Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1888)
- Date
- 1888-11-08
- Page
- Seite 717 (sequence 13)
- Language
- German
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717 untersagt, mehrere Entwürfe zu Reformgesetzen bekannt gegeben hatte und endlich die Gegner dem Ministerium die Judenfreundlichkeit vorwarfen, um das Volk gegen diese einzunehmen. In der That hatte Rosetti ein Circular erlassen, in welchem geltend gemacht wurde, daß das Gesetz, welches den „Fremden" — man weiß, wer damit gemeint ist — die Niederlassung in den Dörfern untersagte, als ohne rückwirkende Kraft für die Fremden, welche schon früher, vor dem Erlaß des Gesetzes, in Dörfern ansässig gewesen, erklärt werde und überhaupt eine humane Behandlung der „Fremden" anempfohlen ward. Aber das Volk ließ sich nicht irre machen und von 174 Kammerwahlen hat das Ministerium 158 erhalten, so daß die Partei Bratiano's nur 16 Sitze errang. Ein solches Fiasco einer bis dahin unumschränkten Partei hat sich Wohl niemals irgendwo begeben. Für uns ist hiermit der vollgültige Beweis geliefert, daß das rumänische Volk durchaus den Judenhaß nicht theilt, welchen die bis jetzt maßgebenden Kreise Bratiano's ihm insinuirt hatten. Das gegenwärtige Ministerium hat also die volle Macht in Händen, um das traurige Schicksal der jüdischen Staatsangehörigen auf gesetzlichem Wege zu mildern und den Forderungen des Berliner Congresses, wenn nicht nachdoch nahe zu kommen. Bukarest, 30. October. Auch im Senat hat die jetzige Regierung die große Mehrheit erhalten. Von den früheren Ministern ist kein einziger gewählt worden! Eine schimpflichere Niederlage hat wohl noch kein Ministerium erfahren, das 12 Jahre als Land beherrscht hat! Bonn, 4. November. (Notizen.) Man schreibt uns aus Herford, 25. October: Jubiläumsfeste nach zurückgelegter fünfundzwanzigjähriger Thätigkeit im Dienste der Gemeinde sind zwar an sich nicht selten, aber selten nur dürfte eine solche allgemeine herzliche Theilnahme sein, mit der namentlich auch seitens der christlichen Bevölkerung dieser Ehrentag des Lehrers und Cultusbeamten der Synagogengemeinde in Bünde, Herrn N. Stronenberg, am 22. d. Mts. begangen wurde. Die Reihe der Gratulanten eröffnete schon am frühen Morgen das evangelische Lehrercollegium unter Führung seines Rectors. Auch an einer Ehrengabe, zwei Sessel, ließen es die Herren nicht fehlen. — Von einem Vorstandsmitglieds abgeholt und auch von dem Herrn Rector begleitet, begab sich der Jubilar nunmehr nach dem Schullokale, das in sinniger Weise ausgeschmückt war. Hier hatten ehemalige Schüler und Schülerinnen sich versammelt und die einstigen Plätze auf der Schulbank eingenommen, so daß Vater und Sohn — ein schönes Bild — als ältester und jüngster Schüler beisammen saßen. Alle brachten dem verehrten Lehrer die verdiente Huldigung dar. Gesänge, Ansprachen und Declamationen gestalteten diese Feier zu einer wahrhaft erhebenden, und nur mit tiefer Ergriffenheit konnte der Gefeierte seinen Dank abstatten. Inzwischen hatten sich die Collegen aus den benachbarten Gemeinden und auch der Lehrer der katholischen Schule eingefunden, welche dem heimgekehrten Jubilar durch eine Adresse ihre Glückwünsche abstatteten. Es folgte jetzt der Vorstand der Gemeinde, dessen Vorsitzender in einer warmherzigen Ansprache Der Liebe und Anerkennung für den treuen Beamten beredten Ausdruck gab und ihm eine ansehnliche Summe als Ehrengabe überreichte. — Der Pfarrer der katholischen Gemeinde, Lokalschulinspector auch der jüdischen Elementarschule, erschien nunmehr und stattete in schönen, wohlwollenden Worten seine Gratulation ab. Hier sei zum Ruhme dieses edelgesinnten Herrn bemerkt, daß er es war, als vor etwa zwei Jahren Herr Stronenberg lange und schwer leidend war, der aus eigener Initiative für ihn, freilich nur in beschränkter Stundenzahl, den täglichen Unterricht in der Schule ertheilte. — Den Beschluß der offieiellen Gratulanten bildeten der Amtmann und der gesammte Stadtrath. Zahlreiche Wunschbriefe und Depeschen und viele zweckmäßige Aufmerksamkeiten von Nah und Fern gingen dem Jubilar zu. Am Abend vereinigte ein solennes Mahl die bereits Genannten und sonst noch Viele ans der Gemeinde und Bürgerschaft. In längerer, gehaltvoller Rede feierte der katholische Pfarrer den Jubilar und schloß mit einem Toast auf Se. Majestät den Kaiser. Es folgte noch eine lange Reihe herrlicher Trinksprüche, ernsten und heitern Inhalts, aus denen wir diejenigen auf den Jubilar und den Gemeindevorstand besonders hervorheben, und erst lange nach Mitternacht, nachdem die Festgesellschaft zuvor den Helden des Tages nach Hause begleitet, ging sie auseinander. — Wohl, diese Jubelfeier gereicht dem bescheidenen, biedern Manne zur bleibenden Ehre, sie ehrt aber auch alle Diejenigen, die zur Veranstaltung und zu dem Gelingen derselben so wacker beigetragen. Denn nicht immer wird treue Pflichterfüllung entsprechend gewürdigt, und wahrlich, mancher Gemeinde dürfen wir mit Recht ermahnend zurufen: Gehet hin, und thuet ein Gleiches! Feuilleton. Heinrich Schlesinger, -er Maler. Im Feuilleton der „Frkf. Ztg." giebt Herr v. Sacher- Masoch eine biographische Skizze vom Maler Heinrich Schlesinger, aus der wir hier die uns an dieser Stelle interessirenden Sätze herausheben. Zu den liebenswürdigsten Erscheinungen der Pariser