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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-12-27 · Heft 52 (27.12.1888) · p. Seite 823

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 52 (27.12.1888)
Date
1888-12-27
Page
Seite 823 (sequence 7)
Language
German
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823 Bier Mitglieder des studentischen Ausschusses hielten die Ehrenwacht. Als letzte Liebeszeichen hatte der Ausschuß ein Palmenarrangement und außerdem im Namen der gesammten Studentenschaft einen Kranz niederlegen lassen. Die Freie wissenschaftliche Vereinigung brachte einen Kranz mit der Widmung: „Dem mannhaften Vorkämpfer für Einigkeit, Recht und Freiheit." Die Verbindung Ghibellinia ehrte das Andenken des früheren Mitgliedes ebenfalls durch eine Kranze spende. Endlich überbrachte auch die Normannia, aus deren Mitte der Gefallene sich den Sekundanten gewählt hatte, einen Kranz. Aus Breslau war ein Kranz der Pharmazeutischen Gesellschaft eingegangen. Von näheren Verwandten waren die beiden jüngeren Brüder und vier Schwestern anwesend. Die Professoren der Universität hielten sich der Feier fer" Der Ausschuß war mit dem Universitätsbanner und den vier Fakultätsfahnen erschienen, auch die Technische Hochschule, die Bergakademie und die Thierärztliche Hochschule war durch ihre Ausschüsse mit den Banunern vertreten. Jnsgesammt waren 18 Korporationen mit den Fahnen erschienen. Nachdem vier Sänger des Lewandowski'schen Chores „Es ist bestimmt in Gottes Rath" vorgetragen hatten, nahm Rabbiner vr. Maybaum das Wort zur Trauerrede. „Nicht an einen persönlichen Feind", so führte er aus, „denken wir bei dieser Klage, wir denken allein an die barbarische Sitte, der dieses hoffnungsvolle Leben zum Opfer gefallen, an das verderbliche Trugbild falscher Ehre und eingebildeter Tapferkeit. Nicht mit einer göttlichen, sondern mit einer fehlerhaften menschlichen Ordnung haben wir uns hier abzufinden. Es ist der Bruderhaß, dem dieses Leben geopfert worden. Wenn Jeder des Anderen Eigenart achtet und alle Kräfte vereinigt werden zur Verherrlichung unseres Vaterlandes, dann wäre dies das letzte Opferdas der Haß sich eingefordert, dann würde aus dieser blutigen That eine segensreiche Ernte keimen." Nachdem Gesang die Feier im Trauerhause beendigt hatte, ordnete sich der Zug, soweit dies bei dem gewaltigen Menschenandrang überhaupt möglich war. Denselben eröffnete ein Musikkorps, alsdann wurde in einem Wagen das Universitätsbanner gefahren. Dem Leichenwagen schritten sechs Mitglieder des Ausschusses zur Seite. Den Beschluß bildeten 98 Wagen und Droschken erster und zweiter Klasse, sowie eine Abtheilung berittener Schutzleute. Durch dichte Menschenketten bewegte sich der Zug nach dem jüdischen Begräbnißplatz in Weißensee, wo in der mit Blumen geschmückten Bethalle die rituellen Gebete gesprochen wurden. Dann rief noch der Vorsitzende des Ausschusses stuck, matb. Loose dem Freunde ein kurzes Abschiedswort nach und es erfolgte, während die Fahnen und Schläger sich senkten, die Einsenkung des Sarges in die Gruft. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 17. December. Der Kaiser von Oesterreich und König von Ungarn, Franz Joseph, hat in diesen Tagen sein vierzigjähriges Regierungsjubiläum begangen und wurden ihm von seinen Völkern allseits die aufrichtigsten Huldigungen und Beweise der Dankbarkeit dargebracht. Hervorzuheben ist, daß der Kaiser sich alle Geschenke und öffentlichen Kundgebungen verbeten, vielmehr diejenigen, welche ihm ihre Verehrung bezeugen wollten, aufforderte, dies in wohlthätigen Anstalten und Spenden zu thun, was auch viele bedeutende gute Werke hervorrief. In recht sinniger Weise hat der durch mehrere Schriften schon rühmlichst bekannte Oberrabbiner zu Essek, vr. Samuel Spitzer, zu diesem Feste ein schön ausgestattetes Buch „das Jubiläum in seiner wörtlichen und historischen Bedeutung" herausgegeben. Nach einer etwas weitläufig ausgeführten Einleitung bespricht der Verfasser im ersten Abschnitt „die wörtliche Bedeutung des Wortes Jubiläum" und zwar im ersten Capitel im Allgemeinen, im zweiten, was die Bibel über das Wort Jubiläum sage und wie sie es anwende, im dritten im talmudischen Schriftthum, im vierten, wie sich alte und neue Lexikographen zu dem Worte Zobel stellen. Im zweiten Abschnitt behandelt er im ersten Capitel: „die bedeutendsten Jubelfeste in alter Zeit," im zweiten: „religiöse Jubelfeste," im dritten: „Jubelfeste in nationaler Bedeutung" und endlich im vierten: „Jubiläen einzelner hervorragender Persönlichkeiten." Man sieht aus dieser Uebersicht, daß vr. Spitzer seinen Gegenstand nach allen Seiten hin betrachtet, wenn er auch hierbei Bibel und Talmud vorzugsweise im Auge behält. Gerade in der Behandlung, die der umsichtige Verfasser dem Objekte seiner Forschung angedeihen läßt, erkennt man erst recht, welche Fülle sprachlichen und thatsächlichen Inhalts das „Jubiläum" umfaßt, und daß daher eine durchaus erschöpfende Darstellung nicht beansprucht werden konnte, was auch der bescheidene Verfasser mit der Hinweisung andeutet, daß ihm an seinem entlegenen Amtsorte große Bibliotheken nicht zu Gebote standen. Demungeachtet wird Jedermann vielfache Belehrung aus der vorliegenden Schrift schöpfen und ist die Darstellung eine durchaus ansprechende. — Der „Verein für Sozialpolitik" hat eine Enquete über „den Wucher auf dem Lande" veranstaltet und die eingegangenen Berichte veröffentlicht. Diesen Berichten lag ein von dem Verein versandter „Fragebogen" zu Grunde. Allein der letztere, sowie die darauf erfolgten Berichte, die sich natürlich an den Fragebogen anknüpften, haben von vielen Seiten und namentlich im Schoße der jüngsten Generalversammlung des Vereins selbst den lebhaftesten Widerspruch hervorgerufen. Der ganze Fragebogen war ohne wirkliches Verständniß des Gegenstandes zusammengestellt und litt an völliger Unklarheit, wodurch

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