Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1888)
- Date
- 1888-12-20
- Page
- Seite 814 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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814 S). Dezember. Innerhalb weniger Jahre hat der Tod seine unerbittliche Sense über Männer in unserer Gemeinde geschwungen und sie in die Scheunen der Ewigkeit eingeheimst, welche für jüdisches Wesen größtes Interesse bezeugten und zur Verherrlichung des Judenthums beigetragen. Erst kürzlich wurde ein solch wahrhafter Jude, Herr I. H. Holzinger, zu Grabe getragen. Er war der Begründer der gleichnamigen Firma, eines der bedeutendsten Schnittwaarengcschäfte in Bayern, hatte sich durch Fleiß und Tüchtigkeit von kleinen Anfängen zu großem Wohlstände erhoben und bewahrte dabei stets ein bescheidenes Wesen und eine schlichte Gesinnung. Er genoß die Achtung und das Vertrauen seiner Mitbürger und bekleidete verschiedene Ehrenämter, die er mit Umsicht und Gewissenhaftigkeit verwaltete. Den Sinn für Wohlthätigkeit bekundete der Verlebte durch ein Vermächtniß von 6000 Mk. zu Gunsten bedürftiger Israeliten, welche Stiftung unter dem Namen „Jacob Hirsch, Holzinger'sche Stiftung" die landesherrliche Genehmigung erhielt. Außer obigen 600Mk. bedachte derTestator sowohl die hiesigen zahlreichen jüd. Vereine und Anstalten als auch die politische Gemeinde mit etwa 25000 Mk. Der Bruder des Verblichenen, Herr Jeremias Holzinger, ist der Erbe seiner Tugenden. K e u x 11 e f o tt. Correspondery. Berlin, 7. December. Chanukkahseicr. Am 28. v. M. versammelten sich in den prächtig ausgcstatteten Räumen des Grand-Hotels am Alexanderplatz circa 300 Personen, Damen und Herren, aus den feinsten Kreisen der hiesigen. jüdischen Bevölkerung, um der vom „Verein- Esra-Verband-Berlin" arrangirten Chanukkafeier beizuwohnen. Eine, dem Charakter des Tages entsprechende Festrede, gehalten von Herrn Dr. A. Bl»menthal, leitete die Feier ein, worauf die ganze Versammlung die alte Chanukka-Hymne anstimmte, der ein musikalischer Theil folgte, welchen die Damen Fräulein Reißner, Fräulein Krämer und Herr Cantor Epstein unter ungetheiltem Beifall aussührten. Während der Caffs-Pause ergriff Herr Dr. Hirsch Hildesheimer das Wort. In prägnanten Ausdrücken schilderte er die ganze Colonisations-Bewegung, protestirte gegen die Behauptung, daß ein Zionsfreund kein guter Patriot sein könne, wies auf das edle Wirken des Barons Edmund von Rothschild hin, der das Land unserer Väter über alles liebt, dessenungeachtet aber auch ein guter Franzose ist und forderte die Anwesenden auf, dem Verein Esra, dem einzig großen und regelrechten Palästina-Verein in Deutschland, ihre Unterstützung zuzuwenden. Anhaltender Beifall lohnte den Redner und bekundete, daß dessen Worte den trotz Wind und Wetter lebenden jüdischen Herzen verständlich waren. Besonderer Erwähnung verdienen noch zwei andere Reden: eine im gutem Hebräisch von Herrn Albert Katz, der in der hebräischen Literatur unter dem Namen “rrrr, b*‘n ~''n„ bekannt ist und eine in der russischen Sprache von Student Krebs, welche beide von den vielen anwesend gewesenen russischen Studenten, die zufolge der Ausnahmegesetze im Bärenlande die deutschen Hochschulen aussuchten, mit großem Beifall ausgenommen wurden. Die Einnahmen, die sich auf circa 300 Mk. belaufen und den Colonisten in Palästina zugute kommen, sind dem Central-Comits zur weiteren Beförderung überwiesen worden. Essen, 9. December. Die seit einigen Jahren hier eingeführte Chanukkafeier hat sich einer solchen Beliebtheit zu erfreuen, daß ihr Nichtstattfinden große Enttäuschung in der Gemeinde Hervorrufen würde. Wochenlang vorher halten die Vorstände der drei Wohlthätigkeitsvereine unter Hinzuziehung der Lehrer und einiger besonders für die Sache sich interessirenden Damen Sitzungen ab, sammeln Gelder, besorgen Einkäufe und bereiten im Stillen Alles so vor, daß wenn der Festtag kommt, Alle über Erwarten zufrieden gestellt werden. So hat man in diesem Jahre mit dem zu diesem Zwecke gesammelten Betrage von 550 Mark 42 Kinder mit vollständigen Anzügen, Wäsche, Strümpfen und Schuhen beschenken können. Den bedürftigen Familien werden die Gaben in's Haus geschickt, dagegen ist die Schulfeier, bei der alle Kinder mit inhaltreichen Düten beschenkt werden, eine öffentliche. Die letztere fand nun am Mittwoch den 5. d. M. im großen Casinosaale statt und hatte sich hierzu ein äußerst zahlreiches Publikum eingefunden. Besondere Anziehung mag diesmal die Aufführung des Festspiels „Chanukkah-Wunder" ausgeübt haben, das, von Kindern der Oberklasse dargestellt, reichen Beifall fand. Zuvor hielt Herr Blumenfeld eine inhaltreiche, sehr belehrende Ansprache übrr die Bedutung des Festes, die Eltern bittend, nicht zu ermüden bei der schwierigen Aufgabe der Erziehung zur wahren Religiosität, — die Jugend ermahnend, festzuhalten an den heiligen Ueberlieferungen, so zu leben, daß Eltern und Lehrer mit Freuden auf die Früchte ihrer Saaten blicken könnten! Religiöse Lieder beim Beginn und Schluß trugen zur Verschönerung des Festes bei.