Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1888)
- Date
- 1888-10-25
- Page
- Seite 681 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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681 Armee. Von aktiven Stabsvfficieren im preußischen Heere hat der königl. preußische Artillerie-Major Meno Burg sich insofern eine» Namen gemacht, als er der erste jüdische Officier im stehenden Heere Preußens war, der, ohne seinen Glauben zu verlassen, es so weit brachte. Ich erwähne dies ausdrücklich, um schon mit dieser einen Thatsache dem auch bei uns sehr verbreiteten Glauben, als gäbe und hätte es nie in der stehenden Armee Preußens auch nur einen — Lieutenant jüdischen Glaubens gegeben, so recht ad absurdum zu führen. Major Burg, ein sehr gläubiger Jude, der in Folge seiner Tapferkeit schon in den napoleonischen Kriegen zum Seconde- Lieutenant befördert wurde, bekleidete sogar das Ehrenamt eines Mitgliedes des Vorstandes der jüdischen Gemeinde in Berlin. Dieser schneidige Artillerie-Officier starb als eines der ersten Opfer der Cholera im Jahre 1854 und ist auf dem jüdischen Friedhof in Berlin beerdigt worden. In der königl. baierischen Armee ist der ebenfalls schon verstorbene Major Frank zu nennen. Nebenbei sei auch erwähnt, daß der jüdische Bankier und österreichisch-ungarische Consul Obermayer zu Augsburg in Folge seiner militärischen Tüchtigkeit sich in der baierischen Landwehr bis zum Obersten aufgeschwungen hatte. Derselbe wurde sogar mehrmals in militärischen Enqusten mit der Vertretung Baierns beauftragt. Von den vielen Militär-Aerzten jüdischen Glaubens, die in Preußen, Baiern u. s. w. Stabs officiers-Raupen tragen, will ich gar nicht sprechen, auch verschweige ich, daß in der Unionsarmee gegen die Südstaaten im großen Sclavenemanzipationskriege 1860 bis 1864 mehrere jüdische Generale, wie die Generale Alexander, dann Salomon u. s. w. mitgefochten haben. Auch in der Marine bekleideten jüdische Officiere sowohl in England, als in Holland und Amerika sehr hohe Stellungen, llria Levi war „Commodore of tlie Navy of the United States“ und General Marchena (ebenfalls Jude, auch dem Glauben nach) sogar eine Zeit lang Kriegsminister der Republik San Domingo. Und um auch endlich der, auch in anderen ungarischen Blättern mitgetheilten Ansicht, als ob der verstorbene Oberst Beer bisher der einzige jüdische Oberst in unserer Armee gewesen wäre, entgegenzutreten, erwähne ich nur, daß der auch in Ihrer Abendblattnotiz genannte Markus (nicht Gustav) Weiß als Oberst schon vor circa fünfzehn Jahren in Agram verschied, wo er auf dem dortigen jüdischen Gottesacker ruht, daß der einstige Platzcommandant von Venedig Oberst Adolf Pinsler auch Jude blieb, und daß sogar in der k. u. k. Marine der dem Glauben seiner Väter treu gebliebene Moriz Ritter v. Funk (derselbe, schon 1871 wegen seiner Verdienste mit dem Leopold-Orden decorirt, lebt noch, pensionirt, in Triest) es bis zum Linienschiffs-Capitän gebracht hat. Oberst Beer war also durchaus nicht der erste oder einzige jüdische Oberst in unserem gemeinsamen Heere. Ob der k. u. k. Contre-Admiral Tobias Freiherr v. Oesterreicher (Triest) und der Linienschiffs-Capitän Ritter v. Herzfeld noch dem israelitischen Glauben angehören, ist mir unbekannt. Doch ich schließe, obwohl ich noch Manches erwähnen könnte. Unerwähnt darf ich aber nicht lassen, daß seit Kurzem unsere gemeinsame Armee auch einen General jüdischen Glaubens, allerdings nur im ärztlichen Corps, den k. u. k. Generalarzt Michael Waldstein zählt. Dieser ist nun meines Wissens wirklich der erste Israelit mit Generalsrang in der österreichisch-ungarischen Armee. Daß es schon in dieser mehrmals jüdische Ober-Stabsärzte erster Klasse (also auch Oberstenrang) gegeben, ist bekannt, und verweise ich nur auf Dr. Wolfgang Derblich, Dr. Constantin Heumann und den erst vor einigen Jahren in Budapest zur ewigen Ruhe bestatteten Dr. Jacob Böhm. In der königlich ungarischen Honvedarmee scheinen die Verhältnisse für die Officiere jüdischen Glaubens ungünstiger zu stehen. Ich kenne wenigstens Keinen, der es daselbst auch nur bis zum Oberstlieutenant in dem Combattantenstande gebracht hätte. Umso interessanter wäre es, Näheres über den einstigen „General" Danneberg (im ungarischen Fceiheitsheer 1848/1849) zu erfahren, der angeblich ebenfalls Israelit war und dessen Verwandte noch hier in Budapest leben. Daß es in der gemeinsamen Armee eine sehr stattliche Anzahl tapferer und bedeutender Feldherren von jüdischer Geburt oder Abstammung gegeben und giebt, weiß Jedermann, und nenne ich nur die k. k. Feldmarschall-Lieutenants Baron v. Joelson, Salomon v. Friedberg, Pollak, v. Klumberg Tiller v. Turnfort, Freiherr v. Henikstein, Singer, Freiherr v. Jsaacsohn, den jetzigen Statthalter von Böhmen Feldmarschall-Lieutenant Freiherr v. Krauß u. s. w. Ueber den oben erwähnten General Danneberg bringt ein Schreiben aus Raab von einem Neffen desselben folgendes Nähere: Albert Danneberg reete Eduard Theodor Danburghy wurde im Jahre 1815 in Groß-Kanizsa geboren. Er absolvirte sechs Gymnasialklassen in seiner Vaterstadt und trat dann in das Geschäft seines wohlhabenden Vaters ein. Der Hang zu Abenteuern ließ dem geistig begabten und wissensdurstigen Manne keine Ruhe; das Elternhaus wurde ihm zu eng, und ohne seinen Verwandten Lebewohl gesagt zu haben, ging er im Jahre 1844 nach Amerika, wo er nach zweijährigen Irrfahrten in das Heer der Union, welches damals im Kriege gegen Mexiko stand, als Volontaire eintrat und noch in demselben Jahre zum „Sergeant" avancirte. Er zeichnete sich besonders bei der Erstürmung von Vera-Cruz aus, bei welcher Gelegenheit er auch die Tapferkeits-Medaille erhielt; er kämpfte ferner in den Schlachten bei Buena-Vista, Cerro- Gordo u. s. w., in denen er mehrmals verwundet wurde. Bis zum Jahre 1848 avancirte er nacheinander zum Kapitän. In dem letztgenannten Jahre kehrte Danneberg auf dringen- 48