Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1888)
- Date
- 1888-12-27
- Page
- Seite 829 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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829 Westfälischen Frieden, wurden die Juden, durch den Schutz der Herzöge, meist wider den Willen der ihre Conkurrenz fürchtenden Kaufleute, in Flandern wieder ansässig und man gewährte ihnen die bürgerlichen Rechte, die politschen ihnen versagend. Auch diesen Beschränkungen machte die französische Revolution von 1789 ein Ende, nachdem durch die Invasion der Franzosen die österreichische Herrschaft aufhörte. Die französische Institution der consistorialen Cultuseinrichtung wurde unter Napoleon auch für die Israeliten Belgiens eingeführt, durch die Constitution 1833 ihre Gleichstellung sanktionirt und durch das Gesetz von 1870 dem Consistorium das bis dahin theoretisch angezweifelte thatsächlich zugestandene Recht einer juristischen Person geregelt. Als historische Skizze hat diese Abhandlung ihren vollen Werth. lieber die gegenwärtigen Zustände, die Zahl und die Institute belgischen Israeliten läßt sie sich nicht aus. — Die „hebräischen Unterrichtsbriefe nach bewährter Methode für den Selbstunterricht in Alt- und Neuhebräisch von Dr. Bernhard Fischer", haben mit der 10. Lieferung (Leipzig, Koch) ihren Abschluß erhalten. Wir können dieses Werk den jüdischen Lehrern zur Verwendung in ihren Schulen und allen den Freunden der hebräischen Sprache und Literatur, welche eine tiefere wissenschaftliche Erforschung der hebräischen Grammatik nicht zu ihrem Ziele haben, angelegentlichst empfehlen. Gerade die hebräische Grammatik ist vielfach dadurch mißhandelt worden, daß man sie durchaus nach dem Schema der Grammatik der klassischen Sprache behandeln und modeln wollte, während die hebräische Sprache in ihrer Eigenart, in ihrer Einfachheit und Mannigfaltigkeit zugleich nach ganz anderen Gesichtspunkten erforscht und behandelt sein will. Von dieser Tendenz ließ sich Dr. Fischer leiten, der seine Befähigung auf diesem Gebiete schon vielfach erwiesen hat, namentlich durch seine Ausgabe und Bearbeitung des Buxtorf'schen Lexikons. Da Lehrern die Anschaffung des Werkes oft schwer fallen wird, müßten wohl die Vorstände der Gemeinden mindestens ein Exemplar anschaffen, damit es ihren Schulen zugute komme. Nicht billigen können wir es, daß Dr. Fischer zum Schlüsse seines Werkes eine Polemik gegen eine orthodoxe Kritik hinzufügt, während doch Jedermann weiß, daß die Orthodoxie keine Freundin der hebräischen Grammatik ist. Auch geht er dabei, wenn auch kurz, auf Ansichten der Bibelkritik ein, die mit der Grammatik nichts zu thun hat. Iie«itte 1 on. Correspoirden). Essen, 7. December. Jubiläum. Eine zweite schöne Feier fand am Abend desselben Tages im Heakshorst'schen Saale statt, nämlich das 32. Stiftungsfest der Chewra Kadischa, bemerkenswerth deshalb, weil der Verein diesen Tag dazu ausersehen hatte, um das 50jährige Amtsjubiläum seines langjährigen geistigen Berathers und Vortragenden, des Herrn Blumenfeld, festlich zu begehen. (Eigentlich waren es am 1. Septbr. 50 Jahre, daß Herr Blumenfeld ins Amt getreten, doch hatte man zur Zeit von einer größeren öffentlichen Feier Abstand genommen, weil man in etwa 2 Jahren das seltene Jubiläum seiner 50jährigen Amtsthätigkeit in Essen feiern wird. Außer zahlreichen Glückwünschen von Nahe und Fern, wurde zur Zeit Herrn Blumenfeld vom Vorstande der Gemeinde ein namhaftes Geldgeschenk als Ehrengabe überreicht.) Doch kehren wir zum Feste der Chewra Kadischa zurück. Beim Eintritt wurde der verehrte Jubilar von dem Vereins- Vorsitzenden, Herrn I. Geldern, herzlich begrüßt und ihm als sichtbares Zeichen der Liebe und Verehrung eine prachtvolle goldene l.hr mit Widmung übergeben. Herr Blumenfeld dankte in längerer Rede und benutzte diese Gelegenheit, um den zahlreichen Mitgliedern, anknüpfend an die Worte Simon des Gerechten: Auf drei Dingen ruht die Welt: auf Thora, Gottesdienst und Wohlthätigkeit, die Bethätigung dieser hehren Worte dringend ans Herz zu legen. Nicht minder interessant war der Rückblick auf seine langjährige Thätigkeit in der Chewra. Nach dem Absingen eines dem Jubilar zu Ehren gedichteten Festliedes wurde noch manches treffliche Wort gesprochen und erst in früher Morgenstunde zogen die letzten Festtheilnehmer heimwärts, mit dem Bewußtsein, Theil genommen zu haben an der Verehrung eines Mannes, dessen Namen in der jüdischen Lehrerwelt einen guten Klang hat. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch recht viele Jahre in bester Gesundheit seines schönen Amtes walten zu können! _ I. Kaufmann. Aus den Erinnerungen eines Arztes. IV. Sie haben mir das Versprechen abgewonnen, Ihnen aus meinen Erfahrungen im Kreise Ihrer Glaubensgenossen,