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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-11-08 · Heft 45 (8.11.1888) · p. Seite 716

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 45 (8.11.1888)
Date
1888-11-08
Page
Seite 716 (sequence 12)
Language
German
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716 Darauf sei zu erwidern, daß die Nationalliberalen ganz selbstverständlich mit dem Antisemitismus nichts zu thun hätten, und wenn die sociale Stellung der israelitischen Mitbürger zur Sprache käme, dann würden sie als Liberale handeln und keinen confessionellen Unterschied kennen. Man erwarte aber auch, daß die israelitischen Mitbürger bei den Wahlen nicht bei Seite stehen, sondern an der Seite der Nationalliberalen auf dem Platze sein würden. (Aha! Also auf — Wohlverhalten!) Aus Württemberg, im Oktober. (Privatmitth.) Nach der neuesten Statistik des württ. Schulwesens sind unter den 3477 Schülerinnen der höheren Mädchenschulen 340 israelitische, also fast 10 pCt., während die jüdische blos 0,6 pCt. der Gesammtbevölkerung beträgt. Der evangelischen Oberschulbehörde unterstehen 17 israelitische Schulstellen mit 477 Schülern, der katholischen Oberschulbehörde 10 israelitische Schulstellen mit 450 Schülern und der israelitischen Oberkirchenbehörde 24 Religionslehrerstellen, wovon 18 mit Ausländern besetzt sind. Das israelitische Waisenhaus in Eßlingen beherbergt 40 Zöglinge; 4 israelitische Waisen sind Pfleglinge der K. Staatswaisenhäuser. Im K. Schullehrer- Seminar in Eßlingen sind 6 israelitische Seminaristen, in der Präparandenanstalt 2 Zöglinge. Den Taubstummenanstalten gehören 5 Zöglinge jüdischer Confession an. Oesterreich-Ungarn. Wien, 27. October. Die Regierung verweigerte dem antisemitischen Abgeordneten Pater Eichhorn die Investitur auf die Jloridsdorfer Pfarre. Pest, 27. October. (Privatmitth.) Der ungarische israel. Landes-Lehrer-Verein wurde heute von dem Unterrichtsminister Grafen Csüky in Audienz empfangen. Der Führer der Deputation, El. Szäntö, hob in seiner Ansprache an den Minister hervor, die Deputation erscheine nicht als Vertretung einer Partei, denn auf das Gebiet der Schule habe die Spaltung nicht hinübergegriffen. Minister Graf Ehäky antwortete, er kenne die edlen Bestrebungen des Vereins und wisse, daß die Thätigkeit desselben der ganzen Nation zum Nutzen gereiche, er werde die Interessen desselben stets nach Möglichkeit fördern. Die Deputation erschien sodann auch beim Staatssecretär Berzeviczy, wo Szsntü bemerkte, der Verein habe in der letzten Zeit wenig Anlaß gehabt, im Ministerium zu erscheinen, da Dank der Energie des Ministeriums die Lehrerhetzen immer weniger werden. Herr v. Berzeviczy erwiderte, daß er der Frage der Stabilisirung der jüdischen Lehrer auch in Zukunft seine Aufmerksamkeit zuwenden werde. Aus Ungarn, 31. October. Der Vorstand der Miskolczer autonom - orthodoxen jüdischen Gemeinde hielt am 18. d. eine Sitzung, um den Text der an den neuen Cultusminister zu richtenden Begrüßungs. Adreffe festzustellen. Bei dieser Gelegenheit stellten — wie „Egyenlössg" berichtet — einige Mitglieder den Antrag, die Gemeinde möge den Anlaß benutzen, um ihrer Unzufriedenheit mit der Centralleitung und ihrer Mißbilligung der für die ungarische Judenschaft gefährlichen Thätigkeit derselben Ausdruck zu geben. Andere Mitglieder hielten es für opportun, den Minister mit diesen Klagen überhaupt nicht, am wenigsten aber bei dieser Gelegenheit zu belästigen und beantragten, sämmtliche orthodoxe Gemeinden mögen zu einer Conferenz geladen werden, in welcher über einen Wechsel in der Leitung zu berathen wäre. Nach längerer Discussion kam man darin überein, in der Adresse der Entrüstung darüber Ausdruck zu geben, daß die Cenlralleitung die Entzweiung der Confession systematisch betreibe. Die bezüglichen Stellen der an den Minister gerichteten Begrüßungs-Adresse lauten folgendermaßen: „In der gegenwärtigen Lage unserer Confession, wo die vorhandenen moralischen und materiellen Kräfte egoistischer Interessen halber künstlich zersplittert werden, berührt es uns schmerzlich, daß unsere Confession den Anforderungen des modernen Staates nicht in dem Maße Genüge zu leisten vermag, wie dies die Anforderungen der Cultur, die innige Theilnahme der Mitglieder unserer Confession an den Culturbestrebungen der ungarischen Nation und das lebhafte Gefühl der Zusammengehörigkeit erheischen. Wir erlauben uns, der angenehmen Hoffnung Ausdruck zu geben, daß Ew. Exzellenz Ihre geschätzte Aufmerksamkeit den in der jüngsten Vergangenheit getroffenen, für die Verwaltung heilsamen Verfügungen Ihres trefflichen Vorgängers zuwenden, vornehmlich aber jene Ursachen beheben werden, welche den innern Frieden unserer Confession stören und verhindern, daß dieselbe sich in einer ihrer und des schützenden Rahmens des Staates würdigen Weise entwickeln könne. Die staatsmännische Weisheit, welche die Thätigkeit Ew. Exzellenz auf Ihrer bisherigen Laufbahn charakterisirte, erfüllt uns mit Vertrauen, daß unser Cultuswesen von den schwankenden Wogen der bisherigen Ungeregeltheit endlich auf festen Boden gelangen und daß sich demselben die Aera der von der Religion erheischten Ordnung und des Friedens erschließen wird. ..." Rumänien. Bukarest, 27. October. (Privatmitth.) Das Volk hat gesprochen! Durch die eben vollendeten Wahlen zum Abgeordnetenhause hat es noch einmal und zwar in der denkbar nachdrücklichsten Weise das Regiment Johann Bratiano's verurtheilt und dem Ministerium Rosetti eine erdrückende Mehrheit gewährt. Hierzu kommt, daß das Ministerium allen Beamten jede Einwirkung auf die Wahlen aufs Schärfste

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