Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1888)
- Date
- 1888-10-18
- Page
- Seite 667 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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667 „In dem Synagogal-Geburtsregister der Stadt Oppeln findet sich unter „Geburtsregister für das Jahr 1840" in Hebräischer Currentschrist eingetragen: „Nr. 6 das Kind Isaak, Sohn des Lebe! Schnitzer, geboren an einem Sonntage, dem 24. des Monats Adar des Jahrrs der Welt 5600." In derselben Rubrik ist eine Notiz über die Beschneidung des späteren Afrikareisenden eingetragen. In dem Register der jüdischen Gemeinde des Magistrats in Oppeln findet sich dagegen vermerkt: „Eduard Schnitzer, geb. 29. März 1840, Sohn des Kaufmanns Louis Schnitzer." Der Vater hatte also seinen eigenen Vornamen „Lebet" in „Louis" und de» des künftigen „Emin" aus „Isaak" in „Eduard" modernisirt. Der Großvater Isaaks, Joseph Schnitzer, wanderte aus Krzepitz in Polen nach Oppeln ein." Kassel, 5. Oktober. In Hessen, wo die Antisemiten ihren Böckel für den Reichstag durchsetzten, der, einsam im Parlamente, eine sehr erfolglose Rolle spielt, will man sich auch für die Landtagswahlen von den Conservativen trennen. Ist es doch den Führern derselben nur daran gelegen, in eine parlamentarische Körperschaft zu kommen. Aus allgemeinen Interessen fließt dies nicht, denn sie wissen wohl, daß sie daselbst auf einen Erfolg auch nicht im Geringsten rechnen können. Die „Franks. Z." schreibt hierüber: Die Herren Antisemiten scheinen auch zu denken: „Wer nichts aus sich macht, ist nichts!" und so lassen sie sich es denn angelegen sein, zu allem ihren „Redesenf" zu geben, was nur irgend im öffentlichen Leben sich ereignet. Obgleich man sie hierorts längst als abgethan betrachtet und in ihrem unrühmlichen Thun und Lassen gewähren läßt, versuchen sie es fortgesetzt, sich mit dem Schein der Volksthümlichkeit zu umkleiden. Ihre Zusammenkünfte nennen sie in der Regel „große Volksversammlung". Wer aber ihren Bersammlungssaal auf Krauß' Felsenkeller kennt, der weiß ganz genau, was es mit der prahlerischen Bezeichnung „Große Volksversammlung" oder „Große Wahlversammlung" auf sich hat, selbst wenn der Raum bis aus den letzten Platz gefüllt ist. Für gestern Abend hatte der „Centralausschuß der deutschen Antisemitenpartei für Niedcrhcsscn und Waldeck" nun daselbst eine „große Wahlversammlung" anberaumt. Charakteristisch genug für diese sogenannte Wahlversammlung war es, daß als erster Gegenstand derselben auf der Tagesordnung „das sogenannte Tagebuch Kaiser Friedrich's" figurirte, über welchen sich Herr Max Liebermann von Sonnenberg in seiner mehr als zur Genüge bekannten Weise verbreitete. Am Schluffe seiner Rede bedeutete dann der Herr die Anwesenden, daß für Mittwoch Abend eine weitere antisemitische Versammlung in Aussicht genommen sei, in welcher der von den Antisemiten auf den Schild gehobene Candidat zum Abgeordnetenhaus, Herr Paul Förster, das Wort ergreifen werde. Und daher der Name „Große Wahlversammlung". Marburg, 5. Oktober. Als Candidaten zur bevorstehenden Landtagswahl sind im hiesigen Wahlkreis aufgestellt: seitens der Conservativen der seitherige Abgeordnete Amtsgerichtsrath von Stiernberg hier und seitens der Antisemiten der vor etwa einem halben Jahre — wohl hauptsächlich! zwecks Erlangung eines Landtagsmandats — hierhergezogene Salinendirektor a. D. Or. Winkler. Obgleich seit längeren Jahren der hiesige Wahlkreis Dank des Dreiklaffensystems durch die jeweiligen Landräthe conservativ im Landtag ver- : treten wurde, und obgleich v. Stiernberg sich bei der zur . Landtagswahl hier den Ausschlag gebenden Landbevölkerung! in seiner Stellung als Grundbuchrichter einer seltenen Bc-! liebtheit erfreut, scheint dessen Mandat bei der rührigen Agitation, welche die Antisemiten auf dem Laude betreiben, und bei der Thatsache, daß die Stimmung für die Conservativen wohl im Allgemeinen überall abgenommen hat, bedroht und es ist leicht möglich, daß aus Marburg, welches bereits den traurigen Ruhm besitzt, den ersten Antisemiten in den deutschen Reichstag gewählt zu haben, nun auch der erste Antisemit in den preußischen Landtag kommt. Bartcnstein, 3. Oktober. Am Sonntag, den 30. September, Nachmittags 3 Uhr, fand hier die achte ordentliche Generalversammlung des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens in den Lokalitäten des Herrn Mühlenbesitzers Meyer statt. Dieselbe war von Vertretern der Gemeinden Allenstein, Bartenstein, Gerdaucn, Insterburg, Johannisburg, Königsberg, Lötzen, Ortelsburg, Rastenburg und Tilsit besucht. Bei der Bildung des Bureaus wurde zum Vorsitzenden an Stelle des durch Krankheit am Erscheinen behinderten Vcrbandsvorstehers A. Elösser- Insterburg Isaak Eichelbaum-Jnsterburg, zu Beisitzern Samuel Magnus- Königsberg und Meyer-Bartensteiu, zu Schriftführern Klein- Königsberg und Amtsrichter Zörnick-Ortelsburg berufen. Nach einer herzlichen Begrüßung seitens des Vorstandsmitgliedes Heidemann Namens der Gemeinde Bartenstein wurde die Absendung eines Telegramms an den allseitig verehrten Berbandsvorstehcr Elösser beschlossen, das dem Bedauern über dessen Behinderung Ausdruck gab, und sodann in die eigentlichen Verhandlungen eingetreten. Zuvörderst wurde vom Schriftführer Klein der vom Verbandsvorsteher eingesandte Geschäftsbericht für 1887/88 nebst dem damit verbundenen Kassenbericht vorgetragen. An denselben knüpfte sich eine lebhafte Diskussion, und ein Antrag Magnus - Königsberg wurde angenommen, dahin gehend, daß der statutenmäßig alljährlich zu erstattende Bericht den Berbandsgemeindcn und persönlichen Mitgliedern bereits 14 Tage vor der General- Versammlung zugehen solle, damit Gelegenheit geboten sei, sich vor der Versammlung bereits genauer zu informiren, um etwa erforderlich scheinende Anträge, genügend motivirt, stellen zu können. — Der vom Vorsitzenden der Schulinspek- 42*