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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-10-25 · Heft 43 (25.10.1888) · p. Seite 686

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 43 (25.10.1888)
Date
1888-10-25
Page
Seite 686 (sequence 14)
Language
German
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686 treters schildernd. Die mit Rührung gesprochenen Worte machten auf alle Theilnehmenden einen Liefen Eindruck. Wir haben Alle in dem theuren Entschlafenen Vieles verloren. Die Lücke, welche er in seinem Wirkungskreise, besonders aber in der jüdischen Gemeinevertretung und dem Stadtvorstand hinterläßt, wird schwer auszufüllen sein. Ego.— In Poppelsdorf bei Bonn wohnt eine kleine jüdische Gemeinde. In diesen Tagen hat sie eine neue Thorarolle erworben und bei dieser Gelegenheit ein großes Fest gefeiert, an welchem das ganze Städtchen eine rege Theilnahme bezeugte. Deshalb möge der Bericht des „Bonner Tageblattes" vom 13. October hier folgen. Unsere ganze Gemeinde prangte heute im herrlichsten Schmucke, da es galt, das Fest der Einweihung einer neuen Thora, welche die hiesige jüdische Gemeinde ihrem Dienste übergab, würdig zu feiern. Vom schönsten Wetter begünstigt, setzte sich der Festzug, um 4 Uhr Nachmittags, nachdem vorher Gottesdienst stattgefunden, in Bewegung. An der Spitze desselben wurden zwei große Fahnen getragen, an diese schloß sich die Schuljugend mit kleinen Fahnen au. Hinter dieser folgte die Capelle des 28. Infanterie-Bataillons unter persönlicher Leitung des Herrn Capellmeisters Schaffganz. Hierauf kamen weißgekleidete Mädchen, Blumenkörbcheu und Bouquets tragend. Nun folgten die Thora-Träger, umgeben von einem Kranze, getragen von den Jungfrauen der jüdischen Gemeinde. Den Schluß bildeten die Mitglieder der Gemeinde. Der ganze Festzug machte einen erhebenden Eindruck. Derselbe zog durch die Hauptstraße zu der Wohnung des Herrn Jacob Scheuer, woselbst die neue Thora unter einem herrlichen Baldachin aufgestellt war. Hier machte der Zug Halt. Nun wurde die neue Thora vom ältesten Mitgliede der Gemeinde in Empfang genommen, und schloß sich dieser den anderen Thoraträgern an. Nachdem der Zug noch verschiedene Straßen passirt, ging es zur Synagoge, wo in Gegenwart einer dichten Menschenmenge, darunter viele Andersgläubige, der Abendgottesdienst stattfand. Herr Lehrer Baum ergriff das Wort, um in einer kernigen Rede den Zweck der heutigen Feier darzulegen. Die gedankenreiche Rede dauerte eine volle Stunde. Hieran schloß sich das Gebet für Kaiser und Vaterland und der übrige Abendgottesdienst. Wie sehr hierselbst die Nächstenliebe ohne Unterschied von Religion und Stand herrscht, diene zum Beweis, daß die ganze Ortsgemeinde zur Verherrlichung des Festes nach Kräften beigetragen. — In der Nacht vom 15. zum 16. d. Mts. wurden aus der jüdischen Synagoge in der Kaiserstraße zu Berlin mittels Einbruchs folgende Gegenstände gestohlen: 2 Paar silberne Leuchter, 3 silberne Vorhänge zur Thora (in einem die Inschrift Geschenk von S. Jacob), 3 Paar silberne Kronen, 2 silberne Stäbe mit je einer Hand, 1 silberner Becher, 1 silberne Gewürzbüchse, 1 silberne Kanne, 1 silberne Schüssel, oval, 2 silberne Lichtsparer, 1 silbernes Altarschild. Auf fast sämmtlichen Gegenständen sind jüdische Inschriften angebracht. Feuilleton. Lazare Isidor, Großrabbiner von Frankreich. ii. Bei der zwischen den Rabbinern Charleville und Isidor zu treffenden Wahl zum Großrabbiner von Paris ging es eigenthümlich zu. Man hatte eine Consistorialcommission gewählt, die sich „durch alle möglichen Mittel" über die beiden Canditatcn Aufklärung verschaffen wollte. Sie stellte daher eine Reihe von Fragen auf, welche Herr Adolphe Franck redigirt hatte und welche jeder der beiden Candidatcn schriftlich beantworten sollte; andere Fragen hatten sie mündlich zu beantworten. Diese Commission war einstimmig, Charleville zu wählen, der ihnen durch seinen ausgezeichneten Stil und seine Intelligenz der passendste erschien. Mehr als 50 Notablen hatten sich am 26. October 1847 versammelt; aber im Augenblicke, wo Franck den Bericht der Commission verlesen wollte, erhoben sich vr. Trtzves, Crsmieux, Bolviller und Hemerdinger und erklärten Alles, was geschehen, für ungesetzlich. Nach einer stürmischen Verhandlung zog sich die Commission zurück, ein Bureau wurde gebildet, Crsmieux an der Spitze. Eine neue Commission von 15 Mitgliedern wurde gewählt und diese stellte fest, daß nur eine allgemeine Frage den Candidatcn gestellt werde, wie sie die Funktionen des Großrabbiners, dessen Rechte und Pflichten auffaßten, und wie sie die religiöse Leitung der Gemeinde ausführen wollten. Eine theologische Diskussion und eine dogmatische Frage sollten gänzlich ausgeschlossen bleiben. Die Commission spaltete sich. Endlich fand am 9. November die Wahl statt. Bei einer absoluten Majorität von 76 erhielt Isidor 81, Charleville 68 Stimmen; Crsmieux hatte gesiegt. Am 3. März 1848 bestätigte die provisorische Regierung die Wahl Jsidor's. Man machte Anstalten, die Einführung in sein Amt feierlich zu begehen, aber die politischen Stürme, die damals über Frankreich und besonders über Paris rasten, verhinderten es und Isidor nahm seinen Sitz ohne Sang und Klang ein. Die Gemeinde von Paris war damals verhältnißmäßig noch klein, ihre Hilfsmittel waren gering und die politische Aufregung drängte den religiösen Geist weit in

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