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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-10-18 · Heft 42 (18.10.1888) · p. Seite 670

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 42 (18.10.1888)
Date
1888-10-18
Page
Seite 670 (sequence 14)
Language
German
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670 jubiläum das Kommandeurkreuz des Danebrog verliehen. Der Tag wurde festlich von der Gemeinde begangen, welche ihrem bewährten Seelsorger eine goldene Medaille mit seinem Bildlich verehrte. Geschenke und Glückwünsche kamen ihm von Nah und Ferne zu. Bonn, 14. Oktober. (Notizen.) Man meldet aus Paris: Herr Jules Aron, Oberarzt und Direktor des Sanitätsdienstes im 10. Armeecorps in Rennes ist zum Grade eines Medicinalinspektors und zur Leitung des Sanitätsdienstes im 19. Armeecorps und in der Division von Algier, wo er seinen in Ruhestand versetzten Glaubensgenossen vr. Vidal ersetzt, berufen worden. Dieser Grad steht dem Range eines Generals gleich. Herr Aron ist der Sohn des Großrabbinen von Straßburg. — In Paris verschied am 25. September der Generalinspector der Brücken und Wege Herr Ernst Daniel. Er war der Enkel des bekannten Rabbiners Davidchen Cohn in Verdun. — Bei Gelegenheit des Todes des Obersten Beer machten österreichische Blätter die Bemerkung, daß solchen Rang Juden in keinem europäischen Heere außer im österreichischen, wo sehr oft Juden Majore geworden, erreichten, nur Oberst Cerfbeer in Paris hätte eine Ausnahme gemacht. Dies ist durchaus irrig. Wer in unsrer Zeitung die Rubrik „Notizen" durchlieft, findet recht viele Beispiele in der französischen Armee, daß Juden selbst den Rang eines Generals erreichten, und zwar solche Männer, welche ihrem religiösen Bekenntniß treu geblieben, so gegenwärtig General See, General Abraham, General Lambert. — Feuilleton. Seitriige zur ältesten Saugeschichte Frankfurts a. M. Unter dieser Ueberschrift enthält der Frankfurter General-Anzeiger vom 2. d. Mts. einen interessanten Artikel über die Vorgänge im 15. Jahrhundert, der also lautet: „Schenken wir hierbei dem jüdischen Leben jener Zeit noch einen Rückblick. Der neue Römer stand da als leuchtendes Wahrzeichen des erstarkten Frankfurts; die früheren noch kleinlichen Verhältnisse waren einem neuen Aufschwünge gewichen, in seinen erweiterten Räumen domizilirte der Großhandel von Mainz, auch zahlreiche Kaufleute von anderwärts waren durch den Vorzug der Zollfreiheit der Frankfurter Waare nach dort hingezogen worden; die Stadt war mit Beginn des 15. Jahrhunderts zu einer Handelsmetropole ersten Ranges hinaufgestiegen. Aber anstatt der Zufriedenheit mit dem glücklichen Gestirn taucht jetzt ein dunkler Fleck in seinem Bürgerleben auf. Es ist das jüdische Exil von 1460. Was war der Grund dieses Gewaltaktes? Die zeitgenössische Feder berichtet, die Juden hätten, man höre, durch ihr wüstes Geschrei den Cultus der Bartholomäuskirche anhaltend gestört, auch die kirchlichen Ceremonien auf dem Kirchhofe verspottet, so daß die unaufhörlichen Beschwerden beim Kaiser wiederholt Austreibeedicte von 1442 bis 1458 erwirkten. Dieses Lied singen alle Chronisten, und auch die sonst so hochverdienstliche Bearbeitung der Battonn'schen Gebäudestatistik durch den archäologischen Verein reproducirt die Thatsache ohne Anzweiflung. Doch nur ein wenig dieser Tradition zu Leibe gegangen, und man wird schnell das große ihr anhängende Fragezeichen erblicken. Es ist bekannt, jdas vor dem Brande der ersten Judengasse eine zahlreiche üdische Einwohnerschaft den südlichen Stadttheil eingenommen, daß aber das fromme, von der zelotischen Flagellantenhorde (Geißelbrüder) unter ihnen angerichtete Blutbad ihre Reihen so gelichtet und mit Angst erfüllt hatte, daß der flüchtende Ueberrest sich nicht einmal Zeit nahm, sein Eigenthum vorher zu versilbern. Erschüttert von Furcht, kehrte nur ein Bruchtheil zurück, um in der restaurirten Judengasse, welche vom vicus fabrorum (Fahrgasse) an bis zum Geistbrunnen lief, sich niederzulassen. Selbstredend mußte das eben erlittene Unheil und der bedrohliche, jederzeit zum Wiederausbruch geneigte Massenfanalismus, der kurz vorher ihre Brüder hingeschlachtet, dem schüchternen Haufen in Religionssachen die allerängstlichste Vorsicht aufnöthigen. Und da erwäge man doch gefälligst, ob die angebliche Cultusverhöhnung angesichts dieser Lage noch Anspruch auf Glaubwürdigkeit machen darf, ob sie nicht vielmehr über den Haufen geworfen wird durch die Ueberzeugung, daß in diesem Falle jber fromme Janhagel nicht gezaudert hätte, eine neue Btuthekatombe von jüdischen Spöttern seinem beleidigten Christus darzubringen. Zieht man noch in Betracht, daß nach der Chronik dieses unverbesserliche jüdische Gebühren zum mindesten 20 Jahre hindurch gewährt haben muß, so wird man das nur erborgte Religionsgewand, mit welchem das Exil überkteidet worden, um so klarer erkennen, wenn man zugleich den bigotten Character jener Zeit ins Auge faßt, der für jede Christuslasterung schon bei einem Christen eine grausame Blutstrafe nach sich zog. Und ein solches Verbrechen wäre von dem jüdischen Heloten, dem socialen Zwitter von Mensch und Hund, der auch in das neue Rathhaus vom Römberge her nur dann, wenn er sein Neujahrsgeschenk dem Rath zu Füßen legte, eintreten durfte, gewagt worden! Ganz unglaublich.

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