Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1888)
- Date
- 1888-11-15
- Page
- Seite 727 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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727 Hörst Du die Gesänge tönen, zu der Wolken Sitze steigen, Wenn des Volkes Millionen sich zum Staub anbetend neigen? Wie von den geweihten Lippen sich die Worte mächtig lösen: „Höre, Israel, der ewig, ist ein ewig, einig Wesen!" An den Tempelthoren wachen die Geschlechter der Leviten, Zn des Altars Füßen stehen die Geschlechter der Leviten, Die Geschlechter der Leviten stimmen an im Wechselchore: „Steiget, steiget, Davidspsalmen, zu des ein'gen Gottes Ohre!" Wachen, singen, stehn Leviten?-ja, sie wachten, sangen, standen, Als noch Israels Geschlechter wohnten in den heil'gen Landen, Als des Tempels hohe Zinnen zu des Himmels Säumen reichten. Eh' des Tempels hohe Zinnen zu der Erde Staub sich neigten. Aber auf des Sturmes Flügeln zog der Engel der Zerstörung, Fachte mit der Hölle Fackel an die Flamme der Verheerung — Und der Tcmpelthore Wache, und der Priesterdiener Scharen, Und der Sänger Davidspsalmen konnten nicht den Tempel wahren. Und er sank — auf steilem Hügel stehen des Geschickes Zeugen, Die der Zeiten ch'rne Kräfte nicht zur Erde können beugen, Schwarzer Stätte Trümmerhansen, die des Lichtes Strahlen brechen, Stumm zwar, doch die laut, vernehmlich zu Jahrhunderten noch sprechen. Längst geflohen sind die Diener — doch die Kunde ist geblieben — Unter Völkern zwar zerstreuet, durch die Länder zwar getrieben — Wie des Sandes leichte Körner von dem Wirbelwind getragen — Unter Völkern, in den Ländern dennoch sie nicht unterlagen! Wissen noch, daß an des Tempels Thoren sie einst treulich wachten, Daß sie zu des Altars Füßen Widder, Stier und Lämmer brachten, Doch von den geweihten Lippen sich noch heut die Worte lösen: „Höre, Israel, der ewig, ist ein ewig, einig Wesen!" Wir beobachteten also an der Stiftshütte wie am Tempel und ihren Geräthen das Viereck, ja das Quadrat und den Kubus vorherrschen; wir gewahrten dann an der Institution der Leviten, gerade wo sie vom Gesetze unberührt war, sehr regelmäßig nach der Vierzahl abgetheilt und geordnet. Einen ferneren Beweis für die im Charakter des Volkes Israel vorherrschende Regelmäßigkeit liefert uns der Prophet Ezechiel. Am Schluffe seines Buches stellt der Prophet eine Reihe von Vorschriften ans, welche nach der Rückkehr ans dem Exil und der Wiederherstellung des Bolksreiches und des Tempels ausgeführt werden sollten. Es ist dies eine ganz freie Schöpfung des Propheten, die sogar in mehrfachen Punkten mit dem mosaischen Gesetze nicht übereinstimmt. Um so freier prägt sich darin auch die Tendenz und der Charakter des Volkes aus. Heben wir einige Momente heraus. Die Bertheilung des Landes denkt sich Ezechiel ganz regelmäßig. Die Sitze der zwölf Stämme folgen von Norden nach Süden nach einander, so daß jeder Stamm einen Landstrich nach der ganzen Breite des Landes von Ost nach West besitzt. Zwischen dem siebente» und achten Stamme, nämlich Juda und Benjamin, liegt das heilige Stück Land von 25,000 Ruthen Breite und ebensolcher Länge, nämlich 10,000 Ruthen Länge für die Priester, 10,000 Ruthen Länge für die Leviten und 5000 Ruthen Länge für die Stadt. In der Mitte des Priesterantheils liegt der Tempel, 500 Ruthen Quardrat mit 50 Ellen Bezirk umher. Neben diesen Landstrichen läuft der Länge nach ans beiden Seiten der Anthcil des Fürsten. (Cap. 48.) Der Tempel soll also 500 Ruthen Quadrat messen mit 50 Ruthen Bezirk umher an jeder Seite. Das Haus selbst von 100 Ellen Quadrat (41, 13. 14. 42, 16.) Selbstverständlich konnten diese Vorschriften praktisch nicht ausgeführt werden, aber um so bezeichnender sind sie für den Geist des Volkes, sobald wir jene mit den übrigen von uns gezeichneten Momenten verbinden. %eifoiwci >vmxc | ticfyl'e-w. Deutschland. Bonn, 5. November. (Privatmitth.) Wenn unsere Leser dieses Blatt erhalten, ist das Ergebniß für die preußischen sammenzustellen. Nachdem im dritten Berliner Wahlkreise das abermalige Fiasco Stöckers zweifellos ist, richtet sich die Aufmerksamkeit besonders ans die Wahl in Bielefeld-Herford, Landtagswahlen durch die Wahlen der Abgeordneten seitens i dem bisherigen Wahlkreise Stöckers. Cs ist hierbei interder Wahlmänner am 6. d. M. bereits befatmt. Indessen ist > essant zu bemerken, wie den dortigen Nationalliberalen, mit es von Interesse, um die Parteibewegnngen genau zu erkennen, j bereu Hilfe Stöcker gewählt worden war, von einem solchen die noch vor den Wahlen voi gekommenen Kundgebungen zu¬ Borgehen setzt abgeratheu wird. Eines der bedeutendsten