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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-11-01 · Heft 44 (1.11.1888) · p. Seite 699

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 44 (1.11.1888)
Date
1888-11-01
Page
Seite 699 (sequence 11)
Language
German
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699 Hilfsmittel. Man sagte dann, mein wirklicher Name sei Moritz Markowitsch, und es wurde ernsthaft behauptet, daß Morell Mackenzie das englische Aequivalent jenes hypothetischen Namens sei. Erst ganz kürzlich wurde mir ein Inserat aus einer deutschen illustrirten Zeitung geschickt, in welcher mein Porträt in einer der folgenden Nummern mit den Worten versprochen wurde: „Wir werden unseren Lesern auch einen Bericht über das Treiben jenes jüdisch-englischen Scheusals Markowisch alias Mackenzie vorlegen und als Beweis, daß der sogenannte Engländer wirklich ein Jude ist, werden wir auch sein Porträt nach einer Cabinet-Photographie veröffentlichen." Dieses interessante Kunstwerk erschien auch nachher und ich bemerke, daß meine unschuldige Nase in grausamer Weise zu dem furchtbaren Anhängsel gemacht wurde, wie der hebräische Typus in der Carricatur verunstaltet wird. Der Text zu dem Bilde ist des Bildes würdig. Ueber meine Abstammung heißt es dort folgendermaßen: „Unsere Leser werden sich erinnern, daß vielerorts angegeben wurde, der Großvater dieses sogenannten Engländers sei ein polnischer Jude mit dem Namen Markowitsch gewesen, welcher Posen verlassen und sich in England angesiedelt habe. Dieser Mann (Morell Mackenzie), welcher Alles leugnet, leugnete dies niemals. Der Name Markowitsch wurde später in den von Mackenzie umgewandelt." Mein verehrter Großvater, welcher ungemein stolz auf seine Abstammung aus dem schottischen Hochlande war, und der in seinem Leben niemals einen Fuß außerhalb Großbritanniens gesetzt hatte, würde zweifelsohne sehr erstaunt gewesen sein, zu hören, daß er ein polnischer Jude sei! Ein Correspondent schrieb mir aus Danzig: „Es nützt Ihnen gar nichts, vorzugeben, daß Sie kein Jude sind. Sie ermuthigten einen jüdischen Doctor, von hier nach London zu verziehen, eine Sache, an welche nur einer von dem Stamme gedacht haben könnte." Selbst Personen, welche behaupten, meine Freunde zu sein, bezeigten eine lebhafte Neugierde bezüglich meiner Abstammung. Eine Dame schrieb mir aus Magdeburg, sic hätte mich in jedem Punkt vertheidigt, ausgenommen bezüglich meiner jüdischen Abstammung. Wenn ich ihr nur irgend einen Beweis geben könnte, um ihr zu sagen, daß ich kein Jude sei, glaubte sie, würden die Dinge in ihrer Stadt viel günstiger stehen; sie möchte gar gerne wissen, wo ich geboren sei und von wo meine Vorfahren herstammen. Ich brauche nicht zu sagen, daß, wenn ich wirklich zu dem bemerkenswerthen Stamme gehörte, welcher auf jedem Gebiete der Literatur, der Kunst und Wissenschaft so viele Männer von der höchsten Auszeichnung hervorbrachte, ich stolz darauf sein würde, anstatt mich solcherAbstammung zu schämen. Ich hielt es überhaupt nur der Mühe werth, die Sache zu erwähnen, als Beispiel von der schmählichen Ungenauigkeit in der Behauptung von Thatsachen, welche ebenso eine systematische Gemeinheit, wie das charakteristische Kennzeichen der Angriffe gegen mich war." — Am 11. Oktober verschied in London im 70. Lebensjahre Hr. S. M. Levy, Eigentümer des „Daily Telegraph". Als er vor einigen Jahren dieses damals wenig angesehene Blatt kaufte, verstand er es, in kurzer Zeit dasselbe zu einem der einflußreichsten Journale in England zu erheben. Rußland. Petersburg, 24. October. Neueste Nachrichten! In Finland dauern die Ausweisungen von Juden fort und Niemand scheint sich darum zu kümmern, was aus den Ausgewiesenen wird. In Wiborg haben, wie man der „Daily News" aus Helsingfors schreibt, neuerdings 34 Familien (125 Personen) Befehl erhalten, die Stadt bis zum 1. November oder 1. Januar zu verlassen. Es bleiben dann noch 18 jüdische Familien zurück. Vor Kurzem wurde eine Anzahl Familien aus Abo ausgewieseu. — Infolge des März- Ukas, nach welchem ausländischen Juden die Fortführung von industriellen und Handels-Etablissements im Königreich Polen verboten wird, haben der „Kreuzzeitung" zufolge 138 Personen dieser Categorien ihre Geschäfte aufgegeben bezw. verkauft. In der Zeit vom 13. Juli 1887 bis 13. Juli d. I. sind im Ganzen 1460 ausländische Juden um Aufnahme in den russischen Unterthanenverband eingekommen, aber alle abschlägig beschieden worden. Ilebrigens werden auch sehr viele Ausländer, namentlich Deutsche, fortlvährend ausgewiesen. Hamburg, 18. Oct. Ein Privattelegramm des „Generalanzeigers" meldet aus Warschau, daß dort zum 1. Januar neue Ausweisungen von Israeliten befürchtet würden, da die Ertheilung von sog. Gildcpatenten an dort ansässige Israeliten seitens der Kaufmannsgilde abgelehnt worden sei; damit stelle man die israelitischen Kaufleute vor die Wahl, entweder ihre Religion zu wechseln oder auszuwandern. Warschau, 20. October. Der „Dziennik Lodzki" berichtet, daß der Gouverneur von Petrikau verordnet hat, alle ausländischen Juden müßten die Stadt in kürzester Frist verlassen. Nur vereinzelte Prolongationen sind vertheilt worden. Rumänien. Bukarest, 22. October. Es war vorauszusetzen, daß die Anhänger der früheren Regierung Bratiano's zu den bevorstehenden Wahlen als ein Motiv gegen das gegenwärtige Ministerium auch den Judenhaß verwenden werden, welchem sie so viele Opfer dargebracht, und durch welchen sie die Volksleidenschaft erregen und zu ihren Gunsten stimmen wollen. Sie werfen deshalb der jetzigen Regierung die Juden- und Deutschenfreundlichkeit vor. In einer Versamm- 44*

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