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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-12-13 · Heft 50 (13.12.1888) · p. Seite 789

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 50 (13.12.1888)
Date
1888-12-13
Page
Seite 789 (sequence 5)
Language
German
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789 stand der Chewrah - kadischah, welche der erste in Schweden eingewanderle Jude, Aron Jsak, gegründet hatte, und dieses Fest war in allen seinen Theilen so geglückt, die Theilnahme so groß, weit über den Kreis unserer Gemeinde hinaus, daß es den Beweis geliefert, nicht allein, wie viel jüdischer Sinn noch in unserer Mitte vorhanden, sondern auch, daß unsere Glaubensgenossen hier eine sociale Stellung einnehmen, wie sie ihnen wohl nur in den wenigsten Ländern gegönnt ist. Die gesammte Presse — ohne Ausnahme — brachte überaus wohlwollende Berichte über die Feierlichkeit; den jüdischen Institutionen wurde gerechte Anerkennung zu Theil, so daß dieses Fest als ein wahrer Kiddusch Haschem bezeichnet werden muß. Um die Hebung des jüdischen Namens nach innen und außen hat sich unser Rabbiner, Herr Dr. Klein, große Verdienste erworben. Bei seinem Antritte des hiesigen Rabbinats fand er durchaus keine erquicklichen religiösen Zustände, besonders in den höheren jüdischen Kreisen. Da waren größtenteils die Anknüpfungspunkte an die Lehre Israels abhanden gekommen, verschwunden war das Bewußtsein an die hohen Aufgaben des Judenthums, die es auch in verjüngter Gestalt zu verfolgen hat. Peinlich ging man dem Worte: „Jude" aus dem Wege; nur im Aufgehen in die Gesammtheit sah man das Heil, und nur im Abstreifen aller Formen des Judenthums — freilich ohne officiellen Uebertritt zu einer anderen Confession — glaubte man vor den Andersgläubigen als vollwichtig befunden zu werden. Mit wahrem Mannesmuth, mit glühender Begeisterung für die jüdische Sache machte Herr Dr. Klein gegen jene Auffassungen Front; unbeirrt durch die abfällige Kritik vieler Gemeindemitglieder, über den vermeintlichen Conservatismus des jungen Rabbiners, der die Gemeinde zum Rückschritt bringen wolle, betonte Herr Dr. Klein fast in jeder seiner Predigten den inneren Gehalt des Judenthums, die israelitischen Aufgaben, welch letztere noch der Lösung harrten und nicht aufgegeben werden dürsten. Und wenn auch hier und da der Widerstand so groß war, daß er glauben mußte, seine Kraft wäre zu gering, um so lange genährte Anschauungen umzustürzen und seinen Ideen Geltung zu verschaffen, so verfolgte er doch unerschüttert das vorgesteckte Ziel, für seine Sache in der Synagoge, der Religionsschule und in privaten Kreisen belehrend und anregend wirkend. In welchem Maße ihm dies nach kaum 5 jähriger Wirksamkeit gelungen ist, davon gab jenes Synagogenfest beredtes Zeugniß. Da war die ganze Gemeinde mit ihrer Elite vertreten, zugleich auch geladene Gäste, hochgestellte Persönlichkeiten, und jetzt in Gegenwart so vieler Nichtjuden fand man sich gar nicht mehr peinlich berührt, ja es war eine gehobene Stimmung, man fühlte einen berechtigen Stolz, von der Kanzel herab specifisch jüdische Tugenden als solche Preisen zu hören. Wer nur einigermaßen offenen Blick für unsre früheren und jetzigen Zustände hatte, konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, welch bedeutsame Wandlung in den Gemüthern vorgegangen und nicht durch gewaltsame Mittel, sondern durch milde Belehrung, die endlich Eingang finden mußte, weil innert Ueberzeugung und reine Absichten — ohne jedweden Nebenzweck — die Hebel waren. Neber die Feier selbst lassen wir einen christlichen Berichterstatter sprechen: „Die israelitische Gemeinde in Stockholm feierte am 18. Nov. ein Fest, das unvergeßlich in der Erinnerung aller Derer bleiben wird, die demselben beigewohnt. Schon eine Stunde vor Beginn der Feier versammelten sich die Festtheilnehmer und füllten bald bisauf den letzten Platz die herrliche Synagoge, die an der Kanzelseite mit Blumen und Palmen geschmackvoll geziert war. Nach dem Gesänge einer eigens für das Fest componirten Cantate betrat der Rabbiner, Herr Dr. Klein, die Kanzel, um der hohen Bedeutung des Tages Ausdruck zu geben. Es war ein geistreicher, gemüthvoller und auch in der Form ausgezeichneter Vortrag. Dr. Klein predigt in schwedischer Sprache und sein Schwedisch ist musterhaft, obgleich er nicht länger als 5l/2 Jahr in Schweden gelebt hat. Auch außerhalb der Synagoge (u. A. an der Universität zu Upsala) hat er sich als vortrefflicher Redner bewährt. Herr Dr. Klein schilderte in kurzen, aber markigen Zügen die lange Wanderung Israels durch die Jahrtausende und wie es überall und jeder Zeit in Freud und Leid Werke der Barmherzigkeit übte, so daß reine Menschen- und Nächstenliebe sich als ein uralter Bestandtheil der jüdischen Religion erwiesen. Auch Dankbarkeit sei eine alte jüdische Tugend, und in dankbarem Gedächtniß halte die schwedische Judeuheit den hochherzigen König Gustav III., der sein Land den Israeliten geöffnet, ferner den erleuchteten Oberstatthalter, Freiherrn von Sparre, dessen Humanität den armen Eingewanderten wohl zu Statten kam, und Dank dem freien und edlen schwedischen Volke, das niemals seine jüdischen Bürger gekränkt und bedrückt hat. Der Redner gedachte der Schicksale des muthigen Juden Aron Jsak, des ersten Ein gewanderten, wie er, kaum festen Fuß gefaßt, die Chewrah-kadischah gegründet, welcher Verein nun im Laufe eines Jahrhunderts segensreich gewirkt hat mit seinen edlen Zwecken: Armen- und Krankenpflege und Ausübung der letzten Liebesdienste an den entschlafene Glaubensgenossen. Mit einer beredten Mahnung an Israel, das Vermächtniß der Väter hoch und heilig zu halten und alle Zeit das wichtigste Gebot der jüdischen Religion, reine Nächstenliebe zu üben, und mit einem der feierlichen Stimmung angemessenen Gebete schloß der Bortrag, der fast eine ganze Stunde dauerte und dem doch die große Zuhörerschaar mit gespannter Aufmerksamkeit gefolgt war." In einer andern Zeitung zieht ein christlicher Berichterstatter eine Parallele zwischen christlichem und jüdischem

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