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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-11-29 · Heft 48 (29.11.1888) · p. Seite 765

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 48 (29.11.1888)
Date
1888-11-29
Page
Seite 765 (sequence 13)
Language
German
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765 gemildert wurde. Außerdem wurden hier alljährlich zur Chanukafeier die armen Kinder auf Anregung des Herrn Br. Fried bekleidet. Freilich hat derselbe auch manche Anfeindungen gefunden, aber unbekümmert um dieselbe folgte er unentwegt der Verwirklichung seiner wahrhaft erhabenen Ziele. Dem überaus friedlichen Charakter des Herrn Dr. Fried, seinen mit wahrer Begeisterung gesprochenen und deshalb auch begeisternden Reden gelang es, selbst die Widersacher in Freunde und Verehrer zu verwandeln, so daß wohl allgemein das Scheiden dieses reichbegabten Mannes von Herzen bedauert wird, und daß ihm nur die innigsten Wünsche für sein ferneres Wohlergehen begleiten."— AusPreßburg wird geschrieben: „Vorgestern Nachts wurde der israelitische Tempel in Stampfen erbrochen und vollständig ausgeplündert, sogar Gold- und Silberstickereien aus Gewändern wurden ausgeschnitten. Der Einbruch dürfte von mehreren Personen ausgeführt worden sein." I e u i l t e t o n. M h 4 I Erklärung enthalten, indem Moritz Scharf auf Befragen eine Mütly «Vchllts. ausführliche Antwort gegeben hat. Das jüngste Bulletin der Bei Nennung dieses Namens werden sich Viele ioueö 1 Alliance isr. nniv. enthält oiese Antwort, die folgendermaßen berüchtigten Processes erinnern, welchen die Antisemiten an- Lautet: gestiftet und durch den sie über Judenthum und Inden einen! „Ehe mein Bruder Samu oder ich ein Wort davon entscheidenden Triumph zu feiern gedachten, der jedoch zu gesagt, hatte sich in unserem Dorfe die Nachricht verbreitet, ihrer eigenen Schmach ausfiel, des Processes zu Tisza-Eslar.! daß mein Vater in Gemeinschaft mit einigen anderen Juden Auch nachdem der, wahrlich nicht für die Juden eingenorn-1 bie junge Esther Solymossi umgebracht habe. Ich weiß nicht, mene Gerichtshof sein Nrtheil gefällt und die Anklage als ^ver die Fabel erfunden und verbreitet hatte, ich habe nur grundlos zurückgewiesen hatte, blieben noch mancherlei Räthsel! aus Furcht wiederholt, was man mir vorsagte. Ich war übrig, von welchen noch heute einige nicht gelöst sind. Denn! damals ein kleiner unwissender Bauer, furchtsam tutb vor welches das Schicksal des unglücklichen Mädchens gewesen, blieb unentdeckt, und räthselhaft erschien es in Europa, daß ein Verfahren, wie es antisemitische Beamte hierbei getrieben, nicht blos möglich war, sondern auch ungestraft verbleiben allem in Angst vor den Gerichtsbeamteu. Der bloße Anblick eines Gendarmen trieb mich in die Flucht. Eines Abends zwangen mich zwei dieser furchtbaren Menschen, in einen Wagen zu steigen und brachten mich nach Nagysalu zum konnte. Der dunkelste Theil des ganzen Vorgangs war aber, Polizeicommissar Recski; bei Nennung dieses Namens schütwie der eigene Sohn, ein etwa zwölfjähriger Knabe, gegen telte mich schon das Fieber. Sie thaten mir kein Leids an. den Vater, den Hauptangeklagten, in der entschiedensten Weise Recski schickte mich zu Bett, ich folgte und schlief auch ein. zeugen, in allen Phasen des Processes bei seiner, die Anklage eigentlich allein unterstützenden Aussage blieb. Es war dies ein feines Stückchen Jntrigue der Antisemiten, denn Jedermann mußte an das Verbrechen glauben, wenn der Sohn den eigenen Vater beschuldigte. Und doch war es wiederum ein grobes Stückchen, denn jeder Unbefangene mußte sich sagen, daß, wo so der Natur widersprochen und Zwang angethan wurde, besondere Triebfedern vorhanden sein mußten, so daß das Zeugniß des Knaben unglaubhaft erschien. Glücklicher Weise erwies sich durch die Untersuchung der Loealität die Aussage des Knaben als durchaus falsch, da er von dem Standpunkte, den er eingenommen haben wollte, das garnicht zu sehen vermochte, was er gesehen zu haben vorgab. Merkwürdig war es auch, daß traß alledem der freigesprochene Vater den Knaben wieder zu sich nahm und ihn liebevoll behandelte. Da beide sich weder in der Heimath noch in Pest sicher fühlten, wauderten sie nach Amsterdam, wo Moritz Scharf bei einem Handwerker in die Lehre kam und jetzt sein Handwerk betreibt. In dem ungarischen Blatte Eggenlösep ist jetzt eine Ich schlief wahrscheinlich bereits seit mehreren Stunden, als ich plötzlich von Recski aufgerüttelt wurde; derselbe schleppte mich in sein Zimmer und schrie mich dort mit dröhnender Stimme und rollenden Augen an: „Nun sprich, junger jüdischer Taugenichts, wenn Du nicht willst, daß Dein Blut augenblicklich von meinen Hunden gesoffen werde. Ist es nicht wahr, daß auch Du es mit angesehen hast, wie Esther Solymossi umgebracht wurde? Vorwärts Du Taugenichts, gieb zu, daß Du es mit angesehen hast, sonst-Und der furchtbare Mann erhob eine riesige Keule. Ich antwortete: „Ja, ich habe es gesehen." Auf alle seine Fragen antwortete ich bejahend und mit den Wendungen, in denen die Geschichte im Dorfe colportirt worden war. Peczeli war zugegen und schrieb meine Antworten nieder (Peczeli war es, den der Advocat Eötwos als einen früheren Zuchthäusler wegen verübter Mordthaten entlarvte). Recski befahl mir alsdann, meine Erklärung zu unterschreiben, dessen weigerte ich mich jedoch; wie ick dies wagen konnte, ist mir heute noch nicht erklärlich. Darauf packte mich Recski bei den Ohren, hob mich in die Luft und warf mich auf den Boden,

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