Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1889)
- Date
- 1889-01-03
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 liehen Quellenstudien beruhende Geschichte darf man im vorliegenden Buche nicht erwarten; der Verfasser ist über dos Chronikhafte nicht hinausgekommen. Im ersten Abschnitte beschäftigt er sich mit der frühesten Ansiedelung. Die ersten Juden, welche sich in Nord-Amerika niederließen, waren spanisch-portugiesische Juden aus Holland und Italien, welche sich zuerst in Brasilien angesiedelt hatten; von dort vertrieben, wandten sich einige nach Neu-Amsterdam, dem jetzigen New-Aork, und nach Newport auf Rhode Island. In den öffentlichen Urkunden erscheinen die ersten jüdischen Einwohner ums Jahr 1656. Im Jahre 1680 wurde die erste Gemeinde in New-Iork, zugleich die erste im ganzen Lande, organisirt und im Jahre 1730 dort die erste Synagoge eingeweiht. Zur Zeit der amerikanischen Revolution bestanden in ganz Amerika nicht mehr als sechs Gemeinden, wovon fünf verarmten, eine aber, nämlich Newport, sich ganz auflöste. Die meisten der jetzt bestehenden, meist blühenden jüdischen Gemeinden entstanden erst im Laufe der letzten.60 Jahre. Verhältnißmäßig groß ist die Zahl der Juden, welche sich im Heere, im Seedienste, im öffentlichen Leben, ganz besonders derjenigen, welche sich auf dem Gebiete der Industrie und des Handels ausgezeichnet und emporgeschwungen haben. Gar Viele kamen arm aus Baiern und Württemberg an und zählen heute zu den größten Fabrikanten und Kaufherren der Vereinigten Staaten. Der Verf. macht uns mit den verschiedenen Persönlichkeiten bekannt und liefert in den Abschnitten „Im öffentlichen Leben", „Auf der Kanzel" und in einem besonderen Abschnitte eine große Anzahl biographischer Skizzen, welche zum Theil Selbstbiographien sind. — Der Bezirksrabbiner 2. Schleßinger in Breiten (Baden) hat die löbliche Einführung getroffen, an den Festtagen in den Synagogen der Gemeinden seines Sprengels, welche des Predigers entbehren, kleine von ihm verfaßte Reden und Ansprachen verlesen zu lassen. Die Rede für das Wochenfest, und „Tischrifesthalle", Predigt für Neujahr und Versöhnungstag. liegen gedruckt vor (Bretten 1888); besonders letztere ist bei aller Kürze schön und inhaltreich. Auch die tiefempfundene Leichenrede, welche Herr Bezirksrabbiner Schleßinger am Grabe des im kräftigen Mannesalter plötzlich verstorbenen Hrn. Jacob Koppel in Bretten den 22. Octbr. d. I. gehalten hat, ist im Druck erschienen (Bretten 1888). Das von den Völkern Oesterreich-Ungarns festlich begangene vierzigjährige Regierungs-Jubiläum des Kaiser-Königs Franz Joseph hat einige Jubelschriften gebracht. Herr D. G. Spitzer, ein in der jüdischen Journalistik nicht unbekannter Kaufmann, feiert in einer splendid ausgestatteten Festschrift „Zum zweiten December 1888" (Budapest) in schwungvoller Rede den Monarchen in seiner Friedensliebe, seiner Gerechtigkeit und Mildthätigkeit. Durch die Schrift, welche bereits in 3. Auflage erschien, wurde dem „Ung. isr. Cultusbeamten-Verein" eine namhafte Summe zugewendet. — Herr M. 1. Brettholz aus Stanislau (Galizien) feiert den Monarchen in einem unter dem Titel rpv nvio erschienenen größeren hebräischen Gedichte (Drohobycz 1888). vr. Kayserling. Pest, im Dezember. (Literar. Notizen.) Von dem 2. Jahrgange des Jahrbuchs der historischen Gesellschaft Julius Barasch in Bucarest (Analele Societatii Istorice) ist nunmehr auch das 2. Heft erschienen (Bucuresti 1888). Dasselbe enthält außer einem ausführlichen Bericht über die Feier des 25 jährigen Todestages des vr. Barasch mehrere kleinere historische Beiträge und die Sitzungsberichte der Gesellschaft. Die Predigt, welche der greise Oberrabbiner vr. A. A. Wolfs in Kopenhagen aus Anlaß seines sechzigjährigen Amtsjubiläum jüngst gehalten hat, ist im Druck erschienen (Kjopenhavn 1888). Möge es dem verehrten Manne vergönnt sein, noch viele Jahre das Wort Gottes zu verkünden. vr. Kayserling. I e u i i l c 1 o u. Line Stimme aus Paris. Auch an die lieblichen Ufer der Seine, an welchen seit alter Zeit ebenso der Geschmack und die Künste, wie die wildesten politischen und confessionellen Stürme ihren Sitz aufgeschlagen, verpflanzte sich vor zwei Jahren jene gehässige Leidenschaft, welche die Juden zum Gegenstände ihrer Verfolgung machte. In dem Lande, wo die Gleichheit aller Staatsangehörigen zur Lebensbedingung geworden, konnte dieser Antisemitismus nur eine exotische Pflanze fein. Wird sie hier Wurzel fassen und in die Höhe wuchern? Das war die Frage. Glücklicherweise trat hier diese Tendenz, die aus Vorurtheil und Haß ein Geschäft zu machen sucht, mit gewaltigen Uebertreibungen auf, und zwar mit gutem Grunde, weil sie pikant erscheinen mußte, um nur irgend anzuziehen und einen Augenblick zu fesseln. Hierdurch machte sie großen Lärm, trug aber die Correctur in sich selbst. Die französischen Juden nahmen einen zu geringen Procentsatz der Bevölkerung ein. um irgend einen wesentlichen Einfluß ausüben zu können, ein „verjudetes Frankreich" erschien deshalb alsbald als die Chimäre, die cs in Wirklichkeit ist. Jndeß weiß man, daß die Menschen allzugern Anschuldigungen und