Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1888)
- Date
- 1888-10-18
- Page
- Seite 669 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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669 ein friedliches Nebeneinandergehen bestanden hat. — Er wünsche, mit dem Nachfolger des Herrn Grunwald in ein gleiches Verhältniß zu treten, um den religiösen Frieden in einer Zeit, wo die Gegensätze sich so schroff zugespitzt, auch fernerhin zu erhalten. — Er forderte die Festtheilnehmer auf, auf das fernere friedliche und brüderliche Einvernehmen der verschiedenen Confessionen die Gläser zu leeren. — Herr Oberlehrer Dr. Lehmann feierte Herrn Grunwald im Namen des Gymnasiallehrer-Collegiums als liebenswürdigen Collegen. Herr Kreisschul - Inspektor Elsner gedachte der segensreichen Wirksamkeit des Scheidenden als Religionslehrcr. T. Rawitsch, 7. Oct. (Privatmitth.) Das heutige Rawitscher Kreisblatt enthält folgenden Bericht: „Der Minister des Innern hat auf eine Vorstellung des hiesigen Rabbiners Herrn vr. Loeb gestattet, daß für die jüdischen Sträflinge, deren das hiesige Zuchthaus immer mehrere beherbergt, fortan koscher Fleisch geliefert wird." Früher wurden alle derartigen Gesuche mit der Begründung zurückgewiesen, daß das koschere Fleisch theurer sei als anderes. Oesterreich-Ungarn. Wien, 4. October. (Privatmitth.) Bor dem hiesigen Gerichte spielt sich jetzt ein Proceß ab, der nicht ohne Interesse für die Leser dieser Zeitung sein dürfte. In dem nahen Mödling errichtete ein Jude eine Schuhfabrik und hat hier Niederlagen. Er verkauft billiger als die andern Schuhmacher, weshalb diese sich zusammenthaten, um den Fabrikanten unschädlich zu machen. Ein Antisemit im Gcmeiuderathe suchte die Sache gegen die Juden auszubeuten und nannte den Fabrikanten in offener Sitzung einen Schwindler. Hierauf strengte dieser eine Ehrenbeleidigungsklage an. Der Proceß ist noch nicht zu Ende. Bei demselben stellte es sich heraus, daß Juden, die Geschäfte mit Schuhwaaren haben, einen großen Theil des Geldes zur Agitation gegen den Fabrikanten hergegeben haben. Dieser Tage starb hier Herr Adolf Bier, k. k. Oberst, Commandant des Corps-Artillerieregimcnts Nr. 13. Es lebt hier noch ein anderer jüdischer Oberst, Gruczinger. Wien, 9. Oktober. Die Antisemiten versenden Briefe mit schwarzrothgoldenen Siegelmarken, welche die Aufschrift enthalten: „Wir Deutsche fürchten Gott und sonst Niemanden." Das Handelsministerium verbot die Beförderung solcher Briefe. — Das hiesige „Tagbl." meldet: „In Zwettl, wo morgen eine Abgeordnetenwahl zum Ersatz Schönerers stattfindet, wurde ein Beamter Schönerers wegen gefährlicher Drohung verhaftet. — Wien, 10. Oktbr. Bei der heutigen Reichsrathswahl im Zwettler Bezirke wurde der antisemitisch-clerikale Candidat Pfarrer Eichhorn aus Floridsdorf mit 120 Stimmen gewählt. Der deutsch-liberale Candidat, Bezirksrichter Holland, blieb mit 104 Stimmen in der Minorität. Der frühere Abgeordnete v. Schönerer erhielt 188 Stimmen, welche natürlich ungiltig waren. — Wien, 11. Oktober. Der gestern in Zwettel an Schönerers Stelle gewählte clerikal-antisemitische Reichsrathsabgeordnete Peter Eichhorn wurde wegen Majestätsbeleidigung angeklagt. Wien, 11. Oct. (Privatmitth.) Der 27. Jahresbericht des Vereins zur „Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien" ist erschienen, und bietet insofern keinen erfreulichen Anblick, als die Reihen der sicheren Beitragenden durch de» Tod gelichtet wird, ohne daß dafür ein Ersatz eintrete. Die Zahl der Vereinsmitglieder ist auf 120 gesunken mit Beiträgen von 1334 fl., während die Ausgaben im verflossenen Jahre 4316 fl. betrugen, indeß wurde dieser Ausfall durch reichliche Spenden ausgeglichen, so daß das Vermögen des Vereins nicht gelitten und die Summe von 32,600 fl. einnimmt. Die beschränkten Mittel bewirkten, daß von 441 Gesuchen nur 301 berücksichtigt werden konnten und auch für diese mußte ein Maß eingehalten werden, das mit dem Bedürfniß und dem Verdienste nicht gleich stand. Unter den 301 Studirenden, tvelche berücksichtigt wurden, waren 208 Studirende der Medici», 49 Hörer der Rechte, 6 Studirende der Philosophie, 26 Studirende der Technik, 3 Pharmaceuten, 7 Veterinäre und je ein Schüler der bildenden Künste und des Gewerbemuseums. Dem Valerlande nach waren: aus Wien 19, aus Niederösterreich 6, aus Ungarn 90, aus Galizien 78, aus Mähren 58, auS Böhmen 26, aus der Bukowina 5, aus österr. Schlesien 5, aus Croatien 4, aus Slavonien 3, aus Oberösterreich 2, aus Rumänien 1, aus Siebenbürgen 1, aus Rußland 2, aus Belgien 1. Sieht man auf diese Zahlen, so kann man sich der Verwunderung nicht entheben, daß aus den Provinzen, welche große Zahlen an Petenten liefern, zu den Mitteln des Vereins so gut wie gar nichts geleistet wird. Man schickt seine Söhne nach Wien und überläßt es den Wienern, für deren Bedürfnisse zu sorgen. Diese Erwägung kann und darf allerdings den Eifer der Männer, welche den Verein leiten und die Opferwilligkeit der Mitglieder und Spender nicht vermindern; aber der Vorwurf bleibt bestehen und wir wiederholen ihn auch in unserem Berichte, ob sich vielleicht ein und der andere wohlthätig Gesinnte in den Provinzen entschlösse, dem Vereine eine bedeutende Förderung von sich und seinen Freunden aus zukommeu zu lassen. Dänemark. Kopenhagen, 8. Oktober. Der König hat dem Oberrabbiner Prof. A. A. Wolff zu seinem 60jährigen Amts-