Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1888)
- Date
- 1888-12-27
- Page
- Seite 826 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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826 langjähriges Amt, in dem er so bewährt befunden, mit dem Sitz im Magistrats-Collegium zu vertauschen. Aber der Magistrat sei dankbar dafür, daß Herr Friedländer sich schließlich für Annahme des Mandats entschieden habe. Möge er sich auch in seinem neuen Amte wohl fühlen. Darauf leistete der Stadtrath Friedländer den vorgeschriebenen Eid. Nunmehr nahm der stellvertretende Stadtverornedeten-Vorsteher, Direetor Kortzer, das Wort. Er habe zunächst eine angenehme Pflicht zu erfüllen, sagte er, einen Akt der Dankbarkeit zu vollziehen zu Ehren des Mannes, der nun nach so langjähriger Thätigkeit aus dem Collegium scheide. Drei Tugenden seien demselben vor Allem eigen gewesen, drei echte Bürgertugenden, seine strenge Unparteilichkeit, seine Gewissenhaftigkeit und seine Pflichttreue, und diese haben ihm nicht nur das Vertrauen der Versammlung, sondern der ganzen Bürgerschaft erworben und damit auch ein Recht darauf, daß ihm an dieser Stelle öffentlich der Dank der Bürgerschaft ausgesprochen werde. Redner komme dieser Pflicht nach und drücke dem soeben für sein neues Amt Verpflichteten den tiefgefühltesten Dank der Versammlung und Derer, die hinter ihr stehen, der ganzen Bürgerschaft aus, mit dem Wunsche, daß es ihm noch lange vergönnt sein möge, in seinem neuen Amte zum Segen und Gedeihen der Stadt zu wirken. Zum Ausdruck dieses Dankes erhob sich die Versammlung von den Sitzen. Stadtrath Friedländer dankte darauf in kurzen, j bewegten Worten. Damit fand dieser feierliche Akt sein Ende, z Tarnowitz, im December. (Privatmitth.) Seit vier Jahren besteht eine „freie Vereinigung jüdischer Lehrer Oberschlesiens." Sie hält ihre jährliche Versammlung am 26. December, und ein desfalsiges Circular ladet für diesen Tag nach Gleiwitz zur vierten Versammlung ein. Aus der Tagesordnung heben wir hervor: „Ziel und Weg des jüdischen Religionsunterrichtes" und „die religiöse Erziehung unserer Töchter." Dem Circular ist der ausführliche Bericht über die dritte Versammlung hinzugefügt, die am 26. Dec. 1887 in Königshütte unter Theilnahme von über dreißig amtirenden Lehrern und den Rabbinern Dr. Bronn in Pleß, Cohn in Kattowitz und Münz in Gleiwitz und von vielen Mitgliedern der Gemeinde und Umgegend in sehr belebter Weise stattfand. Die Versammlung beschäftigte sich sehr lange und animirt mit einem Vortrage über die Verpflichtung der Gemeinden, für den hebräischen Unterricht zu sorgen, und nahm die Thesen an: 1. Die Einrichtung und Erhaltung des hebräischen Unterrichtes gehört zu den wichtigsten Einrichtungen der jüdischen Gemeinde, und hat dieselbe darüber zu wachen, daß derselbe ertheilt werde. 2. Die Errichtung von hebräischen Unterrichtsanstalten, welche der Leitung pädagogisch gebildeter Lehrer zu übergeben sind, muß überall angestrebt werden. 3. Die Erlheilung des hebräischen Unterrichtes als Privatthätigkeit der Lehrer ist als Nothbehelf nur dann zu empfehlen, wenn die Errichtung von hebräischen Unterrichtsanstalten unmöglich oder mit Schwierigkeiten verbunden ist. Außerdem wurde über den Geschichtsunterricht debattirt und folgende Thesen fanden Annahme: 1. Der Unterricht in der jüdischen Geschichte soll die Jugend durch die Einsicht in den Entwickelungsgang des Judenthums zu klarem Berständniß für das religiöse Leben der Gegenwart, zu überzeugungstreuem Bekenntniß und zu freudiger Ausübung des väterlichen Bekenntnisses erziehen. 2. Demgemäß muß sich der Unterricht auf diejenigen Persönlichkeiten, Literatur-Erzeugnisse und Begriffe beschränken, deren unmittelbarer Einfluß auf die Gestaltung des religiösen Lebens der Gegenwart fortdauert. Er muß ferner mit den äußeren Schicksalen der Vorfahren in der Heimath bekannt machen. 3. Der gesammte Unterrichtsstoff ist um hervorragende Männer zu gruppiren, deren Lebensbilder nach Möglichkeit pragmatisch zu verbinden sind. Auf demselben biographischen Wege muß den Zöglingen eine anschauliche Darstellung der für die jüdische Geschichte charakteristischen Sammelwerke vermittelt werden. 4. Proben literarischer Erzeugnisse sind möglichst nur aus den in allen Händen befindlichen Sammlungen (Siddur, Machsor, Peffach-Hagadah, Selichoth und Kinoth) zu geben. 5. Der Unterricht in der jüdischen Geschichte muß durch die Unterweisung in den übrigen Fächern des Religionsunterrichtes eine stete Förderung und Unterstützung erhalten. Die dem 7ten und 8ten Schuljahre angehörigen Zöglinge erhalten diesen Unterricht in je zwei wöchentlichen Stunden. In jedem Jahre wird der ganze Zeitraum durchgenommen. Der Lehrstoff ist so zu vertheilen, daß beide Jahreskurse einander ergänzen. Man sieht hieraus, daß diese Lehrerversammlung ihre Aufgaben mit Ernst und Gründlichkeit behandelt, und daß auch in dieser Provinz der Geist, welcher die jüdischen Lehrer beseelt, ein trefflicher ist. Wir gehören nicht zu den Leuten, welche an allen Erscheinungen kritteln und nörgeln, sondern erkennen überall den ernsten Eifer und die immer mehr sich entwickelnde Einsicht im ganzen Umfange an, wohl wissend, daß auf diesem Wege das gedeihlichste Ziel erreicht wird. Aus der Pfalz, 14. December. (Frkf. Ztg.) Obschon die Saat Stöcker's in der Pfalz im Allgemeinen wenig fruchtbaren Boden findet, kommt doch ein Stückchen Judenhetze zuweilen vereinzelt vor. Die Israeliten Mutterstadt's, eines Dorfes mit 4000 Seelen, beabsichtigten in der Nähe