Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-10-25 · Heft 43 (25.10.1888) · p. Seite 679

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 43 (25.10.1888)
Date
1888-10-25
Page
Seite 679 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227717-3227761--45703-3265232
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6-9 unter anderen Löwen auf Raub ausgeht, d. h. der Despotie und Gewaltthat gleich den anderen heidnischen Königen vollbrachte. Der Prophet redet den Fürsten an: „Was ist deine Mutter? eine Löwin, unter Löwen lagernd, in junger Leuen Mitte erzog sie ihre Jungen! Und eines von ihren Jungen zog sie auf: ein junger Leu ward's, der Raub zu rauben lernte, Menschen fraß. Da dies die Völker von ihm hörten, ward er gefangen in ihrer Grube; sie brachten ihn mit Nasenringen ins Land Egypten." Ta machte sie ein anderes ihrer Jungen „zu jungem Leu", der Raub zu rauben lernte, Menschen fraß, in die Paläste brach und ihre Städte verwüstete, daß sich das Land und was darinnen vor seines Brüllens Sturm entsetzte. Da breiteten die Völker ihr Netz aus wider ihn, in ihrer Grube wurde er gefangen; sie warfen in den Käfig ihn mit Nasenringen und brachten ihn in eine Burg, daß seine Stimme nicht mehr vernommen werde auf den Bergen Israels". Wir sehen hier die Mittel vor uns, welche, bei dem Mangel an tauglichen Waffen gegen die Löwen gebraucht wurden: Netz, Grube, Käfig und Nasenringe, um ihn sestzuhalten und zu leiten. Wodurch der Fang der Thiere bewerkstelligt wurde, wird Hiob 18, 7 anschaulich geschildert. Es soll da der Untergang des Frevlers durch seine eignen Pläne und Handlungen gezeichnet werden, und da heißt es: „Seine kräftigen Schritte werden beengt und ihn stürzt der eigne Plan; denn in's Garn wird er durch seine Füße gebracht und aus Netzen wandelt er hin; an die Ferse faßt ihn die Falle, seiner bemächtigt sich die Schlinge; in der Erde verborgen ist das Seil für ihn und sein Fangeisen auf dem Steige. Ringsum ängsten ihn Schrecknisse und scheuchen ihn, hinter ihm her. Seine Kraft hungert aus und Verderben schließt sich seiner Seite an." — Als Löwentödter wird 2. Sam. 23, 20 Benajahu gefeiert: „Er schlug die beiden Löwenhelden Moab's und er stieg hinab und erschlug einen Löwen in der Grube zur Schneezeit." Josephus zählt unter den Eigenschaften des Herodes (jüd. Krieg I, 21, 13) auch seine Jagdlust und das Glück, das er bei den Jagden hatte, auf. Er sagt: „Als Jäger hatte er durch seine Geschicklichkeit im Reiten viel Glück auf der Jagd. Einmal erlegte er 40 Stücke Wild an einem Tage. Das dortige Land ist reich an Wildschweinen (die dem Landmanne so vielen Schaden thun), vorzüglich aber an Hirschen und wilden Eseln." — Jndeß waren es auch besonders die.Schakale, welche die Jagd heraufbeschworen. Sie leben in Kleinasien in Rudeln von 100, ja 200 und sind ein Mittelglied zwischen Wolf und Fuchs. Da hören wir (Richter 4): „Und Simson ging und fing dreihundert Schakale, band Schwanz an Schwanz und that eine Fackel zwischen zwei Schwänze und zündete die Fackel mit Feuer an und jagte sie in das stehende Getreide der Philister." Wie er dies vollbrachte, wird allerdings nicht gesagt. — Daß übrigens Jagd und Wildpret dem Israeliten doch nicht gar zu ferne lagen, erweist sich aus der öfteren Verwendung derselben zu Gleichnissen. Der Spruchredner sagt: „Der Träge brät sein Wildpret nicht" (Spr. 12, 27). „Seelen fangen, daß sie im Netze flattern", ist eine Redensart Ezechiels (13, 18. 20.) Das Unglück wird oft mit einem Netze verglichen, in welchem wir gefangen werden (Ps. 66, 11. Hiob 19, 6.) Dagegen wird die Rettung (Ps. 124, f.) verglichen: „Unsere Seele ist entronnen wie ein Vogel aus des Vogelstellers Schlinge: die Schlinge riß und wir entrannen." Hiob, da er die geringe Macht des Menschen innerhalb der gewaltigen Naturerscheinungen schildern will, sagt (38, 39): „Erjagst du für die Löwin Raub, der jungen Löwen Hunger stillst du, so sie in Höhlen sich strecken, im Dickicht auf der Lauer liegen?" Besonders war der Fisch- und der Vogelfang eine häufige Beschäftigung. Dies deutet uns auch Koh. 9, 12 an, wenn es heißt: „Der Mensch kennt auch seine Zeit nicht, wie die Fische, die gefangen werden im bösen Netz, und wie die Vögel, die in der Schlinge gefangen werden, wie diese werden die Menschensöhne verstrickt zur Unglückszeit, die da unversehens über sie fällt." Die obigen Schilderungen zeigen uns, wie immer, in den biblischen Schriften ein reges und mannigfaltiges Leben, jedoch stets innerhalb der Schranken, welche die einfachen Verhältnisse im Leben des Volkes gezogen. Viel enger richteten sich diese innerhalb des Talmuds auf. Hier waren alle Bestrebungen auf die Auslegung, Durcharbeitung und Verästelung des Gesetzes gerichtet, und da zog sich das Leben der Juden in immer engere Kreise zurück. Hinsichtlich der Jagd nahmen die talmudischen Weisen, alle anderen beschränkenden Vorschriften voraussetzend, nur auf etwaige Verletzung des Sabbaths Rücksicht und Jastrow verweist daher nur auf die Mischna Sabbath 13, 5—7. Wir geben diese in wortgetreuer Uebersetzung: „Rabbi Jahuda sagt: Wer einen Vogel (am Sabbath) in einen Vogelthurm oder ein Reh in ein Hans jagt, ist schuldig; die Gelehrten sagen: einen Vogel iu einen Vogelthurm, ein Reh in ein Haus, in einen Hof oder in ein Thiergehege. R. Simeon, Sohn Gamliel's sagt: nicht alle Thiergehege sind gleich; Folgendes ist die Regel: wo noch eine abermalige Aufjagung nöthig ist, ist der es einjagt nicht schuldig, wo aber keine solche mehr nöthig, ist er schuldig. Wenn ein Reh in ein Haus gelaufen und Jemand vor demselben zuschließt, ist er schuldig, schließen zwei Personen zu, sind beide frei; kann einer nicht zuschließen und es verrichten es zwei, so sind sie schuldig, Rabbi Simeon aber spricht sie frei. Setzt sich Einer in den Eingang, ohne ihn auszufüllen, und ein Zweiter setzt sich hinzu und füllt die Lücke, so ist dieser schuldig; setzt sich der Erste in den Eingang und füllte ihn aus und ein zweiter setzt sich dann neben ihn, so ist der Erstere, sogar wenn er wieder aufge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.