Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1888)
- Date
- 1888-12-27
- Page
- Seite 820 (sequence 4)
- Language
- German
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820 bet zu treiben entweder nicht gewohnt sind oder noch immer einen größeren Nutzen als die Inden suchen. Und obwohlen zwar ein und anderer Prager Professionisten und Handelsleute auf die gänzliche Abschaffung der Judenschaft aus der Privatabsicht iusiotirsu umb sodann den Werth ihrer Feilschaften nach eigener Willkühr zu steigern, so ist doch erwiesen worden, daß ein weit größerer, ja der mehrste Theil der dortigen Bürgerschaft die Einwanderung der Judenschaft sehr sehnlich und von darumb wünschen thun, weil sie wiederum den Weg erreichen werden sich einen Verdienst in ihrer Nahrung zu verschaffen und den benöthigsten Verlag zu ihrem Handwerk in einem wohlfeilen pretio zu überkommen, mithin würde im Fall der jüdischen Abandonirung der wenigste Theil der Stadt Prag nemlich die Handelsleute allein profitiren, die übrige ganze Stadt aber den größten Schaden leiden. Hauptsächlich aber kommt doch das Comercium in Erwägung zu ziehen, welches dermalen gänzlich darnieder geschlagen ist. Die Prager Handelsleute sind nicht im Stande, eine rechtschaffene Handlung zu treiben und wenn das jüdische Comercium, von dannen auch hinweggeschafft wird, so wird Prag nicht mehr Prag, sondern schlechter als manche königl. Stadt auf dem Lande sein, mithin ihr bisheriges Ansehen verlieren, dabei aber Ihrer Majestät Aerarium einen empfindlichen Abfall erleiden. Die Judenschaft hat doch in Handel und Wandel die besten Handelsgriffe und wird auch in jenen Ländern, wo die große Handelschaft getrieben wird, gelitten. Es ergiebt dessen ein Zeugniß die Republik Holland, woselbst die ganze Nation lediglich allein auf die Handelschaft sich verlegt und hiervon eine solche hinlängliche Kenntniß und Erfahrenheit besitzt, daß selbe wahrhaftig nicht Ursache hätte, die Judenschaft zu gedulden und denselben einen so ansehnlichen Theil der Handlung zu überlassen und dennoch wird diese daselbst tolerirt und die Holländer verspiren dessenungeachtet in ihrem Commercio keine Beeinträchtigung. Um so mehr hat also das Königreich Böhmen, wo die Nation fast auf nichts wenigeres als auf das Commerciale einen genium zeigen in Commercio die Judenschaft nicht zu verabscheuen, da es ihnen an dem Surrogate der christlichen Commercianten sehr fehlt. Wie beschwerlich es aber hier gehen würde, dafern die Judenschaft nicht mehr zu Prag, sondern nur auf dem Lande in denen Städten geduldet werden wolle, ein solches hat Graf Haugwitz ganz funndate angezeigt und ist es hierbey vor allen andern um das punotum religionis zu thun, welche durch die vermischte Cohabitation von Christen und Juden bereits einen großen Anstoß gelitten und noch größeres Unheil und Aergerniß zu befahren hätte. Nebstdem ist die Judenschaft ja dennoch ein solches Volk, welches von den meisten Nationen in der Welt tolerirt wird und die h. Bäter Augustinus, Thomas und Bernardus wollen behaupten, daß deren Juden gednldung der Ursachen halber nöthig unv von Gott so disponirt sehen, damit sie als Zeugen von dem alten Testament in denen damaligen Prophezeihungen und göttlichen Wunderwerken unter uns Christen blieben und nicht sonsten etwa das alte mit dem neuen Testament für Fabeln angegeben werden möge. Ja selbst der von Frömmigkeit und Religionseyfer sehr berühmte Kaiser Ferdinand II., obschon von ihm ein Gelübte gemacht zu sein geglaubt wird, alle Ketzer auszurotten, hat dennoch die Juden nicht allein beibehalteu, sondern denselben auch verschiedene nahmhafte Privilegien ertheilt. Gleichwie nun aber die Beibehaltung der Judenschaft auf dem Lande allein aus oben angeführten Ursachen theils beschwerlich, theils gefährlich und in sich selbst notorisch ist, daß selbte auf dem Lande mehr zum Schaden als Nutzen gereichen und insonderheit der Stadt Prag den größten Nachtheil zuziehen würden. Also findet man bei so bewandten Umständen an Sünthen der Commission kein anderes Mittel übrig, als entweder die ganze Judenschaft von Prag und Land aus dem Königreich zu vertreiben, wozu man in dem unterm 28. März 1747 alschon an Ihre Majestät erstatteten allerunterthänigsten Referat die Modalitäten vorgeschlagen oder aber einen Theil derselben und zwar ohngefähr 600 israelitischen vermöglichere Familien wiederum in die Stadt Prag einzunehmen und mit einem gemessenen Contributions-Quanto, welches zum Behuff des domestici und ehedessen ex fundo militari bestrittenen Erforderungen angewendet werden könnte, zu belegen. Uebrigens aber das unnütze arme Judenvolk so keine Mittel zur Treibung einer Nahrung in Händen hat, vollends aus dem Land zu abandoniren und die Eintheilung dieser Abschaffung der jüdischen Commission aufzutragen, jedoch mit dem ausdrücklichen Bedingen, daß aus jeder tolerirenden jüdischen Familie nur einem einzigen Sohn die Berheirathung inner Landes verstattet dem übermäßigen jüdischen Wiederauwachs gesteuert werde/' Die Kaiserin ging in ihrer Resolution vom 14. Juli auf den Vorschlag, die wohlhabenden Juden wieder zurückkehren zu lassen und die Armen zu vertreiben (ein Modus, wie er von Carl VI. im Jahre 1735 in Betreff der Juden in Schlesien ausgesührt wurde) nicht ein und sie gewährte die Rückkehr der Juden im Allgemeinen. Jedenfalls aber beweist der Bericht der Hofkommission,! daß die öffentlichen Interessen durch die Abwesenheit der Juden geschädigt wurden. G. Wolf. .