoch sind, einst gleichfalls sich mindern, vielleicht ganz verschwinden werden.

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