Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1888)
- Date
- 1888-12-27
- Page
- Seite 828 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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828 sistorien statt. Die Betheiligung war überall eine schwache. In dem Sprengel von Paris waren 3474 Wahlberechtigte eingeschrieben. Sämmtliche Stimmende betrugen 877. Da nach dem Gesetze bei der ersten Wahl ein Drittel der eingeschriebenen Wähler anwesend sein muß, so ist die Wahl ungültig und muß am 23. December wiederholt werden, wo dann die relative Mehrheit genügt. — Der bisherige Unterpräfekt von Abbeville, Herr Strauß (Israelit) ist zum Präfekten des Departements der Dröme ernannt worden. — Der Temps berichtet über die russische Colonie in der Hauptstadt und nimmt dabei Gelegenheit, über die zahlreichen jüdischen Studirenden an der Pariser Universität Mittheilungen zu machen. Das Blatt schätzt ihre Zahl auf 200, von welchen 30 weiblichen Geschlechts. Vor Kurzem noch betrug ihre Gesammtzahl kaum 100. Die ziemlich plötzliche Vermehrung hat ihre Ursache in der Maßregel der russischen Regierung, daß die jüdischen Studirenden nur einen Prozentsatz ausmachen dürfen. Sie haben durchschnittlich ungefähr 70 Francs monatlich zu verzehren und sind auf Entbehrungen und schweres Kämpfen angewiesen. Die Alliance isr. univ. unterstützt sie bedeutend (jedoch nur noch bis zum nächsten Jahre. Redakt.), so daß etwa die Hälfte von ihnen durch die Alliance existiren. Diese Studenten haben auch eine Kasse zur gegenseitigen Unterstützung gegründet, welche besonders für die armen die Jnscriptionsgelder entrichtet. Einige von ihnen senden politische und literarische Correspondenzen an die rumänischen, bulgarischen, amerikanischen Zeitschriften; andere geben Unterricht. Die große Mehrzahl derselben studirt Medizin; nur einige widmen sich dem Recht oder besuchen die Bergwerks¬ und die landwirthschaftliche Schule. Haben sie ihre Studien vollendet, so kehren sie meist nach Rußland zurück. — Bonn, 23. Dez. (Notizen.) Man schreibt aus Marburg vom 10. Dez.: Der wegen Beschimpfung der jüdischen Religion zu Gefängniß verurtheilte Lehrer Fenner hatte ein Gnadengesuch eingereicht, welches, wie die „Hess. Mrg.-Z." berichtet, der Kaiser abschlägig beschieden hat. — Man schreibt aus Frankfurt a. M.: Die Erben unseres kürzlich in Amsterdam verstorbenen Mitbürgers Herrn Elias Fuld haben dem hiesigen israelitischen Almosenkasten ein Geschenk von Mk. 5000 gemacht. — Man schreibt uns aus Leipzig v. 14. December: Am 8. d. M. feierte Herr vr. David Asher in allerStille, imKreise seiner Familie, seinen 70. Geburtstag, was vielleicht seinen zahlreiche» Freunden und früheren Schülern in Deutschland und England zu erfahren erfreulich sein wird und zwar umsomehr, als er dieses nach dem Psalmisten oder Moses dem gewöhnlichen Menschenleben gesteckte Ziel r'z in voller körperlichen Rüstigkeit und Geistesfrische erreicht hat. Zugleich sind es gerade 50 Jahre, seitdem er zuerst sich nach England begab und dort, während eines 11jährigen Aufenthaltes, sich jene Kenntniß der engl. Sprache und Literatur erwarb, die ihm auf diesem Gebiete einen weithin bekannten Namen und die Auszeichnung einer Ernennung zum correspondirenden Mitglied der Berliner Gesellschaft für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen verschaffte.— Aus Westphalen schreibt man uns: Wir erfahren zu unserm Bedauern, daß Herr S. Blume» nau, Prediger und Lehrer der jüdischen Gemeinde zu Bielefeld, nach 34 jähriger Wirksamkeit an diesem Orte aus Gesundheitsrücksichten von seinem Amte zurücktreten werde. Blumenau hat sich durch sein reiches Wissen, seine einsichtsvolle Pädagogik und seinen trefflichen Character die allgemeine Achtung und die Liebe seiner Gemeinde erworben. Man sieht deshalb seinem Scheiden schmerzlich entgegen. Doch hofft man, daß er den Vorsitz im jüdischen Elementarlehrer- Verein für Westphalen und Rheinland und dessen Unterstützungskasse , um deren Gründung und gedeihliche Entwickelung Blumenau sich so viele Verdienste erworben hat, auch fernerhin beibehalten werde. — Aus Wien wird geschrieben: Anläßlich des Kaiserjubiläums hat Hr. Wilhelm Ritter von Gutmann der Ortsgemeinde Krems, in deren Nähe er begütert ist, einen Bauplatz für ein Bezirkssiechenhaus gewidmet und die Kosten des Baues zu tragen erklärt. — In Mißlitz (Mähren) wurde Hr. vr. Simon Stern zum Rabbiner gewählt und hat derselbe seine Stelle bereits angetreten. — Aus Lemberg 15. December wird geschrieben: An die Abgebrannten von Solotiwina hat Baron Hirsch durch den hiesigen Banquier Klermann 10500 Gulden vertheilen lassen. Bonn, 12. December. (Literarische Notizen.) Der Advokat Charles Demeure in Brüssel hat in der Revue des droits internationals (B. XX., Lief. 3 und 5) eine Abhandlung „die Juden in Belgien" veröffentlicht, welche als besondere Broschüre bei Muquardt (Brüssel 1888) erschienen ist. Der Vers, bespricht die Geschichte der Juden in Belgien aus dem Gesichtspunkte ihrer wohlberechtigten Emancipation. Seine Arbeit giebt hinlänglichen Aufschluß über die Geschichte der Juden in den belgischen Ländern, namentlich in Flandern und bringt darüber im Anhang eine Anzahl wichtiger Urkunden herbei. Das Schicksal der Juden in diesem Lande >var dasselbe wie in anderen Ländern während des Mittelalters. Fast gleichberechtigt unter den Karolingern, wurden sie später durch den erwachten und wachsenden Fanatismus, namentlich seit den Kreuzzügeu, gemißhandelt, verfolgt, verjagt und wiederaufgenommen. Jene schmählichen, von Geistlichen und Mönchen erdachten Anschuldigungen von Hostienschändung und Brunnenvergiftung fanden auch in Flandern eine Heimstätte und verursachten Niedermetzelungen und Vertreibungen. Mit den ruhigeren Zeiten, namentlich nach dem