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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-11-15 · Heft 46 (15.11.1888) · p. Seite 726

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 46 (15.11.1888)
Date
1888-11-15
Page
Seite 726 (sequence 6)
Language
German
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726 Brandopfer errichteten, zur Feier des Laubhüttenfestes. Im zweiten Monate des folgenden Jahres (535) aber begannen sie die Vorbereitungen zum Tempelbau zu treffen, und stellten die Leviten zu Aufsehern an. Als der Grund gelegt ward, standen zwar die Priester mit Drommeten und die Leviten mit Cymbeln dabei, aber in die feierlichen Klänge und in das Jubelgeschrei des Volkes mischten sich die Thräueii und Wehklagen derer, die den ersten Tempel noch gesehen^). Die Feinde der Juden schoben jetzt unübersteigliche Hindernisse zwischen die Fortsetzung des Baues, so daß sie ihn erst im zweiten Jahre des dritten persischen Königs Darius (520) foitsetzen und im 6ten Jahre (515) vollenden konnten, gerade 500 Jahre nach der Grundlegung des ersten Tempels durch Salomon. Die Einweihung ward feierlich begangen, die Ordnungen der Priester und Leviten, so weit es ging, hergestellt, und einen Monat später zur rechten Zeit das Passah gefeiert''Z. Bald darauf zog Esra, der Priester und Schriftgelehrte, auch nach Jerusalem, und brachte mit sich 1490 Mann and 28 Leviten'Z. Der Zustand Jerusalems war aber noch sehr elend, der größte Theil der Stadt lag noch in Trümmern, von den Mauern waren Stücke übrig, und keine Thore verhinderten den Zugangs). Da erbat sich Nehemia die Erlaubnis; vom Könige von Persien, dieselben wiederherzustellen, und führte es trotz vieler Hindernisse glücklich aus"o). Die Einwirkungen Esra's und Nehemia's waren zur Wiederherstellung des Gottesdienstes und zur religiösen Entwickelung des Volkes sehr günstig; sie entfernten die fremden Weiber, sie steuerten dem Wucher, sie versammelten bas Volk, und lasen ihm das Gesetz Mosis, mit Hülse der Leviten vor, ließen es dasselbe beschwören, beförderten die Beobachtung des Sabbaths, richteten den Gottesdienst regelmäßig im Tempel nach Davids Verordnungen ein, und bestimmten die Einbringung der Erstlinge und Zehnten für die Priester und Leviten. Da das Letztere nicht genügend geschah, so entfernten sich allmälich die Leviten ans der Stadt, bis Nehemia als königlicher Landpfleger sie zurückbrachte und die Zehnten gesetzlich feststellte. Bon dieser Zeit an währte der Tempeldienst ununterbrochen fort, er nahm eine so feste Gestalt an, und diese wurzelte so tief in den Herzen und Geistern der Juden, daß der Untergang, den ihm die Syrer bereiten wollten, sich, wie bekannt, in den schönsten Triumph verwandelte. Ueberschauen wir aber nun das Gegebene mit einem Blicke, so drängt sich uns die Frage auf: was war der Zweck dieser großartigen, durch das ganze Leben des Volkes grei- 56) Ebend. K. 3. 57) Ebend. K. 6. 58) Ebend. K. 8. 59) Nehemia 1, 3. 60) Ebend. St. 4. senden Institution der Leviten? Ein Stamm ward abgelöset von den übrigen, ward in politischer Hinsicht gar nicht zu den zwölf Stämmen (die doch sonst dreizehn gewesen) gezählt, durch das ganze Land zerstreut, und doch wieder insbesondere an einen Mittelpunkt, an Jerusalem, an das Heiligthum, gebunden, ward zum Theil gerade zu Richtern und Vorstehern des Volkes gemacht? Die Antwort liegt offen. Was war der Gesammtzweck der Verordnungen, die ganz Israel betrafen? Die Offenbarung des einigen Gottes, seines allerheiligsten Wesens und der aus ihm fließenden reinsten Moralität und Legislation in Israel zu geben für die gesammte Menschheit, in Israel zu befestigen und durch die Jahrtausende hindurch zu erhalten. Zu diesem höchsten Zwecke mußte das Volk isolirt werden von allen anderen Völkern, die Völker mußten aus dem Bezirke Israels entfernt und ausgerottet werden, damit der Götzendienst und die Verkennung der Gottheit nicht wieder in Israel einbreche, zu diesem und demselben Zwecke rnußte in Israel selbst wieder ein Stannn gewählt werden, der ganz mit dem wahren Gottesdienste und der wahren Gotteslehre verwachsen, dessen Privatintereffen ganz an das Heiligthum gewiesen wären, der, selbst ohne Besitz, nur aus den Quellen des Heiligthums schöpfend, mit demselben steige und mit demselben falle, und dieser Stamm — war Levi; das ist der Stamm, aus dem auch die Priester herorgegangen, dem Moses selbst angehörte, und der also schon aus Stammesanhänglichkcit an Mosis Gesetz halten mußte — denn diese Stammesauhäuglichkeit erweist sich in der Geschichte Israels oft, z. B. des Stammes Juda an das ihm entsprungene Davidische Haus. So war also Levi der Repräsentant des geistigen Israels, wie Juda, der mächtigste Stamm, der Repräsentant des materiellen Israels wurde. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, wird sowohl die Erwählung, Absonderung und Bestimmung Levi's als auch seine ganze, hier gegebene Institution und Geschichte sonnenklar. Die Leviten. Siehst Du um die heil'ge Wohnung dort die treuen Wächter stehen? Wenn die Soun' am Himmel sinket, wenn die Sterne kommen, gehen: Nimmer sinken, kommen, gehen von der Tempelthore Stufen Die der Herr zu seinem Dienste und zu seiner Wacht berufen. Siehst Du zu des Altars Füßen werkbeflißner Diener Scharen, Wie geweihten Priesters Winke sie mit Ernst und Würde wahren? Führen mit gewaltigem Arme Widder her und feiste Stiere, Bis von Priesters Opfermesser rinnt das Blut der heiligen Thiere.

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