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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-11-01 · Heft 44 (1.11.1888) · p. Seite 701

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 44 (1.11.1888)
Date
1888-11-01
Page
Seite 701 (sequence 13)
Language
German
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701 — Man schreibt uns aus dem Württembergischen Ries: Zwei unserer Landsleute sind mit hohen Auszeichnungen bedacht worden. HerrCommerzienrath Alexander v. Pflaum, Kgl. Sächsischer Generalconsul in Stuttgart, erhielt vom König Humbert von Italien das Comthurkreuz der italienischen Krone. Der Decorirte ist in Pflaumloch geboren. Herr Carl Maison, Landtagsabgeordneter in München, wurde von Sr. K. Hoheit dem Prinzregenten Luitpold von Bayern zum kgl. bayrischen Commerzienrath in Anerkennung seiner Verdienste um die kgl. bayr. Kunstgewerbe-Ausstellung ernannt; er ist geboren in Oberdorf und Sohn des sel. Maison, Frankfurter Lehrers daselbst. Bonn, 21. Oktober. (Literarische Notizen.) Wir stehen noch mit der Besprechung zweier gelehrter, wissenschaftlich verdienstvoller Arbeiten im Rückstand. Zuerst: Joseph Karo und das Maggid Mescharim von vr. David Cassel als Beigabe zum 6. Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin. Dem Verfasser gelingt es, die volle Beweisführung zu geben, das Joseph Karo, der Verfasser des Beth Joseph und des Schulchan Aruch, weit entfernt von allen kabbalistischen Ansichten und Bestrebungen war und daß deshalb das Maggid Mescharim ihm unterschoben ist. Daß hierdurch die Darstellung, wie sie noch Grätz von Karo giebt, widerlegt wird, ist verdienstlich. Der Verfasser entfaltet hierbei eine außerordentliche Belesenheit die man freilich an David Cassel längst gekannt hat. lieber die Sucht der Pseudonymität bei den kabbalistischen Autoren und die Erklärung derselben bringt der Verfasser interessante Bemerkungen heran. — Zweitens: Zur Einleitung in die halachischen Midraschim von vr. D. Hoffman», als Beilage zum Jahresbericht des Rabbinerseminars zu Berlin. Unter halachischen Midraschim versteht man diejenigen Halachvth, welche sich an eine Schriftstelle knüpfen oder sich durch die Auslegung einer solchen begründen. Man erkennt hieraus leicht, wie wichtig dieser Gegenstand für die Geschichte und die Benrtheilung der Halacha ist, und wir wissen es dem Verfasser Dank, wenn er strebt, in dieses oft verworrene Gebiet Licht zu bringen. — Bonn, 22. October. (Literarische Notizen.) Das jüngste Heft der Revue des etudes juives (Juli bis September 1888) enthält die Fortsetzung „biblischer Forschungen" von I. Halevy namentlich über Amraphel, König von Sennaar, ferner der Abhandlung Isidore Löb's über „Joseph Haccvhn" und die jüdischen Chronisten von M. Schwab, Magure, Dardeque und von Leon Brunschwieg, „die Juden von Nantes." An neuen Artikeln bringt diese Lieferung: Th. Reinach die Münzen von Simon; David de Günzburg „Notizen und Auszüge aus meinen Manuskripten"; Israel Levi „der Stolz Salomons"; A. Neubauer „Institutionen französischer Rabbiner", Jonas Wehl „die Juden in Marseille." Außerdem kleinere Aufsätze verschiedener Verfasser. — „Zur Culturgeschichte in Oesterreich-Ungarn (1848 bis 1888) von G. Wolf" (Wien, Halber 1888.) Herr Di-. G. Wolf hat seinen zahlreichen, verdienstvollen historischen Arbeiten die obige Schrift hinzugefügt. Sie enthält die Geschichte der Juden in Oesterreich während der vierzigjährigen Regierung des Kaisers Franz Joseph und zwar vom culturhistorischcn Standpunkte aus. Ausführlich behandelt der Vers, die früheren Verhältnisse der Juden in Oesterreich, schildert dann „das Werk der Befreiung", d. h. den Gang der betr. Ereignisse während und nach der Märzrevolution, da in Oesterreich sich viel mehr Wechselfälle an jene Bewegung knüpften, als anderswo. Hieran schließt sich der Abschnitt Cultus und Cultur, welcher die Fortschritte der Juden während dieser vier Jahrzehnte in den beiden genannten Richtungen darstellt. Gemeindewesen, wohlthätige Werke und sociale Stellung bilden den Inhalt der beiden Schlußkapitel. Selbstverständlich konnte hier der Antisemitismus nicht unerwähnt bleiben; aber der Verf. schließt mit dem Ausspruch des Kaisers Franz Joseph (am 4. September 1887): „Die unbedingte Gleichberechtigung ist in jeder Beziehung ein Gebot der Gerechtigkeit." Gerade hiermit reiht sich die vorliegende Schrift, trotz ihres speciellen Inhalts, würdig den literarischen Erzeugnissen an, welche die vierzigjährige Jubelfeier der Regierung Franz Josephs Hervorbringen wird. Wir müssen dem Verf. den besten Dank dafür aussprechen, daß er auch in diesem Augenblicke die würdige Vertretung unsrer Glaubensgenossenschaft übernommen und durch seine Schrift vollführt hat. Nichts wichtiger als immerfort zu bezeugen, daß die Gleichstellung der Juden ein Erzeugniß und Postulat wahrhaft fortschreitender Cultur ist und sich überall einstellt, wo diese Cultur einen Fortschritt erreicht. Daß sie immer wieder Kämpfe und Vertheidigung erfordert — nun, das trägt ganz besonders dazu bei, unsere Glaubensgenossen für sie und in ihr zur Reife zu bringen. Herr Wolf versteht es, den allgemeinen Gesichtspunkten eine Menge Details unterzulcgen und von jenen ans zusammenhängend zu machen. Dadurch wird das Einzelne gelehrt, ohne den allgemeinen Gedanken aus dem Gesichte zu verlieren. — Pest, 21. October. (Literarische Notizen.) Herr Rabbiner A. Friedmann, der vor jetzt zwei Jahren in einem Schriftchen den aramäischen Dialect des Scheidebriefes (p>) behandelte, veröffentlichte jüngst -cn by roiss'n nr.N n*D~N.~ ~r,DOi nrn:- Epistola responsi de tabulis nuptialibus vel dotis tabellis earumque coneeptione Aramaiea etc. (Wien 1888.) Der gelehrte Verfasser bemüht sich in dieser 108 Seiten umfassenden, in einem eleganten Hebräisch abgcfaßten Schrift nachzuweisen, daß die allerdings sprachlich incorrecte Kethuba, welche vor mehr denn 2000 Jahren und j zwar durch R. Simon ben Schetach eingeführt worden ist,

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