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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-12-06 · Heft 49 (6.12.1888) · p. Seite 778

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 49 (6.12.1888)
Date
1888-12-06
Page
Seite 778 (sequence 10)
Language
German
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778 führung des Handarbeitsunlerrichtes in die jüdischen Schulen und Waisenhäuser können wir nur immer wieder unsere Stimme vernehmen lassen. BreLlarr, 26. Nov. Man erinnert sich, schreibt die „Brest. Ztg.", an die ungeheuerliche Behauptung, der verstorbene französische Minister Crömieux habe eine Million bereitgestellt für einen Mörder Kaiser Wilhelms I. Der Eisenbahn-Betriebs'Secretär und Maurermeister Schirmer (in Breslau) hatte (anläßlich der neulichen Wahlen) dieses Geschichtchen ohne Widerspruch und sogar unter Zeichen des Beifalls seiner kartellistischen Freunde ausgesprochen und wollte damit nur einen neuen Beweis für die Nichtswürdigkeit aller Juden und der mit ihnen verbündeten Freisinnigen herbeibringen. Herr Professor Freiherr von Stengel, der der Jugend unserer Hochschule durch „die Ohrfeigen, die man herunterschlägt," schon Proben einer gewissen schneidigen Burschikosität gegeben, fand auch dieses kindische Märchen wahrscheinlich ganz glaublich und wunderte sich, daß man mit dieser Crsmieux-Affaire so viel hermache. Aus deutschen Zeitungen ist die Behauptung des Herrn Schirmer in französische Blätter übergegangen, und ein Freund der Familie Cromieux glaubte, es sei eine Pflicht seiner einzigen Tochter, den Breslauer Redner wegen Verleumdung ihres Vaters zu verklagen. Frau Mathilde Peigno-Cromieux antwortete darauf in einem Schreiben, das wir wiederzugeben in der Lage sind. Sein Inhalt ist für die Gesinnung der Schreiberin ein ehrenvolles Zeugniß, für den Breslauer Herrn aber, der das Andenken Crömieux' in der geschilderten Weise beschimpft hat, sowie für seine gläubigen Zuhörer tief beschämend. Es heißt in dem betreffenden Schreiben (in deutscher Uebersetzung): „Mein Vater war, so lange er lebte, wie alle in der Oeffentlichkeit wirkenden Männer der Verleumdung ausgesetzt. Aber er hat sie immer verachtet, indem er sich begnügte mit der Achtung und der Liebe derjenigen, die ihm nahe standen. Niemals wäre es ihm in den Sinn gekommen, einen Verleumder zu verfolgen, und ich glaube, daß ich es seinem Andenken schuldig bin, so zu handeln, wie er selbst gehandelt hat. Was die gegen ihn in Breslau erfundene gehässige Verleumdung betrifft, so wird sie Niemand, sei er ein Deutscher oder Franzose, glauben. Mein Vater hat mit allen seinen Kräften, gemäß seiner Pflicht als Franzose und als Mitglied der Regierung, an dem Werke der nationalen Vertheidigung sich betheiligt, aber er würde sich und sein Vaterland zu entehren geglaubt haben, wenn er zu einem Meuchelmord ermuthigt hätte. Eine solche Infamie lohnt nicht der Verfolgung, sie verdient nur Verachtung. " Oesterreich-Ungarn. Wien, 23. November. Im Abgeordnetenhaus gab es heute wieder ein kleines Scharmützel zwischen Kronawetter und dem Antisemiten Türk. Kronawetter citirte eine gegen Türk gerichtete Stelle aus einem socialistischen Wochenblatte. — Türk ruft: Bravo! Sehr gut heruntergelesen! Welcher Jude hat das geschrieben? — Kronawetter: Das ist ans der „Gleichheit"; auf die Juden werde ich aber gleich zu sprechen kommen. (Lebhafte Heiterkeit.) Gegenüber dem Steuerkataster — fährt Kronawetter fort — schätzen unsere biederen Landleute den Ertrag ihrer Aecker und Wiesen sehr niedrig; wolle man aber den wahren Ertrag wissen, dann müsse man sehen, welche Summe sie verlangen, wenn man — wie setzt für die Ergänzung der Wiener Hochquellenleitung — ihren Grund ablösen muß. Da verlangen sie 600 ft. für ein Joch Wiese. Wir werden jetzt ein Anlehen aufnehmen müssen für diese Wasserleitung und da werden uns die Banquiers, unter denen auch einige Juden sind, so hohe Zinsen auslegen, als ihnen nur möglich sein wird. Aber wenn uns die Juden vielleicht den Rock wegnehmen, so ziehen uns die vereinigten Christen des Schwarzathales die Haut herunter. (Stürmische Heiterkeit.) Ich war drei Jahre Grundeinlösungs-Commissär; bei Juden habe ich nie expropriiren müssen, bei Bauern aber immer, und ich sage Ihnen, wenn ich wieder Grundeinlösungs-Commissär sein sollte, so sind mir gewiß zehn Juden lieber, als ein einziger Bauer. (Stürmische Heiterkeit; Widerspruch der Antisemiten.) — Isaak und Israel Friedmann, die Söhne des verstorbenen „Wunderrabbi von Sadagora", setzten die Thätigkeit ihres Vaters in Ertheilung von Segenssprüchen, zumeist gegen Entgelt, u. s. w. fort. Die Finanz-Bezirks- Dircction in Czernowitz legte ihnen nun einen Steuersatz von 105 fl. Per Semester auf, weil ihre Thätigkeit nicht eine rein religiöse, sondern auch eine auf Erwerb gerichtete sei. Gegen die ihnen auferlegte Steuer ergriffen die Brüder die Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof, vor welchem gestern die Verhandlung stattfand. Die von vr. Zimmermann vertretene Beschwerde führte aus, Gebete und Segenssprüche könnten nicht unter eine solche Categorie der Thätigkeit fallen, welche besteuert werden könne; außerdem. fließe das Honorar für diese mehr religiöse Thätigkeit ausschließlich wohlthätigen Zwecken zu und die beiden Brüder leben nur von den Zinsen ihres Vermögens. Demgegenüber machte der Vertreter der Finanzbehörde, Ministerial-Secretär vr. Ritter v. Leisigang, geltend, es sei durch die gepflogenen Erhebungen festgestellt, daß die Brüder sich auch mit Schlichtung von Streitigkeiten befassen, welche von ihnen allerdings auch als religiöse Actionen bezeichnet werden; außerdem sei es er-

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