Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1888)
- Date
- 1888-10-18
- Page
- Seite 668 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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668 tion — Dr. Bambcrger-Königsberg — wegen Indisposition nur in kurzen Zügen vorgetragene Bericht wurde von der Versammlung auf das beifälligste ausgenommen und dem Berichterstatter sowie den übrigen Mitgliedern der Schulinspektion, welche diese Mühewaltung in selbstloser Weise übernommen, der Dank der Versammlung votirt. Den Bericht über die Königsbergcr Lehrerconferenz am 13. Febr. c., wie solcher von deren Schriftführer Herrn Dr. Wolffberg redigirt worden, trug das Mitglied der Schulinspektion Ahrenfeldt-Lötzen vor. Ein auf der Tagesordnung stehender Bericht des Verbandsvorstehers über die am 20. Februar d. I. in Berlin stattgefundene Generalversammlung des deutsch-israelitischen Gemeindebundes mußte ebenso wie ein Vortrag über „die Seelsorge im Zuchthause" wegen Abwesenheit der Referenten ausfallen. Auf den Antrag der gewählten Revisoren Rechtsanwalt Cohn-Tilsit und D. M. Jacoby - Bartenstein wurde die Berbandsrechnung für das Jahr 1887/88 dechargirt. Hierauf folgte eine eingehende Berathung des Verbandsetats für das Jahr 1888/89. Man war allseitig der Ansicht, daß der Schwerpunkt der Berbandsthätigkeit außer der Hebung und Förderung des Religionsunterrichtswesens in der Subventionirung derjenige» Gemeinden zu suchen sei, welche bei nachgewiescner eigener Opferbereitschaft dennoch außer Stande sind, das Nothwendigste zu leisten, wozu in erster Reihe die Anstellung qualificirter, das heißt seminaristisch gebildeter Lehrer gehöre, und daß, um das zu erreichen, nicht nur die laufenden Einnahmen zu verwenden, sondern gebotenenfalls auch die Kapitalbestände des Verbandes anzugreifen seien. Bei der Position „Beitrag zur Hilfskasse Danzig" wurde ein Antrag von Ahrenfeldt-Lötzen angenommen, dahin gehend, den Verbandsausschuß zu ersuchen, die Gemeindevorstände zu veranlassen, bei Engagement von Beamten es diesen als Bedingung aufzuerlegen, der gedachten Kasse beizutreten. In formaler Beziehung wurde auf den Antrag des Rechtsanwalts Gutfeld - Ortelsburg beschlossen, daß bei der Aufstellung künftiger Etats der verbleibende Bestand des abgelaufencn Rechnungsjahres als Einnahmeposten im nächsten Etat vorzutragen sei. Bei den hierauf folgenden Wahlen zum Ausschuß wurden die bisherigen Mitglieder: Davidsohn-Lötzen, Isaak Eichelbaum- Jnsterburg, A. Elösser-Jnsterburg, Julius Fürst-Königsberg, Rechtsanwalt Gutfeld -Ortelsburg, Heidemann - Bartenstein, Hertz-Gerdauen, Lukinski-Johannisburg, Joseph Simonsohn- Königsberg wieder- und Rechtsanwalt Cohn - Tilsit, Otto Eichelbaum-Jnsterburg und Kaminski-Rastenburg neugewählt. Der bisherige Verbandsvorsteher Elösser wurde sodann einstimmig wieder als solcher gewählt; ebenso die bisherigen Mitglieder des Schiedsgerichts Dr. Bamberger - Königsberg, Elösser-Jnsterburg und Rechtsanwalt GutfeldOrtelsburg, als Vertreter Isaak Siinonsohn-Allcnstein. Den Schluß der Verhandlungen bildete eine Anzahl von Mittheilungen aus den Verbandsgemeinden, an welche sich lebhafte Erörterungen schlossen. Nachdem Rechtsanwalt Hatzfeld dem Vorsitzenden für die umsichtige Leitung der Verhandlung sowie dem gesammten Bureau den Dank der Versammlung ausgesprochen, schloß der Vorsitzende gegen 7 Uhr die 8. ordentliche Generalversammlung. Den vierstündigen Verhandlungen schloß sich ein von den Bartensteiner Gemcindemitgliedern arrangirtes Festmahl an. Aus der reichen Zahl der Trinksprüche heben wir nur den ersten, den des Rechtsanwalts Cohn-Tilsit, in schwungreicher und erhebender Rede auf Kaiser Wilhelm II. ausgebrachten hervor, der bei allen Festtheilnehmern ein begeistertes Echo fand. — Wir wollen diesen Bericht nicht schließen, ohne unsere Ansicht dahin auszusprechen, daß auch diese Versammlung dazu beigetragen hat, allen Theilnehmern den hohen Werth der nun seit 8 Jahren bestehenden Vereinigung darzuthun. Leotschntz, 1. Oktober. (Privatmitth.) Als ein erfreuliches Zeichen des hier zwischen den verschiedenen Confessionen bestehenden friedlichen Einvernehmens berichte ich Folgendes: Am 28. v. M. fand zu Ehren des zum Direktor an das Erziehungs- und Waisenhaus zu Pankow bei Berlin berufenen von hier scheidenden Predigers, Herrn I. Grunwald ein Abschiedsmahl statt, an welchem nicht nur die Mitglieder hiesiger Gemeinde nahezu vollzählig, sondern auch die Spitzen der verschiedenen städtischen Behörden, der katholischen und evangelischen Geistlichkeit, das Ghmnasial-Collegium und andere Honoratioren Theil genommen haben. Herr Grunwald hinterläßt durch seine langjährige hiesige Wirksamkeit als Seelsorger und Religionslehrer, durch seine treue Hingabe zn seinem Berufe, durch seine liebenswürdigen Umgangsformen nicht nur in der Gemeinde, sondern bei der ganzen Bürgerschaft ein ehrendes Andenken. — Sein Scheiden wird in allen Kreisen aufrichtig bedauert. — Während der Tafel eröffnete den Reigen der Toaste Herr Grunwald, indem er die Liebe und Verehrung für Se. Majestät Kaiser Wilhelm II. zum Ausdruck brachte. — Ihm folgte Herr Commerzienrath Teichmann, welcher Namens der Gemeinde die Verdienste des Scheidenden pries, ihm die herzlichsten Segenswünsche auf seinen ferneren Lebenswegen mitgebend. — Herr Kaplan Mach sprach Herrn Grunwald im Namen des durch Krankheit am Erscheinen behinderten Herrn Kanonikus Dreßler den Dank dafür aus, daß er während seiner 12 jährigen hiesigen Thätigkeit den religiösen Frieden in den drei Confessionen, wie er seinesgleichen zu suchen ist, zu wahren gewußt hat. — Herr Superintendent Schultz gedachte der Worte, die am Tage seiner Einführung als Superintendent der hiesigen Diözöse Herr Grunewald zu ihm gesprochen. — Es gereiche ihm zur beson- - deren Freude, daß diese Worte in Erfüllung gegangen und