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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-10-18 · Heft 42 (18.10.1888) · p. Seite 665

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 42 (18.10.1888)
Date
1888-10-18
Page
Seite 665 (sequence 9)
Language
German
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665 das öffentliche Bewußtsein wieder glätten und vernünftigere und friedlichere Verhältnisse zwischen den Parteien und in der Tagespreffe sich wieder anbahnen werden, wer will dies Voraussagen? Das einzige Hilfsmittel wäre, wenn eben das öffentliche Bewußtsein wieder stärker erwachen und gegen jene Verwilderung reagiren würde. — Die „Kreuzzeitung" und „Der Reichsbote" greifen die Rede des Grafen Douglas erbittert an und sagen, daß er in tendenziöser Weise den Kaiser als „liberal und philosemitisch" darstellt. Man weiß, daß diese Blätter einen Jeden, der nicht antisemitisch ist, für einen Philosemiten erklären, wofür sie freilich in allen anderen Fällen einen viel drastischeren Ausdruck haben. — Die „Voss. Ztg." ist in der Lage, die 13 Bankfirmen nahmhaft zu machen. Es sind diese: 1) Direktion der Diskonto-Gesellschaft, 2) Bank für Handel und Industrie, 3) Dresdner Bank, 4) Berliner Handelsgesellschaft, 5) Nationalbank für Deutschland, 6) Rob. Warschauer u. Co., 7) Mendelssohn u. Co., 8) F. W. Krause, 9) Mitteldeutsche Creditbank, 10) Hardt u. Co., 11) Deutsche Bank, 12) Anhalt u. Wagner Nchfg., 13) Gebr. Schickler. — Die, welche mit den Persönlichkeiten bekannt sind, wissen, wer von diesen Direktoren und Bankiers der jüdischen Religion angehören.1 — Die Versammlung bei Herrn von Dechend kommt! noch immer nicht zur Ruhe. Die „Voss. Zeitung" bringt > hierüber Folgendes: j Der „Reichsbote" des Herrn Stöcker begleitet das tion, uns mittgetheilte Verzeichniß der dreizehn Bankfirmen, bie vom Präsidenten der Reichsbank zu Zeichnungen für den „Evangelisch'.kirchlichen Hilfsverein" in Berlin aufgefordert worden sind mit der Bemerkung: Hiernach war also unsere Annahme, daß Herr von; Dechend keine jüdischen Firmen zu den Zeichnungen für bie j Stadtmission aufgefordert habe, richtig; denn die Inhaber | oder Direktoren der oben genannten Firmen sind (S^riften. Die Wahrheit ist, daß das Berzeichniß im Gegentheil die Annahme des „Reichsb.", als seien nur Christen zu Beiträgen für die Zwecke der Stadtmission aufgefordert worden, als falsch widerlegt. Abgesehen davon, daß einzelne der genannten Firmen überhaupt keine christlichen Direktoren oder Inhaber besitzen, waren unter den bei Herrn von Dechend versammelten Vertretern der Firmen (mir erwähnen nur diejenigen der „Nationalbank für Deutschland", der „Dresdner Bank" und der „Berliner Handelsgesellschaft") unzweifelhaft auch Juden erschienen. Ueberdies aber hatte Herr v. Dechend auch an ein bekanntes hiesiges erstes Bankhaus, das gleichfalls unter jüdischer Leitung steht, dieselbe Einladung ergehen lassen, der von dieser Seite indeß keine Folge gegeben wurde. Die Fiktion des „Reichsb." ist mithin eine völlig hinfällige. Wie übrigens als sicher verlautet, wird die Angelegenheit auch in den unter christlicher Leitung stehenden betheiligten Banken nicht überall ohne Folgen bleiben, wenngleich über die bereits angerufene Entschließung der betreffenden Aufsichtsorgane Näheres noch nicht bekannt ist. — Wenn sich in Berlin die Conservativen und Nationalliberalen um die Candidatur Stöckers entzweien, so ist dies in der That von keiner besonderen Bedeutung. Denn unter den Candidaten der Conservativen fcefinbcu sich anderweitig die krassesten Antisemiten. So haben sie im Stadtkreis Brandenburg den Di-. Kropatscheck, den Verfasser der jüngsten Hetzartikel der Kreuzzeitung; in Teltow und Stadtkreis Charlottenburg Cremer und Wolfs u. A. m. ausgestellt. — Man wird sich erinnern, daß hier ein Verein sich gebildet unter dem Namen Esra, mit dem Zweck, die Colonisation in Palästina zu unterstützen. Der vor Kurzem ausgegebene Jahresbericht für 1887 zeigt, daß der Verein statt 1000 Mark im Jahre 1886 in diesem Jahre 1500 Mark der jüdischen Colonte „Jessnd-Hamaaloh" spenden konnte, welche zur Anschaffung von Vieh und Herstellung von Gebäuden verwendet werden sollten. Was uns auffällt ist, daß der Verein bei einer Summe von 1500 M. für die Verwaltung des Vereins M. 497,50 verausgabt, was bei der Geringfügigkeit des erzielten Resultats viel zu viel ist. Berlin, 9. Oetober. Die neueste „Criminalstatistik" sondert die in Deutschland im Jahre 1886 wegen Verbrechen und Vergehen gegen Reichsgesetze verurtheilten Personen nach ihrer Religion. Cs ergiebt sich hierbei, daß verurtheilt sind: 202,749 (1885 195,220) Evangelische, 140,755 (1885 138,560) Katholiken, 294 (267) sonstige Christen, 3399 (3241) Inden und 5803 (5799) Personen unermittelter Religion. Es kamen demnach auf 100 Berurtheilte 57,4 Evangelische, 39,3 Katholiken, 0,1 sonstige Christen, 1,0 Juden und 1,6 Personen unermittelter Religion, wahrend unter 100 Personen der Gesammtbevölkeruug sich befanden 62,7 Evangelische, 35,8 Katholiken, 0,3 sonstige Christen, 1,2 Inden und 0,02 Unermittelte. Es zeigt sich also, daß die Katholiken unter den Criminellen ganz hervorragend vertreten sind. Dies ergiebt noch deutlicher folgender Bergleich: auf 100,000 Einwohner kommen Berurtheilte überhaupt 742 (1883 746, 1882 710), jedoch bei den Evangelischen 690 (1885 670, 1882 675), bei den Katholiken 838 (1885 830, 1882 773), bei den Juden 603 (1885 561, 1882 617). Aus diesen Zahlen geht hervor, daß die Juden unter allen Confessionen das geringste Contingent zu den Verurtheilten stellten, beträchtlich unter der Durchschnittszahl, die nach der Bevölkerung auf sie käme. Was die einzelnen Arten von Delicteu betrifft, so fällt besonders den Juden Bankerott und betrügerische Handelsspecnlationen zur Last, wobei eben in Betracht zu ziehen ist, daß die Juden in einem viel größeren Maße als die Bekenner der anderen Confessionen Kanf- 42

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