Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1889)
- Date
- 1889-01-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 wie wir ihn oben angeführt, als richtig. Nach mancherlei Kämpfen zwischen beiden Völkerschaften während der Richterzeit, bekriegte Saul mit Erfolg und besiegte David die Edomiter. Unter den Königen von Juda machten sich die Edomiter unter Joram unabhängig, bis Amasias sie wieder unterjochte; aber Achas vermochte sie nicht unter seiner Herrschaft zu erhalten und wurden die Edomiter zu Feinden Judas, die bei der Eroberung Jerusalems mit thätig waren. Bei dem Falle Judas bemächtigten sie sich sogar Hebrons und des südlichen Theiles von Palästina. In dieser feindseligen Haltung verblieben sie bis der Hasmonäer Johann Hyrkan (129 v. d. gew. Ztr.) sie gänzlich bezwang und dem jüdischen Staate einverleibte. Wie zum Schluffe die Herodianische Dynastie den jüdischen Thron gewann, dennoch die Edomiter im römischen Kriege gegen die Juden feindlich agirten, ist bekannt. Sie entgingen aber nicht dem rächenden Geschick, denn von dieser Zeit an verlieren sie sich ungenannt unter den arabischen Stämmen. — So giebt uns die Erzählung von den Vorgängen in der Jugend Jakob's Aufschluß über die Schicksale des israelitischen Stammes in der Zeit seiner Kindheit, als er sich gegen den der Jagd ergebenen und waffenstarken Stamm Edom zu behaupten und den Besitz des Landes für seinen Landbau und seine Viehzucht zu sichern hatte. Erst mit der Rückkehr Jakobs nach Canaan beginnt die ganz persönliche Geschichte desselben, namentlich mit den Ereignissen Josephs, deren Ziel der Zug des jakobinischen Stammes nach Egypten ist. Jedenfalls wird man durch das richtige Verständniß davon zurückgehalten, die Erzählungen von den Streitigkeiten Jakobs und Esau's vom individuellen sittlichen Standpunkte aus zu beurtheilen, da es sich vielmehr um den Kampf zweier Stämme, die in Anlage und Entwickelung einander entgegengesetzt waren und um den Besitz des Landes handelte. Deutschland. Berlin, 25. Dec. (Privatmilth.) Einem gewissen Theile der Tagespresse, den wir nicht näher zu bezeichnen brauchen, wird der Vorwurf nicht erspart bleiben, je nach der Tagesströmung die entgegengesetztesten Behauptungen und Anschuldigungen vorgebracht zu haben, und so der Wahrhaftigkeit und einer wirklichen Ueberzeugung völlig zu entbehren. Wieviel haben diese gegen das „internationale Kapital" oder „die goldene Internationale" gedonnert, und doch wieder vom Kapital gefordert, „national" zu sein, und im Voraus es, d. h. die Juden anzuklagen, daß es die russische Anleihe in Deutschland fördere. Die Thatsachen haben gelehrt, daß dies nicht der Fall war, daß die deutsche Finanz sich der russischen Finanz nicht angenommen, und nur die Convertirung betrieb, also die Verminderung russischer Papiere in deutschen Händen unterstützte. Hierauf haben jene Tagesblätter eine neue Anforderung gestellt, nämlich, daß die deutsche Finanz, das deutsche Großkapital, die ostafrikanische Gesellschaft vor dem Zusammenbruche schützen und mit reichlichen Mitteln aufrecht erhalten müsse. Auf diese Weise würde das Großkapital seinen nationalen Geist bethätigen; unterließe es dies, so zeige es von neuem, daß es keine Theilnahme für die deutsch-nationalen Interessen hege. Man nennt dies: j die^ Pistole auf die Brust setzen; glücklicher Weise aber ist! dies eine Pistole ohne Ladung. Wir hätten an dieser Stelle über diese Vorgänge nicht zu sprechen, wenn nicht die kon-! servative Presse mit ihren Angriffen auf das Kapital stets unumwunden auf die Juden losschlüge und diese des Mangels an Patriotismus ziehe. Daß man einem Jeden das freie Urtheil über den Werth und Nutzen irgend eines Unternehmens zugestehen müsse, ist eine Einsicht, die diesen Leuten einfür allemal abgeht; sie wollen jedermann zwingen, nach ihrer Pfeife zu tanzen. Warum stellen ste denn nicht gleiche Anforderungen an die Großgrundbesitzer, unter welchen es sehr reiche Subjekte giebt, von deren patriotischer Aufopferung man niemals etwas hört? — Die beiden Helden Böckel und Stöckel — wollte sagen Stöcker — liegen sich fortwährend in den Haaren. Böckel behauptet, Stöcker sei gar kein Antisemit, wolle von dem Grundsatz „Kauf bei keinen Juden'" nichts wissen und seine Frau selbst kaufe bei Juden; die „Christlich-Sozialen" seien ein urtheilsloses Häuflein, das seine Gründe habe, Stöcker nachzulaufen. Stöcke* hingegen meint, Böckel habe nicht einmal die Fähigkeit zu reden und mache, sobald er den Mund öffne, den Antisemitismus lächerlich. Böckel habe gar keinen Begriff von der Bedeutung der „Berliner Bewegung." Bei diesem Streite kann die gute Sache nur gewinnen. Berlin, im December. (Privatmitth.) „Das Blut deines Bruders schreit laut zu mir von der Erde" (1 B. M. 4,10). Ein Schrei des Entsetzens und der Empörung ward allgemein laut, als sich die Kunde verbreitete, daß hier in der Metropole des deutschen Reiches nach kurzer Zeit zum zweiten