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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-12-27 · Heft 52 (27.12.1888) · p. Seite 827

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 52 (27.12.1888)
Date
1888-12-27
Page
Seite 827 (sequence 11)
Language
German
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827 des christlichen Friedhofes eine Todtenstätte anzulegen. Die Gemeindeverwaltung wie auch die Regierung hatten dagegen nichts einzuwenden; die elftere stellte sogar ein Gemeindegrundstück ihren israelitischen Mitbürgern zu diesem Zwecke zur Verfügung. Das hat nun bei einigen Antisemiten böses Blut gemacht und große Bewegung hervorgerufen. In einer Massenpetition, der sich leider viele Ortseinwohner anschlossen, wird die Gemeindevertretung beschworen, ihren desfaüsigen Beschluß zurückzunehmen und die Anlage eines israelitischen Friedhofes in der Nähe des christlichen nicht zu gestatten. — So geschehen in der „toleranten" Pfalz. Ostrava, (Bez. Posen) im Dec. (Privatmitth.) Auch an jüdischen Volksschullehrern scheint jetzt ein fühlbarer Mangel einzutreten, da mehrere gute Lehrerflellen in unserer Provinz seit geraumer Zeit unbesetzt sind. So ist auch die dritte Stelle an der hiesigen Elementarschule mit einem fixen Einkommen von 1200 Mk. (und Nebenenaccidentien) vacant, ohne daß man von einer endlichen Besetzung derselben hört. Die Ursache dieser Erscheinung mag aber auch vielleicht in dem gegenwärtigen Verfahren bei Besetzung der Vacanzen zu suchen sein. Denn die Stellen werden jetzt nicht mehr von den Schulvorständen, sondern von der königl. Regierung im amtlichen Schulblatte publicirt, welches höchstens die amtirenden Lehrer der Provinz lesen, während Lehrer anderer Provinzen und stellenlose Schulamts-Candidaten entweder keine oder eine verspätete Kenntniß derselben erhalten. — Bewerber um die obenbezeichnete Stelle werden gut thun, ihre Bewerbung persönlich dem Schulrathe in Posen zu überreichen, um sogleich die Stelle antreten zu können. Oesterreich-Ungarn. Wien, 1.5. Dec. Der Legitimations-Ausschuß verhandelte heute über die Wahl des Abg. Dr. Bloch im Stadtbezirk Kolomea. Wie aus dem Berichte des Referenten Dr. Weber hervorgeht, sind bei dieser Wahl unglaubliche Inkorrektheiten vorgekommen. Bestechungen, Drohungen, Erpressungen, Ertheilung von Ohrfeigen und Einsperrungen waren auf der Tagesordnung. Für eine Stimme wurden fünf bis zehn Gulden bezahlt; der höchste Preis war 25 fl., der niederste 1 fl. An einer Brücke, welche die Wähler passiren mußten, hatten sich Parteigänger Dr. Byk's, des Gegenkandidaten Dr. Bloch's, postirt und ließen Niemanden durch, der ihnen nicht einen mit den Namen Byk beschriebenen Wahlzettel vorzeigte. Viele Wähler gingen deßhalb zurück und schrieben sich solche Zettel, im Wahllokal gaben sie aber dann doch Wahlzettel ab, die auf Dr. Bloch lauteten. Trotz aller dieser groben Unzukömmlichkeiten beantragte der Referent. die Wahl zu agnosciren, weil d^ geschilderten Umtriebe auf beiden Seiten vorgekommen sind und sich nicht feststellen ließ, daß dieselben das Wahlresultat tangirt hätten. Der Ausschuß beschloß mit allen gegen drei Stimmen die Agnoscirung. Pest, 14. December. (Privatmitth.) Nach dem an das ungarische Unterrichtsministerium erstatteten Referate wurden von den 60, 79 schulpflichtigen Kindern der Hauptstadt im Schuljahre 1887/88 öffentliche Schulen besucht von 29,811 röm.-katholischen, von 221 griech.-katholischen, von 5187 evangelischen und von 14,613 israelitischen Kindern. In der Hauptstadt giebt es 7 Schulen der israelitischen Confession. Pest, 16. Dec. Die Pester „Chevra Kadischa", die in der verflossenen Woche die in je drei Jahren üblichen Inskriptionen vornahm, beging heute den Abschluß der Mitglieder- Aufnahmen durch eine würdige Schlußfeier. Präsident Karl Reiß hielt eine gehaltvolle Rede, worin er der Kommission Dank sagte. Moriz Wahrmann als Präsident der Cultusgemeinde dankte Herrn Reiß für sein mustergiltiges Wirken, worauf Sekretär I. L. Weißmann über das Resultat der Aufnahmen referirte. Es wurden insgesammt 901 Mitglieder ausgenommen, darunter 67 ehrenhalber und 834 gegen Erlag der Gebühren. Eine mit stürmischem Applaus aufgenommene, von poetischem Schwünge beseelte Ansprache Dr. Kayserling's beschloß würdig das schöne Fest, bei welchem auch der Ofener Schwesterverein durch eine von seinem Vizepräsidenten Stern geführte Deputation vertreten war. Graz, im December. (Privatmitth.) Unter den hiesigen jüdischen Studenten hat sich seit einigen Jahren ein Unterstützungsverein gebildet, unter dem Namen „Humanitas." Das Protektorat desselben hat Rabbiner Dr. Mühsam übernommen und mit vielem Nachdruck geübt. Die Zahl der Mitglieder beträgt jetzt 30 Studirende. Die Kasse erhält auch Unterstützungen von der Wiener Allianz, der hiesigen Gemeinde und von Privatpersonen. Sie zahlt für die Bedürftigen die Kollegiengelder und die Rigorosenkosten, jedoch nur als Darlehen, das nach Erlangung einer Stellung zufolge eines Schuldscheines zurückgezahlt werden muß, wodurch sich die Mittel des Vereins mit der Zeit mehren werden. Aus dem obigen Umstande erklärt es sich, daß der Verein auch in Professoreukreisen Billigung findet, und eine katholische Dame sich bewogen gefühlt hat, der Kasse 50 Fl. zufließen zu lassen. Möge dieser Verein fich recht blühend entfalten und immer mehr auf offne Hände und Herzen stoßen! Der ftudirenden Jugend ihren mühsamen Weg zu erleichtern und ihr zu einer würdigen Thätigkeit und Stellung zu verhelfen, gehört sicher zu den wohlthäiigsten Werken und entspricht ganz den Vorschriften und Lehren unserer Weisen. Frankreich. Paris, 18. December. Am 3. December fanden in Frankreich und Algerien die Wahlen zu den israelitischen Con- 52*

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