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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-12-20 · Heft 51 (20.12.1888) · p. Seite 806

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 51 (20.12.1888)
Date
1888-12-20
Page
Seite 806 (sequence 6)
Language
German
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806 verpflichtet, sich seiner Familie schonend anzunehmen (1. Sam. 20). In dem Geschicke Absalom's^ wurde dem Volke so recht das Beispiel für die Lehren seiner Weisen gegeben, wohin Anmaßung und Uebermuth führen, und der klägliche und schimpfliche Untergang des empörerischen Sohnes spiegelte unmittelbar die Vergeltung ab. — Eine Ausnahme macht Salomon. Was auch von seiner Weisheit und Gottesfurcht berichtet wird, im Verlauf seiner Regierung bethätigt er beide nicht, da er nach der Ehe mit fremden Königstöchtern verlangte und für sie Götzenaltäre errichtete, besonders aber auch, da er durch Reichthum, Prachtbauten und Verschwendung zu glänzen sich bemühte. Die Folge davon war denn auch die Spaltung des Reiches. Während nun im Reiche Inda die Erbfolge auf dem Thron im Davidischen Hause erhalten blieb, und ein Aufstand, wie er doch schon unter Salomon einmal vorgekommen, niemals stattsand, wechselten die Dynasten im Reiche Israel und konnten sich da die Söhne der Könige vor einem kräftigen Usurpator nicht schützen. Es war dies eben die Folge des Wahlkönigthums. Gewiß ist cs von Bedeutung, daß die Priesterschaft in Israel niemals nach der politischen Oberherrschaft gestrebt hat, d. h. wohl streben konnte. Eli hatte das Richteramt wohl nur zufällig als Priester erhalten, und Jojada kämpfte gegen die blutige Ataljah für den rechtmäßigen König Joas, der, dem Einflüsse seines Retters während dessen Lebens nachgebend, nach dessen Tode den Sohn tödtete. In gleicher Weise wollteil die Propheten nichts anderes, als das Volk mit begeisterter Rede zu Gott, Recht und Sittlichkeit zurückzuführen und kein Einziger derselben, auch Elias nicht, wollte seinen Einfluß auf das Volk benutzen, um sich an die Spitze einer politischen Partei Zu stellen und die politische Macht an sich zu reißen. So gewahren wir hier überall die vollste Bescheidenheit herrschen und Niemand über die Grenzen hinausgehend, welche ihm gesteckt waren. Auch nach der Rückkehr ans dem Exil, wo der Davidische Abkömmling Serubabel an der Spitze stand, strebte dieser nicht nach einer höchsten Gewalt und verschwindet bald aus dem Gesichtskreise. Die Nachkommen Davids tauchen während des zweiten Bestandes nicht auf, wenn auch die Hoffnungen des Volkes sich an dielben knüpften. Als das Hasmonäische Haus sich um Volk und Glauben so hohe Verdienste erworben hatte, war es das Volk selbst, welches ihm, dem Priestergeschlecht, die Königswürde antrug. — Durch diese einfache Skizzirung der Thatsachen glauben wir hinlänglich erwiesen zu haben, daß die Bescheidenheit ein Grundzug des alten Israel war und ebenso in seinen Weisen und Lehrern, in seinen Propheten, Priestern und Fürsten, wie in dem Thun und Lassen des gesammten Volkes sich bethätigte. Lehre und Leben stimmten hierin gänzlich überein, und das Bewußtsein, als Religionsvolk, als Träger des reinen Monotheismus auserwählt zu sein, stand damit nicht im Widerspruch. Die Laron Hirsch-Stiftungen. ii. Wir sind so glücklich, nicht mehr wie in Nr. 50, die Einsondern die Mehrzahl von den Anstalten, die Baron Hirsch mit seinen Mitteln gründet, gebrauchen zu müssen. Bereits vor längerer Zeit brachten russische Blätter Mittheilungen über eine großartige Stiftung, welche Baron Moritz Hirsch zu Gunsten russischer Juden ins Leben rufen wollte. DieModalitäten dieser Stiftung fanden jedoch, wie berichtet wird, nicht die Zustimmung der russischen Juden, welche ihren ganzen Einfluß bei den Behörden geltend machten, um den Czaren zu bewegen, sie in der beabsichtigten Form nicht zuzulassen. Insbesondere behagte ihnen die Bestimmung nicht, daß die Stiftung culturellen Zwecken gewidmet sein solle. Nunmehr ist es aber doch dem Stifter gelungen, seinen Wünschen bezüglich der russischen Stiftung Geltung zu verschaffen, und er hat, wie man uns mittheilt, bei der englischen Bank 50 Millionen Francs zur Errichtung von Schulen für die Juden Rußlands erlegt. Baron Hirsch gedenkt, demnächst eine gleichfalls sehr bedeutende Stiftung für die Juden in Rumänien ins Leben zu rufen. An der Spitze der russischen Stiftung wird Baron Günzburg stehen und ist dieselbe von den gleichen fortschrittlichen und toleranten Ideen getragen, wie die für Galizien und die Bukowina geschaffene. Baron Hirsch verwahrt sich gegen jede separatistische Idee, während er die Assimilirung der Juden mit der übrigen Bevölkerung in Schule und Arbeit anstrebe. Nach dieser Richtung ist es allerdings durchaus angemessen, daß die zu gründenden Schulen auch der christlichen Jugend mit gleichen Beneficien offen stehen sollen. Allein da wäre doch die Fürsorge zu treffen, daß nicht nach und nach Directorat und Lehrkörper aus Männern n i ch t jüdischer Confession bestehen und die Schulen den Juden entzogen würden. —- Beispiele hierfür giebt die Erfahrung mit jüdischen Schulen, die früher eines großen Rufes genossen, an die Hand.

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