Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1888)
- Date
- 1888-10-25
- Page
- Seite 680 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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680 standen und fortgegangen ist, schuldig und der Zweite frei. Denn dies ist ebenso, als wenn Jemand sein Haus, um das Innere zu bewahren, zuschließt und sich ein Reh darin befindet." Die Gemara (Sabbath 106, 2) fügt einen neuen Fall hinzu: „Rabbi Jirmaja bar Abba sagt im Namen Samuels, daß derjenige, welcher einen Löwen am Sabbath jagt, nur schuldig ist, wenn er ihn in seinen Käfig hinein gebracht." Man sieht, daß diese Discussion mehr theoretisch ist, als daß sie aus der Praxis hätte erfließen sollen. Waren diese Vorschriften und Schlüsse doch so fein gesponnen, daß sie die größte Menge der Juden gar nicht wissen konnten. Ausdrücke, die in der oben angeführten Stelle gebraucht werden und aus dem Lateinischen und Griechischen herrührten, bezeugen schon die Verhältnisse einer späteren Zeit. Was die Vögel hier betrifft, so konnte es im gewöhnlichen Leben schon Vorkommen. Anders verhält es sich mit dem Reh und dem Löwen, wobei doch nur ganz außergewöhnliche Fälle von den Talmudisten in Betracht gezogen werden. Jastrow meint, daß die Löwenjagd am Sabbath auf die Zeit der Hadrianischen Verfolgung Hinweise, wo Juden auf Befehl zum Aufjagen eines Löwen verwendet werden konnten und verweist auf Je Chag. II, 77 b. Die jüdischen Stabsosjmere. Wir haben in vor. Nr. bemerkt, daß der „P. Ld.", indem er vom Tode des k. k. Obersten Beer berichtet, hinzufügt, daß er der erste Jude gewesen, der es bis zum Obersten in der österreichischen Armee gebracht, und daß ein gleicher Fall wohl schon in der französischen Armee, sonst aber in keiner europäischen vorgekommen. Wir machten auf das Irrige dieser Angaben aufmerksam und führten beispielsweise einige französische Generäle an. Der P. L. bringt nun eine ausführliche, ziemlich vollständige Berichtigung, welche für viele Leser sehr Ueberraschendes enthält. Wir lassen sie deshalb folgen. Zu der unter diesem Titel in unserem Abendblatt vom 8. d. M. veröffentlichten Notiz erhalten wir von einem Freunde unseres Blattes die folgenden Zeilen: Vor Allem bedarf die Angabe, daß außer in der französischen Armee und außer dem erwähnten Artillerie-Obersten Beer „noch in keiner europäischen Armee Israeliten Stabsofficiersrang erreicht hätten", einer Berichtigung. Im Gegentheil, es giebt keine Armee eines größeren europäischen Staates, wo Officiere jüdischen Glaubens nicht diesen höheren Officiersrang im Laufe unseres Jahrhundert öfter oder seltener erreicht hätten, mit Ausnahme natürlich derjenigen Staaten, wo es so viel wie keine Juden giebt (wie in Schweden und Spanien). Auch von den kleineren Staaten wären in dieser Beziehung nur die neueren orientalischen Staatengebilde, wie Rumänien, Serbien u. s. w. auszunehmen. Nicht nur Oberste, auch Generale giebt es heute schon zahlreiche, die dem Glauben der Erzväter angehören, und da ragt besonders in erster Reihe das französische Heer hervor, in dessen Stande zur Zeit nicht weniger als sechs Generale mosaischer Confession zu zählen sind, darunter zwei Divisions-Generale, also in Frankreich nach dem Marschallsrang, den dort heute nur noch drei Generale im Ganzen bekleiden, im Militär die höchste erreichbare Stufe. Diese sechs sind: die Divisions-Generale Leopold See (ein alter erprobter Feldherr, zugleich Commandant der 20. Armee-Division) und Mine Lambert, eine hochgeschätzte militärische Capacität, vor einigen Jahren Platzcommandant von Paris, später General-Cvmmandant der französischen Streitkräfte in Tunis. Dann die „gsnsrnnx äe brigade“ Lövy (Artillerie), Justin Brisac (General.der Kavallerie), im Kriege gegen Deutschland 1870—1871 vielfach ausgezeichnet), Bernard Abraham und der General Hinstin (letzterer als General der jüngste). Und außer dem in Ihrer Notiz erwähnten Obersten Cerfberr gab es wenigstens schon ein Dutzend anderer jüdischer Oberste im französischen Heere, auch zur Zeit noch acht. Es seien von diesen Obersten nur der auch von unserem König im Jahre 1880 mit dem hohen Orden der Eisernen Krone zweiter Klasse ausgezeichnete, kürzlich verstorbene Oberst Abraham Auguste Samuel vom Generalstab, der Artillerie-Oberst Moch, Oberst Salvador, Oberst Cahen, der Oberst Blum und Andere erwähnt. In der belgischen Armee wurde in diesem Jahre der erste General jüdischen Glaubens in der Person des Infanterie-Generals Fix ernannt, ebenso vor einigen Jahren der erste in der italienischen Armee: General Giuseppe Ottolenghi. Oberste giebt es in letzterer außerdem noch zur Zeit fünf, darunter der Infanterie-Oberst und Professor an der Militär-Hauptakademie Cesare Rovighi, dann Oberst Leone Artom u. s. w., und es ist bekannt, welche bedeutende Rolle der Oberst Enrico Guaställa (der nachherige Deputirte im italienischen Parlament), einer der tausend Helden von Marsala und Adjutant Garibaldi's, in dessen Befreiungskämpfen spielte. In der englischen Armee gab cs sogar schon im vergangenen Jahrhundert einen jüdischen Obersten, Colonel' Frank in Canada, später Adjutant Washington's. Ein Verwandter Montefiore's, desselben Namens, steht gegenwärtig ebenfalls als Oberst in London in Garnison, ebenso der Oberst Goldsmid. Sogar in Rußland erreichte schon ein tüchtiger jüdischer Militärarzt — allerdings also nicht im Stande der eigentlichen combattanten Armee —, der jetzige Garnison-Chefarzt in Kiew, Medem, den Generalsrang. In Dänemark hatte der 1885 verstorbene Eh’. Noah Salamon als Generalarzt nicht nur Generalsrang, sondern war erster Chefarzt der gesammten königl.'dänischen