Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1888)
- Date
- 1888-12-27
- Page
- Seite 822 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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822 deutscher Studenten anzugehören, so bemerkte Herr Blum zur sachlichen Berichtigung, er habe gesagt, es sei eine Schmach für die deutsche Studentenschaft, daß ein Verein wie der Verein deutscher Studenten an der Universität existire und jeder anständige Student müsse das Gebühren dieses Vereins verachten, er habe nicht gesagt, daß es eine Schmach sei, diesem Vereine anzugehören, wolle aber auch nicht das Gegentheil behaupten; er lasse seine Ansicht hierüber einfach offen. Der Vorsitzende, der von der Voraussetzung ausging, daß er nur das Recht und die Pflicht habe, »»parlamentarische Ausdrücke und persönliche Beleidigungen der Ausschußmitglieder zurückzuweisen, nicht aber Beleidigungen einer Korporation, erklärte, daß dies nicht in seiner Macht stände. Auf Grund der genannten Beleidigungen des Vereins deutscher Studenten glaubten die beiden anwesenden Mitglieder desselben die Forderung übersenden zu müssen." Allerdings ist, wie dieser Bericht bezeugt, die unmittelbare Provocation von Blum ausgegangen. Aber sie war durch das Verhalten des antisemitische» Vereins, durch dessen Flugblatt und Aeußerungen in vollstem Maße hervorgerufen. Es j mußte im Herzen des jungen Mannes leidenschaftlich aufkvchen, im Gefühle seiner Integrität sich und alle seine Glaubensgenossen in so empörender Weise behandelt zu sehen. Wohl mußte er wissen, daß auf seine Reden Herausforderungen folgen würden. Aber in seinem männlichen Muthe und in der Kraft seines Ehrgefühls scheute er diese [ nicht. Beim dritten Kugelwechsel wurde er in die Brust ge-1 troffen und verschied nach wenigen Augenblicken. Seine Asche! ruhe sanft! In dem Augenblicke, wo wir dies tief bewegt j niederschreiben, wird seine irdische Hülle in den Schvoß der > Erde gesenkt. Wir aber legen im Geiste einen Kranz auf ■ den Grabhügel des jungen Helden und wollen diese Worte! ihm als ein Denkmal auch für kommende Zeiten widmen. j O möchte doch dieses Opfer das letzte eines blinden Haffes sein! — Der im Duell getödtete Cand. med. Hugo Blum; wird Sonntag, 16. d. M., 2 Uhr Nachmittags, von der! Holzmarktstraße 34a. aus, auf dem Begräbnißplatz der jüdischen Gemeinde in Weißensee mit allen studentischen Ehren bestattet werden. Wegen des Zweikampfes ist neben dem gerichtlichen auch das akademische Disziplinarverfahren eingeleitet worden." die Befugniß zustehe, disciplinarisch sinzuschreiten, daß er die Macht habe, sowohl den Ausschuß, wie auch Verbindungen aufzulösen, und daß er auch im Wiederholungsfälle von dieser Macht unnachsichtlich Gebrauch machen und auf das Schärfste Vorgehen werde. Für diesmal wolle er jedoch noch von einem derartigen Vorgehen absehen, in der Erwartung, daß der Fall selbst den Studirenden zur ernsten Mahnung dienen werde; er müsse aber das Verlangen stellen, daß alle anwesenden Ausschußmitglieder ein Schriftstück unterschreiben, in dem sie durch Ehrenwort versichern, daß sie weder aus vorhergegangenen noch zukünftigen Verhandlungen des Ausschusses Veranlassung zu einem Zweikampfe nehmen werden. Die Anwesenden entsprachen diesem Verlangen. Nachdem die Unterschriften abgegeben waren, entließ der Rector den Ausschuß mit folgenden Worten: „Und nun gehen Sie hin, meine Herren, und wirken Sie in der Studentenschaft für die Erreichung aller Ideale, wirken Sie für Gleichheit und Freiheit unter den Studirenden zur Ehre unserer Hochschule und der ganzen deuts chen Studentenschaft."— Die Bestattung des Cand. med. Hugo Blum wird sich voraussichtlich ungemein großartig gestalten. Die Aufbahrung des Sarges erfolgt in der Wohnung einer Tante des Erschossenen, in der Holzmarktstr. 34a (an der Andreasstraße). Der Ausschuß wird im Namen der gesammten Studentenschaft einen Kranz und Palmen auf den Sarg »iederlegen. Vier Mitglieder des Ausschusses werden am Sarge die Ehrenwache übernehmen. Den Trauerzug selbst wird ein vom Ausschuß gestelltes Musikkorps eröffnen; alsdann wird ein Wagen mit dem Universitätsbanner folgen. Hieran schließt sich die zu Fuß folgende Studentenschaft. Dem Leichenwagen werden sechs Mitglieder des Ausschusses zur Seite gehen. Hinter dem Leichenwagen werden zunächst die Wagen mit den Facultätsfahnen, die der Ausschüsse der anderen Hochschulen und endlich die Wagen mit den Bannern und Fahnen der Corporationen folgen, ein Gefolge von etwa 156 Wagen. Der Zug wird sich am Sonntag um 2 Uhr Nachmittags, durch die Andreas-, Frankfurter, Straußberger, Friedens¬ und Greifswalder Straße nach Weißensee begeben. Auf dem Begräbnißplatz wird auch ein Vertreter der Studentenschaft sprechen. — Vom 18. Dezember. Vom 17. Dezember. Man hatte erwartet, daß in Folge dieses Vorganges jener antisemitische „Verein deutscher Studenten" aufgelöst werden würde, wie Aehnliches in Wien geschehen. Es erfolgte nicht. Der zeitige Rector der Berliner Universität, Prof. Gerhardt, erklärte dem Ausschüsse nur, daß ihm als Rector der Universität gerade für Fälle, wie der vorliegende. Die feierliche Beerdigung des eand med. Hugo Blum hat Sonntag Nachmittag stattgefundeu. Lange vor Beginn der Feier war schon das Trauerhaus, Holzmarktstraße 34a. von dichten Menschenmassen umgeben, während viele Tausende in den Straßen, die der Zug zu passiren hatte, Spalier bildeten. Der mit einem schwarzen Tuch bedeckte Sarg war in einem Parterrezimmer vor Topfgewächsen aufgebahrt.