Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-11-29 · Heft 48 (29.11.1888) · p. Seite 764

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 48 (29.11.1888)
Date
1888-11-29
Page
Seite 764 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227717-3227766--45793-3265327
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

764 dem Orient", die er im Jahrgang 1833 in dieser Zeitung (von Nr. 18 an) veröffentlichte. Außerdem hat er einige sprachwissenschaftliche Arbeiten geliefert. In strenger Orthodoxie mit Sir Moses übereinstimmend, hat er auf diesen gewiß mannigfachen Einfluß ausgeübt. Er errichtete ein Pensionat in Brighton und wurde später Director des zum Andenken an Lady Judith von ihrem Gatten gegründeten rabbinischen Seminars zu Ramsgate. Sir Moses hatte ihn auch beauftragt, eine Lebensbeschreibung dieser jüdischen Philanthropin zu schreiben, und dieselbe, die zugleich eine des nun ebenfalls verstorbenen Sir Moses ist, soll nächstens veröffentlicht werden. Wie gesagt, war Löwe namentlich in orientalischen Sprachen, selbst der circassischen und nubischen sehr bewandert; doch fehlte ihm schriftstellerische Begabung. Für das englische Judenthum hat er namentlich durch das rabbinische Seminar namhaft gewirkt. London, 15. November. (Privatmitth.) Bekanntlich haben vor Kurzem die deutsche und die englische Regierung einen Vertrag zur Ausführung einer Blokade eines Theiles der ostafrikanischen Küste zur Verhinderung der Ausfuhr von Sklaven und der Einfuhr von Waffen und Munition abgeschlossen. Es geschah dies nach diplomatischem Gebrauche durch Auswechselung von Noten, indem die Antwortsnote der englischen Regierung nur eine Umschreibung der deutschen Note bildet. Englische Blätter machen nun auf die Verschiedenheit in der Ausdrucksweise beider Noten aufmerksam und ziehen daraus den Schluß, daß der Coufessionalismus in Deutschland bei Weitem vorherrschender, als in dem sonst so kirchlich gesinnten England sei. Zum Beweise führen sie die Anfangssätze der beiden Noten an. In der deutschen heißt es: „Angesichts der zunehmenden Ausdehnung der Feindseligkeiten, mit welchen die Sklavenhändler arabischer Nationalität der Unterdrückung des Negerhandels und dem legitimen Handel der christlichen Völker mit den Eingeborenen Afrikas entgegegentreten u. s. w." Die englische Note Lautet: „Angesichts der zunehmenden Ausdehnung des Sklavenhandels an der Ostküste von Afrika und der Störungen und Hindernisse, welche derselbe dem legitimen. Handel bereitet u. s. w." Die englischen Blätter heben nun hervor, daß die Note ihrer Regierung weder „die arabische Nationalität" noch „die christlichen Völker" erwähnt. Die Gründe lägen darin, daß die Feindseligkeiten an der Ostküste noch andere Gründe und Ursachen als die Aufhetzerei der arabischen Sklavenhändler haben, worüber jetzt namentlich von den Missionären recht betrübende Berichte erfolgen, und daß die englische Regierung in ihren Besitzungen viele Millionen mohamedanischer, brahmanischer und buddhistischer Unterthanen zähle, welche ebenfalls Handel nach der afrikanischen Ostküste treiben, ja auch Juden und Parsen, für deren Sicherheit sie nicht minder zu sorgen habe als für den Handel der „christlichen Völker". Die englische Regierung dürfe daher einen konfessionellen Unterschied in ihren Maßnahmen nicht treffen und müsse jede Bezeichnung einer eonfessionellen Beschränkung vermeiden. *) Rumänien. Bukarest, 18. November. Das Ministerium R'osetti hat den von Bratiano angeordneten Zwang des Paßvisums für aus Südrußland kommende Reisende aufgehoben. Abgesehen davon, daß hierdurch der Grenzverkehr wieder erleichtert wird, ist dadurch flüchtigen oder aus Rußland ausgewiesenen Juden der Uebertritt über die rumänische Grenze und der Durchgang durch rumänisches Gebiet wieder ermöglicht. Aegypten. Alexandrien, im November. Wie man berichtet, finden Verhandlungen zwischen der bekannten Familie Manasseh von hier und der Anglo-Jewish Association statt, um eine technische Schule in England zu errichten, in welcher eine Anzahl israelitischer junger Leute aus Aegypten ausgebildet werden soll. (Auf diese Weise würde unsre ursprüngliche Idee, junge Leute aus dem Orient in Europa auszubilden und zu erziehen, um sie dann als Pioniere der Cultur nach der Heimath zurückzusenden, doch noch zur Ausführung kommen. Dieser Gedanke, den wir persönlich längere Zeit verfolgten, gab zu den Unternehmungen für die Heranbildung unserer orientalischen Glaubensgenossen die nächste Veranlassung. Jndeß geben wir gern zu, daß die Zeit unterdeß reifer geworden, die Cultur in die orientalischen Länder mehr eingedrungen und unfern orientalischen Stammesgenossen für die Cultur empfänglicher wurden.) Bonn, 25. November. (Notizen.) Wir geben genau folgende Notiz aus dem „Oberschl. Anz." vom 18. Nov. wieder. „Der Rabbiner der hiesigen Synagogengemeinde Herr Dr. Fried, welcher einem ehrenvollen Rufe der Synagogengemeinde in Ulm folgt, hielt heute im Betsaale der hiesigen jüdischen Gemeinde seine Abschiedsrede. Die Gemeinde verliert in Herrn Br. Fried einen gewandten, vorzüglichen Kanzelredner, einen bewährten Schulmann, und vor Allem einen überaus edlen Charakter, der seinen Edelmuth und humanen Sinn vielfach bewährte, wovon die wohlthätigen Institutionen, die er ins Leben gerufen, beredtes Zeugniß ablegen. Herr vr. Fried hat, um nur Einzelnes zu erwähnen, hier einen Armenverein gegründet, durch dessen reichliche Mittel (1500 M. jährlich) so manche Thränen armer Witlwen und Waisen getrocknet, das tiefe Weh so vieler Dürftigen und Leidenden 0 Nach und neben vorliegenden Berichten bestehen in Sansibar allerdings mehrere bedeutende persische Handelshäuser aus Ostindien. Nicht minder giebt es auch Juden in Sansibar, vgl. auch die Notiz Jahrg. 18 s 7 S. 203. Redaktion. /

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.