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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-11-22 · Heft 47 (22.11.1888) · p. Seite 746

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 47 (22.11.1888)
Date
1888-11-22
Page
Seite 746 (sequence 10)
Language
German
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746 macht. Anfänglich bloß für Waisenknaben aus der Gemeinde bestimmt, nahm sie auch solche aus der Provinz auf, mußte aber viele Gesuche aus Mangel an Mittel und Räumlichkeiten abweisen. Diesem Uebelstande soll nun abgeholfen werden, und der Vorstand vermochte für 30,000 Mk. ein angrenzendes Grundstück zu erkaufen, so daß die Zahl der Zöglinge vermehrt werden kann. Gegenwärtig enthält die Anstalt 11 Knaben aus der Stadt und 7 aus der Provinz. Man erwartet, und wir hoffen, daß diese Erwartung nicht getäuscht werde, daß die weiteren erforderlichen Mittel aus der Provinz zufließen werden, welcher doch die Erweiterung der Anstalt zum Nutzen gereicht. Die Einnahmen betrugen 1887 M. 24,688, die Ausgaben M. 12,209. Gießen, 8. November. (Privatmitth.) Des seltenen Vorkommnisses wegen dürfte wohl nachfolgende Adresse, welche die philosophische Facultät der hiesigen Universität durch ihren Decan mir gestern zu meinem 60 jährigen Doctor-Jubiläum hat überreichen lassen, zu veröffentlichen werth erscheinen. Gießen, den 7. November 1888. Hochehrwürdiger Herr Jubilar! Zehn Jahre sind verflossen, seit die philosophische Facultät der Landes-Universität die Freude hatte, das 50 Jahre zuvor Ihnen verliehene Doctor-Diplom zu erneuern und mit der Anerkennung Ihrer hochverdienstlichen Wirksamkeit die besten Wünsche für deren glückliche Fortdauer auszusprechen. Diese Wünsche sind auf das Schönste in Erfüllung gegangen. Die seltene Feier des sechzigjährigen Doctor- Jubiläums begehen Sie heute in einer ungewöhnlichen Rüstigkeit an Geist und Körper, welche zu der Hoffnung berechtigt, daß Sie Ihrer segensreichen Amtsthätigkeit noch viele Jahre erhallen bleiben werden. Um so freudiger bringen wir Ihnen zu dem heutigen Tage unsre herzlichen Glückwünsche dar. Wir gedenken dabei mit Genugthuung der Anhänglichkeit, welche Sie der LudoviciaDa bewahrt und durch die hochherzige Schenkung Ihrer Bibliothek bethätigt haben. Die Großherzogliche philosophische Facultät. ]>. Pasch, d. Z. Decan. Speyer, 12. November. (Privatmitth.) Am 5. October beging die hiesige isr. Gemeinde eine Feier, die, wenn auch gerade keine freudige, doch Zeugniß ablegt von dem hier herrschenden Einigleben der verschiedenen Confessionen. Der bisherige, seit 60 Jahren benützte isr. Friedhof wurde, da total belegt, geschlossen. Beinahe die gesammte Gemeinde folgte einer Einladung des Synagogen-Ausschusses und erschien Vormittags 9 Uhr auf dem alten Gottesacker, um dem Schlußakte beizuwohnen. Der Synagogen-Vorstand und Stadtrath, Herr Sig. Herz, wußte durch eine tief zu Gemüthe gehende Ansprache einen großen Eindruck bei den Anwesenden zu hinterlassen. Trauernden Herzens verließ Jedermann die Stätte, welche unsere seit 6 Decennien verstorbenen Angehörigen birgt. Um */2ll Uhr fand die erste Beerdigung auf dem neuen Friedhofe statt, wozu der Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Salvendi erschienen war. Nach Betreten der neuen Stätte (dicht neben dem neuen christlichen Friedhofe) und nach Abstellen der Leiche ergreift wiederum Herr Herz das Wort, um in fließender Rede darznthun, welches Entgegenkommen der israelitischen Gemeinde seitens der politischen gezeigt wurde. Schon vor elf Jahren habe die israelitische Gemeinde in einer Versammlung beschlossen, an den Stadtrath das Ersuchen zu richten, bei Verlegung des christlichen Friedhofes auch diejenige des israelitischen Gottesackers in's Auge zu fassen. Diesem Wunsche wurde nicht nur bereitwilligst Folge gegeben, man stellte sogar, nachdem der Platz bestimmt war, auf Kosten der Stadt eine solide Umfassungsmauer her und übergab dann das fertige Objekt, auch innen schön hergerichtet, durch Schenkungsurkunde der israelitischen Gemeinde zu eigenem, unantastbaren Eigenthum. Diesen 'Platz betreten wir heute zum ersten Male und unser Erstes muß sein, den herzlichsten, innigsten Dank der Stadtvertretung zu sagen, die hier der israelitischen Gemeinde ein Opfer brachte, wie es liberaler sich nicht denken läßt. Wie Christ und Jude hier im Tode ruhig nebeneinander schlafen, so sei auch des schönen confessionell-friedlichen Zusammenlebens in unserer Vaterstadt zu denken, dessen Trübung sich jeder hier lebende Bürger zur Ehre rechnet, zu Hintertreiben. Tief gerührt vernahm man diese aus dem Herzen gesprochenen Worte. Herr Herz bat alsdann den Herrn Bezirks-Rabbiner die Weihe vorzunehmen, welcher Bitte Herr Dr. Salvendi jedoch nur insofern Folge gab, daß er in einer Grabrede nur des Beerdigenden gedachte. Keine Silbe widmete er der neuen Stätte. Erst am Schluffe der Beerdigung brachte es Herr Herz durch wiederholtes Zureden fertig, daß Herr Dr. Salvendi einige kurze Worte des Dankes dem Stadtrath darbrachte. 81. Oesterreich-Ungarn. Wien, 9. November. (Privatmitth.) Im Ministerium für Cultus und Unterricht glaubt man, daß das Gesetz bezüglich der Regelung der äußern Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgenossenschaft noch im Laufe dieses Jahres sanctionirt werden wird. In der That hat der Ausschuß des Abgeordnetenhauses die Berathung über das Gesetz, wie es aus dem Herrenhause hervorging, beendigt. Die Hauptschwierigkeit bildet der §. 25, nach welchem die Gemeinden verpflichtet werden, Bethäuser mit besonderer Berücksichtigung

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