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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-10-25 · Heft 43 (25.10.1888) · p. Seite 682

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 43 (25.10.1888)
Date
1888-10-25
Page
Seite 682 (sequence 10)
Language
German
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682 des Ansuchen des späteren ungarischen Communications-Ministers (einer der 13 Märtyrer) Ladislaus Csünyi, mit dem er eng befreundet war, in die Heimath zurück. Hier angekommen, stellte er sich in Debreczin der ungarischen Regierung zur Verfügung und trat als Lieutenant in die ungarische Armee ein. Später erhielt er das Commando über die von ihm in's Leben gerufene Honvodjägertruppe, mit der er in der Schlacht bei Käpolna kämpfte und an deren Spitze er bei der Erstürmung Ofens mitwirkte und auch verwundet wurde. Zu weiteren Kriegsdiensten momentan untauglich, wurde er von Kossuth zum Geschäftsträger Ungarns bei den Vereinigten Staaten ernannt und im Jahre 1849 ging er nach Amerika zurück. Nach der Revolution schloß er sich den Emigranten Prügai, Wimmer und Radnits an, welche, wie ich glaube, auch eine politische Mission hatten: sie verfaßten im Namen der Emigration die damals sensationelle Proklamation an das ungarische Volk, die zahlreiche Verhaftungen zur Folge hatte. Unter Anderen hatte auch Danneberg's Familie viel zu leiden. Dann durchstreifte er ganz Amerika und kehrte nach Europa, und zwar nach England zurück, wo er in Kriegsdienst trat und als Oberst die Expedition gegen China mitmachte. Später ging er nach Melbourne und nahm dort bleibenden Aufenthalt. Doch auch hier duldete es ihn nicht lange. Er kehrte im Jahre 1857 nach London zurück, wo im März desselben Jahres ein jäher Tod seinem vielbewegten, thaienreichen Leben ein zu frühes Ende bereitete. Albert Danneberg war Jude und blieb bis zu seinem Lebensende dem Glauben seiner Väter treu. Sein Vater starb im Alter von 101 Jahren; von seinen Geschwistern sind noch viele am Leben." Deutschland. Berlin, 14. Okt. (Privatmitth.) Nach einer statistischen Mitheilung giebt es jetzt in Berlin an Kirchen, Kapellen und Bethäusern 85, worunter 11 jüdische. Hieraus ergiebt sich, daß durchschnittlich ein gottesdienstliches Gebäude in Berlin auf 15,280 Einwohner kommt, bei den Juden aber schon auf 5450. Man muß jedoch in Berücksichtigung ziehen, daß die meisten christlichen Gotteshäuser viel größere Massen von Besuchern fassen können, als die jüdischen. Man kann also nicht behaupten, daß in Berlin für die religiösen Bedürfnisse auch seitens der jüdischen Bevölkerung ausreichend gesorgt sei. Es bewahrheitet sich auch hier die Ansicht, daß große Centren für das religiöse Leben durchaus nicht so günstig sind wie kleinere Gemeinden. — Das vom statistischen Amt der Stadt Berlin herausgegebene Jahrbuch bringt auch Vergleiche der Bevölkerung Berlins im Jahre 1880 mit der gegenwärtigen. Die Auszählung nach der Confession hat ergeben, daß die Zahl der Evangelischen inclusive der Herrenhuter von 981,678 aus 1,143,397, das heißt um 16,5 pCt. gestiegen ist. Relativ wenig zugenommen haben die Dissidenten von 3134 auf 3468, oder 10,6 pCt. Die Zahl der Juden stieg von 53,916 auf 64,355, also um ca. 19 pCt. Also die jüdische Bevölkerung am meisten. Da die Gesammtbevölkerung Berlins auf 1,315,287 gestiegeu, so macht die jüdische Bevölkerung rund den 20sten Theil, nämlich 4,8 pCt. aus. — Der Erfolg der ersten Versammlung von Bankiers, die der Reichsbank-Präsident veranlaßt, war so groß, daß derselbe eine zweite durch Kurrende einlud, worüber berichtet wird: „In der gestern beim Reichsbank-Präsidenten v. Dechend für die Zwecke der Stadtmission stattgefundenen neuen Bankier-Versammlung hatten sich dem „B. Tagebl." zufolge von 34 eingeladenen Firmen 17 eingefunden. Herr v. Dechend erklärte, daß er die Herren eingeladen habe, um sie zu ersuchen, sich an einer Sammlung des evang.-kirchlichen Vereins zu betheiligen; es würde dies einem Wunsche der Kaiserin entsprechen , welche die Zwecke dieses Vereins fördere. Die Gelder würden lediglich zu „humanitären" Zwecken und zur „Beseitigung des kirchlichen Nothstandes" Verwendung finden. Jeder parteipolitische Standpunkt sei gänzlich ausgeschlossen, so daß es Anhängern jeder Richtung möglich sei, sich zu betheiligen; hierüber in der Presse aufgetauchte entgegengesetzte Mittheilungen ständen mit den thatsächlichen Verhältnissen nicht im Einklang. Er bitte die anwesenden 17 Herren, dies den ausgebliebenen Herren mitzutheilen, um sie zu veranlassen, sich auch ihrerseits zu betheiligen. Unter dem Eindruck dieser Erklärungen entschlossen sich die Anwesenden zu Zeichnungen, deren bedeutendste 3000 Mark betragen haben soll. Ob Herr v. Dechend über die Stellung des Herrn Stöcker zur Sache irgend welche Erklärung abzugeben in der Lage war, wird nicht gesagt. Herr Stöcker selber hat sich dafür in einer gestern abgehaltenen Versammlung seiner Freunde um so deutlicher ausgelassen." — Wir hoffen, daß zu den 17, die ausgeblieben, auch die jüdischen Bankiers gehörten, welche eingeladen waren, dem Beispiele des Herrn v. Bleichröder folgend. — Es gewährt gewiß eine besondere Genugthuung, wenn wir Juden und Jüdinnen mit unermüdlichem Eifer auf Wegen der Barmherzigkeit und zwar für alle Hülfs-

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