Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- Seite 697 (sequence 9)
- Language
- German
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697 seiner erlauchten Gemahlin anläßlich höchst ihren Besuches der hiesigen Stadt auch die Synagoge mit einem Besuche zu beehren. Ihre Königs. Hoheiten wurden am Portale des Gotteshauses von dem Synagogenrathe empfangen und sodann in den heiligen Rauin geführt, woselbst die Begrüßung durch eine Ansprache des Stadtrabbiners Dr. Steckelmacher erfolgte. Der Letztere hob hervor, wie tief beglückt und gerührt wir uns ob der hohen Ehre dieses Besuches fühlten und wie wir den innigen Dank, den wir empfanden, nicht besser ausdrücken könnten, als indem wir an derselben geweihten Stätte, wo auch sonst allsabbathlich unsere heißen Gebete für das ganze Kaiserliche und Großherzogliche Haus zu Gott emporsteigen, auch in diesem für uns denkwürdigen Augenblicke unsere Gefühle zusammenfassen in das innige und herzliche Gebet: Der himmlische Vater möge Ihre Königl. Hoheiten auch ferner in Seinen gnädigen Schutz nehmen und gesund und kraftvoll erhalten allezeit, an Ihnen erfüllend den alten priesterlichen Segen: „Der Herr segne Dich u. s. w." Sichtlich gerührt dankte für diese Worte huldvollst das hohe Paar, ließ sich sodann ebenfalls zur Begrüßung den zweiten Stadtrabbiner Herrn Dr. Appel vorstellen, besichtigte hierauf mit großem Interesse das Gotteshaus und verließ dasselbe, nachdem der Vorsitzende des Synagogenrathes, Herr David Aberle sen. noch seinen besonderen Dank im Namen der Gemeinde ausgesprochen, mit wiederholten Zeichen inniger Befriedigung. Das Ergebniß hat in unserer Gemeinde mit Recht das freudigste Aufsehen hervorgerufen. Fürth, .. 19. Oktober. (Fränk. Central-Anzeiger.) Von jeher ist es eine schöne Sitte, große Todte durch ein Denkmal zu ehren. Es soll sein, den Zeitgenossen und der Nachwelt eine Erinnerung an das Wirken des Gelehrten und ein Sporn, gleiche Bahnen zu wandeln. Dieser Ehrenpflicht gedenkt unsere Stadt den Manen ihres Wohlthäters und Ehrenbürgers Dr. Wilhelm Königswarter in zweifacher Richtung gerecht zu werden: durch ein Grabmonument auf dem israelitischen Friedhofe und durch eine auf oder an einem öffentlichen Orte aufzustellende Büste. Greifbare Gestalt hat mit dem heutigen Tage das erste Sinnbild der Pietät gefunden. In der elften Vormittagsstunde versammelte sich eine Deputation der beiden städtischen Collegien und Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde auf dem israelitischen Friedhofe, um die Asche Dr. Königswarters von dem provisorischen Aufbewahrungsorte zur definitiven Ruhestätte zu verbringen. Es ist dies ein einfaches und doch würdiges Grabmonument. Auf grau granitnen Unterbau erhebt sich ein edel gegliedertes Postament aus polirtem, schwarzgrauen böhmischen Granit, das einer schlank emporstrebenden Pyramide aus demselben, gleich bearbeitetem Material als Basis dient. In Goldschrift ist auf der Vorderseite des Postaments die Inschrift eingegraben: „Ruhestätte der Asche des Ehrenbürgers der Stadt Fürth Dr. Wilhelm Königswarters." Die Rücksicht zeigt den lateinischen Gedenkspruch Dr. Königswarters: „Domo fui et nil Immani a me alienum putavi.“ (Ich war ein Mensch, nichts Menschliches lag mir ferne.) In dem ausgehöhlten Innern des Postamentes versenkte Herr Bürgermeister Langhaas die letzten irdischen Ueberreste des edlen Tobten, hieran nachfolgende in den Grundzügen wiedergegebene Worte schließend: „Hochgeehrte Anwesende. Wir haben nunmehr die Asche unseres großen Todten zur letzten Ruhestätte verbracht, die ihm eine dankbare Gemeinde hierfür bereitet. Es ist ein einfaches Grabmonument, so wie es der einfache Mann gewollt. Möge es sein ein Andenken allen kommenden Geschlechtern an jenen edlen, seltenen Mann, dessen Asche hier ruht. Dauernder als dies Denkmal aus Stein hat sich aber der Verlebte selbst ein Andenken in seinen Werken gesetzt. Anspruchslos für die eigene Person, war derselbe einzig bestrebt, seinen Nebenmenschen behilflich zu sein, ihnen die Last des Lebens zu erleichtern, wahre Bildung und Gesittung zu fördern. Hierfür sei ihm nochmals Dank gesagt. Die Stadt Fürth aber kann stolz sein, daß aus ihr ein solcher Mann hervorgegangen. Möge sein Vorbild sein ein Sporn zur Nacheiferung, damit unsere an gemeinnützigen Anstalten noch verhültnißmäßig arme Stadt ihren anderen Schwestern gleichkomme. Mit höchster Achtung wird aber immer der Name dessen genannt werden, dessen Asche hier ruht, der Name Dr. Wilhelm Königswarter." Hierauf wurde der krönende Theil des Postamentes niedergelassen und die Pyramide aufgesetzt. Das Grabmonument, 3,45 Meter hoch, ist von dem hiesigen Grabsteinhauer Herrn Hofmann gefertigt und macht einen imponirenden Eindruck. Wenn um das Denkmal der ihm zugedachte gärtnerische Schmuck hergestellt ist, darf es wohl als das schönste der zahlreichen Monumente gelten, welche auf dem israelitischen Friedhofe zu sehen sind. Marburg, 18. October. Gestern fand hier eine von den Nationalliberalen und Freiconservativen einberufene, sehrstark besuchte Wähler-Versammlung im hiesigen Saalbau statt. In derselben entwickelte der Candidat der genannten Parteien, Paasche, sein Programm, das von der Versammlung beifällig ausgenommen wurde und wendete sich am Schluß gegen das antisemitische Treiben. Hierauf entgegnete ein Antisemit und empfahl schließlich die Candidatur Dr. Winklers. Professor Paasche erwiderte hierauf in einem längeren Vortrag, und nachdem noch Professor Rathke (freisinnig) seiner Befriedigung über die Candidatur Paasche's Ausdruck gegeben und dessen Wahl befürwortet hatte, wurde die Versammlung geschloffen. In der „Oberhessischen Zeitung" findet schon einige Tage lang eine eifrige Polemik zwischen Paasche und dem conservativen Candidaten v. Stierberg statt. Aus Sachsen, 17. Oetober. Wieder ein Antisemit ver- 44