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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-12-27 · Heft 52 (27.12.1888) · p. Seite 825

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 52 (27.12.1888)
Date
1888-12-27
Page
Seite 825 (sequence 9)
Language
German
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Dec. „Der hiesige Alpenverein hat bei der Wahl des Vorstandes aus Rücksicht auf die Juden den Professor von Stengel nicht wieder in den Vorstand gewählt. Darüber herrscht in weiteren Kreisen große Aufregung. Der Justizrath Seuffert hat den Vorsitz niedergelegt; viele Austritte folgen." Also lautet ein Telegramm der „Kreuzzeitung". Prof. v. Stengel ist der Kartellbruder, der vor der „guten" oder „vortrefflichen" Landtagswahl in Breslau die brutale antisemitische Hetzrede gehalten hat, ans der wir seiner Zeit einige Kraft- und Saftproben mitgetheilt haben. (Es ist diese Nachricht der Kreuzztg. sehr unwahrscheinlich, da Prof. Seuffert ein freisinniger Mann ist.) Königsberg, i. Pr., im Dec. (Privatmitth.) Das Secretariat der Synagogengemeinde hat eine tabellarische Uebersicht über die wohlthatigen Vereine und Institute der Gemeinden aus dem Jahre 1887 angefertigt. Dieselbe zählt 13 Nummern, für Kranken- und Armenpflege, Wittwen und Waisen, Greise, Schulkinder, Studirende. Das Vermögen derselben beträgt M. 859,725, und die Jahresausgabe M. 65,647. Die Zahl der Mitglieder schwankt bei den einzelnen Vereinen von 117 bis zu 342. Eine angenehme Bemerkung ist, daß, verschieden von allen anderen gleichen Fällen, ein Verein besteht, der in der Provinz auch mehr Mitglieder als in der Hauptstadt, nämlich der „Studienbesörderungsverein für Ost- und Westpreußen" 127 Mitglieder in Königsberg, 190 in der Provinz hat. Möchte es anderswo auch so sein, um wie viel besser würden sich gerade diese Vereine befinden! Auf den Wohlthätigkeitssinn der Königsberger Glaubensgenossen wirft diese Tabelle einen Hellen Lichtblick. Görlitz, im December. Bekanntlich ist ein Wiener Turnverein ans dem allgemeinen Verbände deutscher Turnvereine ausgeschlossen worden, weil er in seine Statuten eine Bestimmung ausgenommen hatte, die gegen das Prinzip der konfessionellen Gleichheit verstößt. Dieser Tage erschien hier ein Oberstlieutenant a. D. bei dem Vorsitzenden des über 400 Mitglieder zählenden hiesigen Turn- und Rettungsvereins und entledigte sich eines ihm vom Wiener Turnverein gewordenen Auftrags, indem er das Terrain bezüglich Verpflanzung des Antisemitismus soudirte und Stimmung zu machen suchte gegen den Leiter des Turnvereinverbandes wegen des von diesen gegen den Wiener Verein verhängten Ausschlusses. Die Antwort, welche der diensteifrige Herr Oberstlieutenant von dem würdigen Vorsteher des Vereins, der ein alter Achtundvierziger ist, erhalten hat, dürfte ihn schwerlich ermuntert haben, seine antisemitischen Propagationsversuche auf die anderen beiden hier bestehenden Turnvereine auszudehnen, die, wie der Turn- und Rettungsverein, im Interesse ihrer gedeihlichen Entwickelung ebenfalls Politik und Religion grundsätzlich von sich fernhalten. Oppeln, 18. December. (Privatmitth.) Mit unbedeutenden Ausnahmen kann man sagen, daß unter den Einwohnern Oppelns ein befriedigendes Einverständniß und ein friedfertiges Verhalten herrscht. Man würdigt jedes Verdienste auf welcher Seite es sich auch finde. Einen Beweis hiervon lieferte die Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung vom 13. December. Herr Friedläuder, der langjährige Präses des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde war seit 22 Jahren Vorsitzender der Stadtverordneten-Versammlung. Jetzt ist er zum Mitglied des Magistrats getvählt worden und hat diese Wahl angenommen. In der gedachten Sitzung der Stadtverordneten wurde dies besprochen und ich gebe darüber den Bericht aus dem „Oberschlesischen Anzeiger" vom 15. December. Er lautet: „Die heutige Stadtverordneten-Sitzung wurde durch den stellvertretenden Stadtverordneten-Vorsteher, Director Kortzer, eröffnet. Zunächst ergreift Bürgermeister Trentin das Wort und gedenkt in warmen Worten der 22jährigen Thätigkeit des bisherigen Stadtverordneten Vorstehers Friedländer im Stadtverordneten-Colleginm. Sein Wirken sei zwar allgemein bekannt, aber drei Dinge müsse Redner heute doch besonders hervorheben, drei Eigenschaften mit besonderer Anerkennung erwähnen. Das erste sei die strenge Unparteilichkeit, mit welcher Herr Friedländer allezeit seines Amtes gewaltet habe; ferner aber eine gewisse Hochherzigkeit, die ihn fern gehalten habe von aller kleinlichen Nörgelei, und endlich die milde und versöhnliche Art, die ihn allezeit ausgezeichnet habe. Der Herr Bürgermeister hofft, daß das gute Einvernehmen, welches unter dem Vorsitz des Herrn Friedländer stets zwischen beiden städtischen Körperschaften geherrscht habe, auch unter dessen Nachfolgern vorhanden sein werde. Schwere Kämpfe habe es den neuerwählten Stadtrath gekostet, sein 52

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