Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1889)
- Date
- 1889-01-03
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 rascht, daß alsbald eine Bulle des Papstes zu Gunsten der Sklavenbefreiung erschien und an vielen Orten katholische Vereine zur Bekämpfung des Sklavenhandels hergestellt und Katholikenversammlungen zu diesem Zwecke abgehalten wurden. Die ganze Angelegenheit erlangte hierdurch einen spezifisch konfessionellen Charakter. Dazu kam, daß die Forderungen des Cardinals nicht weiter gingen als eine Million Francs und 100 Jünglinge — was doch für eine thatsächliche Bekämpfung des Sklavenhandels in Afrika sehr unzulängliche Mittel sind. Man konnte deshalb nicht lange über den eigentlichen Zweck in Zweifel sein, und über einen solchen Zweifel hob die Rede hinweg, die der Bischof von Trier in der Versammlung zu Lüttich hielt. Er sagte unumwunden, daß die katholische Mission die Hauptsache sei und daß die Beförderung dieser den größten Eifer und die Verwendung der Mittel beanspruchen müsse. Jndeß pflegt man bei solcher Gelegenheit, wenn die Mittel aus der eigenen Partei nicht genügend fließen, von der Konfession abzusehen und man lud deshalb in Brüssel den protestantischen Pfarrer und den Großrabbiner zum Eintritt ein. Der Letztere glaubte dem allgemeinen Zwecke der Antisklaverei sich nicht entziehen zu dürfen, um nicht etwa Voraussetzungen konfessioneller Hindernisse hervorzurufen. Bei den Mitgliedern der Gemeinde aber stieß die Sache auf Bedenken; dem so ausgesprochenen konfessionellen Missionszweck wollte man keine Mittel zuführen, und man verweigerte deshalb, Geldmittel zu Gebote zu stellen, so daß diese eben von jüdischer Seite nur karg zuflossen. Jedermann, welcher auf Charakter hält, und nicht blos eine doch nicht anhaltende Gunst erstrebt, wird dieses Verhalten billigen, noch dazu, da bis jetzt dieses Missionswesen sehr geringen Erfolg gehabt und den Fanatismus der Mohamedaner erst recht hervorruft. Frankreich. Paris, 24. December. Die Deputirtenkammer hat in diesem Jahre zu Gunsten des Budgets 1889 die im vorigen Jahre gestrichene Position von 22 000 Francs für das Rabbinerseminar wieder hergestellt. Ohne Debatte hat sie für den israelitischen Kultus 158 900 Francs für das Kultuspersonal, 22000 Francs für das Seminar und 40 000 Francs für israelitische und protestantische Kultusgebäude votirt. Der Senat wird zweifellos seine Zustimmung geben, da er sich ja im vorigen Jahre der Streichung des Postens für das Seminar widersetzt hatte und nur nachgob, um das Budget zu Stande zu bringen, da die Deputirtenkammer hartnäckig bei ihrem Beschlüsse geblieben war. Da sich Aehnliches auch bei dem katholischen und protestantischen Kultus begab, so sieht man, daß gegenwärtig der Wind etwas anders bläst und die Republikaner befürchten, durch ihre Feindschaft gegen den Kultus die Volksmasse gegen sich einzunehmen. Es ist das Verdienst der Regierung und der Budgetkommission, den Posten wieder hergestellt zu haben. Der Berichterstatter der Kommission, Gornot, begab sich zuvor nach dem Seminar, um die Anstalt näher kennen zu lernen und äußerte sich sehr befriedigt. Rußland. Odessa, im December. Herr v. Delianoff, Minister des Unterrichtswesens, besuchte in Odessa, auf einer seiner Jnspectionsreisen, die israelitischen Schulen, die Arbeitsschule der Gesellschaft Trud und das Waisenhaus der Gemeinde. S. Ex. sprach seine Zufriedenheit über die gute Führung dieser Anstalten aus und ermuthigte die Verwaltungen derselben auf das wärmste, ihr wohlthätiges Werk fortzusetzen. „Ich bin sehr erfreut, sagte S. Ex., daß Sie dem Religionsunterricht große Aufmerksamkeit widmen. Nichts hebt und entwickelt den Geist der Hingabe für Thron und Vaterland, die Humanitätsgesinnungen, die Menschenliebe und, im Allgemeinen, alle edlen Regungen wie die Religion. Ich bin überzeugt, daß durch Ihr Erziehungssystem Ihre Zöglinge eines Tages nützliche Bürger werden und daß sie mit Abscheu jene Männer betrachten werden, die jedes Gefühl und jeden Gewissensscrupel in sich ersticken und sich nicht fürchten, zur Gewalt und verbrecherischen Machinationen zu greifen, um die Grundfesten der russischen Gesellschaft zu untergraben. Pest, 24. December. (Literarische Notizen). So viel in den letztverflossenen Jahrzehnten für die Geschichte der Juden auch geschehen ist, die Geschichte der Juden in Amerika ging bis jetzt leer aus; über die Juden in der neuen Welt lassen uns die großen Geschichtswerke völlig im Stich. Wer z. B. in dem 11. Bande von „Graetz, Geschichte der Juden" etwas über die Juden in Amerika zu finden glaubt, der sucht vergebens. Wohl verweist er im Register unter „Amerika" auf „Juden in Amerika", und da wird auf S- 221 verwiesen, aber weder auf dieser noch auf einer anderen Seite des ganzen Bandes ist von den Juden in Amerika die Rede. S. 221 und die folgenden Seiten belehren allerdings über die Juden in Amerika, aber nicht bei Graetz, sondern in der „Neueren Geschichte der Israeliten" von Jost! Wie wohl diese Seitenzahl in Graetz's Register gekommen ist? Eine Geschichte der Juden in Amerika kann cs zur Zeit nicht geben, schrieb Jost vor vierzig Jahren, und heute liegt auch sie vor in prachtvoller Ausstattung unter dem Titel: „The Hebrews in America. A Series of Historical and Biogvaphical Sketches. By Isaac Markens. (New-York 1888.)“ Eine auf gründ- 1*