Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1888)
- Date
- 1888-12-13
- Page
- Seite 790 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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790 Glauben und schließt mit folgenden charakteristischen Worten: „Hören wir so, worin der Kern des Judenthums besteht, so muß es uns Christen unglaublich scheinen, daß hier eine sogenannte Judenmissionsanstalt nicht allein existirt, sondern auch von vielen Seiten wirksam unterstützt wird, sogar von Personen, die kärglich ihr Brod verdienen." Am Abend versammelte ein Festessen einen großen Theil der jüdischen Gemeinde im prächtig dekorirten Saale des Hotel Phönix. Reden ernsten und heiteren Inhalts wechselte» miteiander ab, Festlieder und Gesänge, ausgeführt von jüdischen Herren und Damen, trugen viel zur heiteren Stimmung bei, und heben wir ganz besonders die geistreiche Rede des Herrn Dr. Seligman, Sohn des früheren Rabbiners, hervor. In schwungvollen Worten wies er darauf hin, wie alle Schattirungen im Judenthum sowohl wie bei den anderen Confessionen in dem einen Brennpunkte — Nächstenliebe — Zusammentreffen. Herrn Dr. Seligman verdanken wir auch eine sehr interessante Broschüre, enthaltend die Memoiren des ersten schwedischen Juden Aron Jsak, nach dessen eigenen Auszeichnungen. — Für seine Verdienste uni den Verein wurde Herr Di-. Klein als Ehrenmitglied der Chewrah ernannt, und dem langjährigen Beamten derselben, Herrn D. L. Meyer, überreichte der Präses die große goldene Medaille der Patrioiischcu Gesellschaft. Man kann sich die mannigfache Wirksamkeit der Chewrah kaum ohne den Beamten Meyer denken, er ist allerorten, wo Hilfe noththut und Barmherzigkeit geübt wird, von unermüdlicher Ausdauer, trotz seines grauen Haares, von einer Gewissenhaftigkeit in der Ausübung seiner Pflichten, die über jedes Lob erhaben ist. So haben sich denn die Herren, welche mit au der Veranstaltung des Festes arbeiteten, uns Alle zum Danke verpflichtet, und ein besonderer Dankeszoll sei Herrn Josef Lublin, Präses der Chewrah, gebracht, der für die Vorbereitungen kein Opfer an Zeit und Mühe scheute, wie auch dem Herrn Abraham Nachmanson, dessen selbstlose Hingebung bei Ausübung der Pflichten als Chewrahmann nicht genug gerühmt rveden kann. Der Wunsch hat sich wohl bei allen Theilnehmern geäußert, daß es unserem Rabbiner Dr. Klein noch lange gegönnt sei, für seine hohen Ziele und zur Ehre des Judenthums in unsrer Mitte zu wirken, und möchten wir öfter Gelegenheit haben, Feste jüdischer Tendenz zu feiern, die das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit zu heben und zu stärken geeignet sind. Schließlich erwähnen wir noch einige Auszeichnungen, die unseren Glaubensgenossen in letzter Zeit zu Theil geworden. Dem vor Jahresfrist dahingeschiedenen Dr. moä. Jakob Levertin, der an 50 Jahre Vorsteher unsrer Gemeinde gewesen, wurde — um sein Andenken zu ehren — von christlichen und jüdischen Freunden und Verehrern ein schönes Denkmal ans dem jüdischen Friedhofe errichtet. Bei der feierlichen Enthüllung hielt Dr. Klein eine ergreifende Ansprache an die zahlreich Versammelten und Trauergesänge erklangen, von Aerzten, Kameraden des Entschlafenen, ansgeführt. Herr Generalconsul E. Frankel wurde zum Mitglied der ersten Kammer, dem preußischen Herrenhaus entsprechend, gewählt, der erste Jude in Schweden, dem diese Würde zu Theil geworden. Als im Sommer der deutsche Kaiser dem schwedischen Hofe einen Besuch abstattete, konnte man in der ersten Reihe der Würdenträger unfern jüdischen Polizeipräsidenten, Herrn Semmy Rubenson, erblicken. Der Kaiser verlieh ihm vor seiner Abreise den Preuß. Kronenorden 2. Kl., und der schwedische König ließ der Polizeibehörde einen öffentlichen Dank abstatten für die musterhafte Ordnung, die beim Empfange geherrscht, obgleich eine gewaltige Menschenmasse auf beschränktem Platz versammelt war. Wien, im Dez. Die Daron Hirsch-Stiftung in Galyien. Baron Hirsch ist, vielleicht weil er von ihr zu oft angegriffen worden, kein Freund der Presse, und so ist erst mittelbar nähere Kunde von seinem neuen großartigen Werke in die Tagespresse gelangt, aus der wir jetzt darüber Folgendes mittheilen können: Baron Moritz Hirsch hat aus Anlaß des vierzigjährige» Regierungs-Jubiläums des Kaisers den Betrag von zwölf Millionen Francs zur Errichtung einer Stiftung unter dem Namen: „Baron Hirsch-Stiftung" zur Verbreitung des Volksschul-Unterrichtes und zur Unterstützung von Handwerk und Ackerbau in Galizien und in der Bukowina gewidmet. Die Ztvecke der Stiftung sollen nach dem Inhalt der Statuten, welche der Regierung überreicht wurden, in folgender Weise verwirklicht werden: 1. Durch Errichtung von Volksschulen und Kindergärten in Galizien und in der Bukowina. 2. Durch Unterstützung von Lehrern, welche sich verpflichten, eine bestimmte Anzahl von Jahren an den Stiftungsschulen zu wirken. 3. Durch Gewährung von Beiträgen für Errichtung jüdischer Schulen. 4. Durch Ankauf von Büchern und Schulrequisiten, welche unentgeltlich an arme Schüler vertheilt werden. 5. Durch Gewährung von Mittagskost und durch Ankauf von Kleidungsstücken für arme Schüler. 6. Durch Placirung jüdischer Lehrlinge bei tüchtigen Handwerkern und Landwirthen zur practischen Erlernung eines Handwerkes und der Landwirthschast. 7. Durch Sorge für einen ent' V