Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1888)
- Date
- 1888-11-15
- Page
- Seite 732 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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732 meinbe geliehen hatte. Der Anblick war ergreifend. Die Manöver entwickelten /ich um die frommen israelitischen Soldaten, und während sie sich dem Gebete überließen, schossen ihre Kameraden. Jeden Augenblick begleitete die Kanone mit ihren dröhnenden Schlägen die Worte des Borbeters und der Schofar mischte einen Moment seine Stimme mit den Tönen der Hörner und Trompeten. Man kann sich die Bewegung vorstelleu, welche sich dieser jüdischen Soldaten bemächtigte, während sie im Angesicht des Himmels, inmitten eines so kriegerischen Rahmens, zu ihrem Gotte beteten. Herr Rabbinowitz, durch dessen großmüthige Initiative diese noch nicht dagewesene Ceremonie stattgefunden, hatte die kluge und fromnie Umsicht, diesen Soldaten 3000 Brode und Fleischrationen auszutheilen. Dank dem Herrn Rabbinowitz, wurden außerdem in das Militärgefängniß, in dem sich einige Israeliten befanden, ein Schofar und Machsorim gebracht. Palästina. Homburg v. d. Höhe, Ans. November. (Privatmitth.) Am Sonntag den 28. Oktober, Nachniittags 5 Uhr, fand im Gebäude der isr. Männer-Krankenkasse in Frankfurt a. M. die erste Generalversammlung des neu gegründeten palästinensischen Hülfsvereins „Lemaan Zion" statt. Der vorgelegte Statntcn-Enlwurf wurde mit einigen kleinen Aeuderungen angenommen. Interessant waren die Erläuterungen zur Borgeschichte des neuen Vereins, erfreulich die vorgelesenen Briefe bedeutender Männer und Freunde des Unternehmens, die ein hohes Interesse für dasselbe bekunden. Zu den vorhandenen 21 Mitgliedern des seitherigen provisorischen Eomitss — worunter fast ein Drittel, die Jerusalem besucht haben und die dortigen Verhältnisse kennen — die als Verwaltungsrath bestätigt wurden, sollen »och 3 event. 9 Personen hinzugezogen werden. Frankfurt bleibt, durch die Zusammensetzung der Verwaltung, Sitz des Vereins, da 7 Mitglieder des Ausschusses am Platze wohnen müssen, was zur Zeit nur hier in Frankfurt der Fall ist. Ein gutes Omen! Tüchtige und begeisterte Männer werden die Ausführung übernehmen und den großen Schwierigkeiten, die ihrer harren, zu begegnen wissen. —Schon heute sind M. 7600 in der Kasse des Vereins. Was Frankfurt leisten kann, zeigen seine vielen Anstalten und Vereine, die alle in größter Blüthe stehen, eingerechnet diejenigen, die nicht lokal begrenzt sind, wie der Lehrer-Unterstützungsverein „Achawah", das deutsch-jüdische Waisenhaus in Jerusalem re., deren Sitz in Frankfurt ist. Warten wir es daher getrost ab, ob, „wenn Frankfurt ausfährt, es das nicht wie immer vierspännig" thun wird. — Mit wenigen, aber begeisterten Worten schloß der erste Stellvertreter, Herr Dr. Heinemann, gegen 8 Uhr Abends die erste Generalversammlung des neuen, von vielen (wenn auch nicht allen) Zionsfreunden freudig begrüßten Hülfsvereins, dessen kurzer, aber vielsagender Name „Lemaan Zion" pns an das herrliche 62. Kapitel unseres großen Sehers Jesaias erinnert. Möge es bald zur Wahrheit werden! — Louis Lehmann. — Wir fügen zum bessern Verständniß des Obigen die ersten Paragrapheil des Statuts des „Lemaan-Zion"-Bereins hier bei: §. 1. Der Zweck des Vereins Lemaan Zion (Palästinensischer Hülfsverein) ist die Unterstützung der Israeliten in Palästina. §. 2. Dieser Zweck soll erreicht werden dadurch, daß der Verein im Bedürfnißfalle unterstützt: 1) diejenigen, welche sich die Befähigung zum selbständigeu Lebensunterhalt aneignen wollen, 2) Gewerbtreibende aller Art in ihrem Erwerbe, 3) schon bewährte Unternehmungen und Anstalten, die die geistige und materielle Hebung der Israeliten in Palästina bezwecken, z. B. Schulen, Waisenhäuser, Spitäler u. s. w. tz. 3. Directe Geldunterstützungen sollen in der Regel nur au diejenigen gegeben lverden, die längere Zeit im h. Laude ansässig sind, und zwar entweder an solche, die durch Alter, Krankheit oder dergl. an der Gewinnung ihres Lebensunterhaltes behindert sind, oder an hervorragende würdige Talmudgelehrte, welche keine Subsistenzmittel besitzen. §. 4. Keine Nationalität unter den Israeliten des h. Landes ist von den Wohlthaten des Vereins ausgeschlossen. Z. 5. Die Thätigkeit des Vereins beruht auf den Principien des überlieferten Judenthums. §. 6. Mitglied des Vereins kann jeder Jsraelite und jede Israelitin werden, welche sich zu einem Jahresbeiträge von mindestens M. 5 auf wenigstens drei Jahre verpflichten. §. 7. Die Leitung des Vereins geschieht durch einen Verwaltungsrath von 25 Mitgliedern, der sich durch weitere Mitglieder bis auf 30 verstärken kann. Den ersten Verwaltungsrath bilden die Mitglieder des provisorischen Comitös. Bonn, 11. November. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin: Der Geh. Justizrath Prof. vr. Goldschmidt hat, wie er seinen Zuhörern am Schlüsse seiner Vorlesung (weil die nächste Vorlesung ausfallen mußte), mittheilte, direkt vom! Kaiser eine Einladung zur Theilnahme an der Grundsteinlegung; des Reichsgerichtsgebäudes in Leipzig erhalten und wohnte j dem feierlichen Akte bei. Bekanntlich war Herr Goldschmidt j früher Mitglied des Reichsoberhandelsgerichtes. — Man | schreibt uns: Am 4. Oktober d. I. starb zu Zierenberg (Reg.-Bez. Cassel) im 84. Lebensjahre der Nestor der jüd. Lehrer der Prov. Hessen-Nassau, Herr I. Gutkind. Am 7.