Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- Seite 702 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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702 auch in der Gegenwart trotz notariellen Ehepakten nicht beseitigt werden dürfe. Die Schrift, welche noch manches auf das Aramäische bezügliche enthält und welche vom Verfasser (Wien, II, Taborstraße 17, St. 5) zu beziehen ist, kann als eine sehr lehrreiche und interessante bestens empfohlen werden. — Von dem Jahrbuche der historischen Gesellschaft Julius Barasch in Bukarest Analele Societatii Istorice Juliu Barasch ist der 2. Jahrgang (1. Heft) erschienen (Bucuresti 1888). Dasselbe enthält von dem fleißigen Secretär der Gesellschaft, Hrn. M. Schwarzfeld, eine 112 Seiten umfassende Studie über politische, sociale und religiöse Geschichte der Juden in Rumänien. Br. Kayserling. Jeuil Kurze Setrachtungen. XII. Keine andere Religionsurkunde enthält so viel Geschichte und Geschichtliches wie unsere hl. Schrift, die dadurch den Stempel der Wahrheit an sich trägt. So hat sie auch die Verantwortlichkeit für das Dogma von der Einheit des Menschengeschlechtes auf sich genommen, ausgesprochen in der Abstammung von einem Menschenpaar, dieses Dogma, auf welchem doch die allgemeine Menschenliebe und das Menschenrecht beruht, dieses Dogma, das unter der Herrschaft so vieler Religionen und ihrer Kirchen schwer verletzt worden. Und so consequent ist sie sich hierin geblieben, daß nach der Sintfluth wiederum alle Völker aus einem Menschenpaar (Noah) in drei großen Völkerfamilien entspringen. So wird der Ursprung der vielverzweigten Nationen auf drei, und diese wieder auf eine Quelle zurückgeleitet. Und wie stimmen auch Namen mit den Thatsachen überein! Schem (d& Name), Japhet (hd1 Ausbreiter), und Cham (an Schwarzer, Dunkelfarbiger). Der letzte Name schließt sich an die Hautfarbe an, er ist der jüngste, zurückgebliebenste, aber doch der Bruder der Anderen. Japhet, gleich dem griechischen Japetos CIcMSTog von iameiv aussenden, ausbreiten) — seine Abkömmlinge, die Arier, haben sich über ganze Welttheile ausgebreitet und breiten sich noch jetzt immer weiter aus, und Schem, Name, der Gerühmte, dessen Ruf sich durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurchzieht, ohne eine dauernde Macht und Herrschaft zu erhalten. Denn selbst die Araber haben ihre Machtstellung wieder verloren, und ihre Religion, der Islam, wird jetzt mehr durch andere Völkerschaften repräsentirt, als durch die Araber. Vermischtes. Wie steht es jetzt um die Neger in den Vereingten Staaten? Das Judenthum nimmt zu aller Zeit und aller Orten einen warmen Antheil an dem Schicksal jeder unterdrückten Nationalität, jeder verfolgten und herabgewürdigten Rasse. Hat eine höhere Gesittung, der humane und gerechte Geist t e t o tt. der Zeit endlich die Befreiung jener herbeigeführt, so wendet sich unsre Aufmerksamkeit ganz besonders den Fortschritten zu, welcher die Emancipirten in der Cultur und in ihrer gesellschaftlichen Stellung machen, um immer mehr die Verwirklichung dieser Gleichstellung zu fördern. Wird doch hiermit die bedeutungsvolle Frage entschieden über die, von so vielen geistesbeschränkten Theoretikern und den Klassen, welche Nutzen aus der Erniedrigung von Mitmenschen ziehen, hartnäckig behaupteten Inferiorität gewisser Racen, und daß deren Unterjochung nicht die Folge geschichtlicher Verhältnisse sei, sondern der natürlichen Geistesbeschaffenheit derselben entspringe. Seit 1511 wurden Unmassen von Negern aus Afrika nach den Vereinigten Staaten Amerikas geschafft, um hier als Sklaven den Weißen zu dienen. Es geschah dies auf Anregung des Paters Las Casas, um die Indianer zu retten, welche den von ihnen geforderten Sklavenarbeiten unterlagen. Als die Verfassung der Union zwischen den einzelnen Staaten abgeschlossen wurde, waren die Sklaven haltenden Südstaaten zu mächtig, um die Beseitigung des Sklaventhums in dieselbe aufnehnien zu können. Acht Jahrzehnte hindurch haftete dieser Schandfleck an der Union, bis die Entwickelung der Verhältnisse diese Frage zur Lösung drängte. Der furchtbare Bürgerkrieg, welchem allein die Sklavenfrage Ausgangspunkt war, begann; das Bürgerblut floß reichlich und Milliarden von Dollars mußten aufgewendet werden. Endlich schlug die Stunde der Entscheidung, und die Emancipation der Neger, die Beseitigung der Sklaverei war 1863 der Siegespreis des furchtbaren Kampfes. Ein viertel Jahrhundert ist seitdem verflossen, und es drängt sich immer wieder die Frage auf: welche sind die Folgen dieser Emancipation? wie verhalten sich die Neger in ihr? Machen sie Fortschritte in der Cultur und nöthigen so die Gesellschaft, sie in dieser Hinsicht immer mehr anzuerkennen? Daß die Beantwortung dieser Fragen nach den Gesichtspunkten der Beobachter nicht immer gleichmäßig ausfällt, ist selbstverständlich. Um so mehr interessirt uns das Urtheil eines unparteiischen und durch seinen wissenschaftlichen Charakter an eine sorgfältige Prüfung gewöhnten Mannes. Wir I finden nun eine Auseinandersetzung hierüber in einem vor