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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-10-18 · Heft 42 (18.10.1888) · p. Seite 662

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 42 (18.10.1888)
Date
1888-10-18
Page
Seite 662 (sequence 6)
Language
German
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662 daß trotz alledem auch der Islam seinem Bekenner Pflichten der Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit auferlegt. Das Almosengeben, die Herstellung von Brunnen, Karawansereien, Hospitälern u. s. w. sind Gott gefällige Handlungen, die zum Theil vom Gesetze gefordert, zum Theil dem freien Willen überlassen sind. Wir haben gesagt, daß die Religion Israels sich von jenen zwei Gegensätzen, zu welchen ihre beiden Töchterreligionen gelangten, fern gehalten. Die Religion Israels war es, welche zu ihreni Fundamental- und zum Bekenntnißsatze ihrer Anhänger machte: "iiin 'n „der Ewige ist einzig und einigI"1) Sie erklärte das Wesen Gottes als das unveränderliche, absolute Sein (mVin ithn), was sie in den Gottesnamen 'n zusammendrängte. In der Unendlichkeit seines Wesens und Wollens wies sie streng Alles ab, was Gott in beschränkter körperlicher Vor- und Darstellung andeuten könnte. Sie erkannte in ihm aber auch die Vollkommenheit, die einheitliche Vollendung aller sittlichen Eigenschaften und nannte ihn deshalb den „Allerheiligsten". Dann aber schrieb sie Gott die Unmittelbarkeit zum Menschen zu, nicht bloß als Schöpfer und Erhalter nach den von ihm eingesenkten Naturgesetzen, sondern als Vorsehung und Vergeltung in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Endlich lehrte sie, daß der Mensch geschaffen sei im Ebenbilde Gottes, im Bewußtsein seines Ich und des ihn umgebenden Alls, im Bewußtsein des Guten und Bösen, also seiner Beziehungen zu Gott und seinen Nebenmenschen, ja Nebenwesen, und stellte ihm als höchste Bestimmung die „Heiligung wie Gott heilig ist", also in Nacheiferung göttlicher Eigenschaften, in Erfüllung des Willens Gottes, welche Heiligung in den beiden Grundsätzen enthalten ist: „Liebe den Ewigen deinen Gott von ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen" und „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." — Diese Stellung des Judenthums inmitten aller welthistorischen religiösen Erscheinungen muß erkannt und anerkannt werden. Darum haben wir den Islam als Gegenbild nach den Quelle» und besten Hilfsmitteln dargestellt. Brünn, im October. Hebet unseren Religions-Unterricht an den Mittelschulen (Gymnasien) in Oesterreich. Von Dr. Max Grünfeld. III.2) In sehr flüchtiger Skizze haben wir uns in den beiden ersten Artikeln über das Problem des mosaischen Religions- 1) Im Anschluß und Nachbildung hiervon legte der Islam aus die Lippen seiner Bekenner den Satz: 1-0 illaheh illalah, d. h.: ..Es ist kein Gott außer Gott!" 2) Siehe Nr. 39, 40. Unterrichtes und über den Gegenstand desselben ausgesprochen Einige Worte wollen wir über diesen didactischen Theil noch hinzufügen, bevor wir über die mehr äußerlichen Momente der Stellung des mosaischen Religionslehrers im Lehrkörper, über das Ausmaß seiner Unterrichtsstunden u. s. w. reden. Gestehen wir es nur, zu dieser deutlicheren Fixirung unseres Standpunktes sind wir durch das Nachwort der verehrlichen Redaction veranlaßt worden, über welches wir doch nicht ganz stillschweigend hinweggehen können. Nun sind auch wir der Ansicht, daß der Religionslehrer die Grundelemente unseres Glaubens der Jugend namentlich in den unteren Classen2) beizubringen trachten müsse, d. i. den allgemein menschlichen Gehalt unserer Religion vollkommen klar der Jugend darzulegen. Nur soll dies nicht ans Grund eines Katechismus geschehen, dies namentlich wollen wir verhindert sehen. Besonders die Bibelleetüre in jener Weise behandelt, wie wir es in unserem zweiten Artikel darstellten, soll dazu dienen, an lebenden Beispielen die Grundgedanken des Jndenthums in die Herzen der jungen Leute zu verpflanzen. Mit ande^ ren Worten: unser Religionsbuch soll und muß die Bibel sein. Was aber den geschichtlichen Theil unseres Gegenstandes anlangt, so können wir es ja mit gutem Gewissen behaupten, daß kein anderes Wissensgebiet uns das Walten einer gerechten und milden Vorsehung zugleich in so hellem Lichte zeigt, wie die Geschichte unseres Volkes. Indem der verständige Lehrer von diesen Gesichtspunkten aus die Geschichte Israels den Schülern vorführt, erkennen dieselben an den einzigen Geschicken dieses kleinsten und doch größten unter allen Völkern das Walten der Macht Gottes, die reine Gotteserkenntniß wird durch diese Beispiele in die jugendlichen Gemüther verpflanzt und sie werden zur wahren Frömmigkeit angeleitet. Was ein lebendiger Vortrag der Geschichte unseres Volkes vermag, wie sehr er das religiöse Gefühl zu steigern im Stande ist, darüber wird gar mancher Lehrer Erfahrungen zu sammeln vermocht haben. — Noch etwas zur Frage der Schulbücher. Daß es vorzügliche Bücher giebt, welche unseren Gegenstand behandeln, daran haben wir nie gezmeifelt, das wissen wir. Leider kann man nur dies nicht von den meisten Büchern behaupten, die bei uns in Oesterreich eingeführt sind. Man erspare es mir, Namen zu nennen. Tenn, wenn irgendwo, so sind auf diesem Gebiete nomiau oäiosu. 2) Hierin liegt der Unterschied — wir meinen, gerade in den oberen Classen muß der Religionsunterricht wesentlich systematisch, in den unteren geschichtlicher Art sein, ohne daß hiermit die Fortsetzung der Geschichte in den oberen Classen ausgeschlossen wäre. Sicherlich ist die Bibelleetüre in der Ursprache — diese meint doch der Herr Correspondent — höchst wichtig. Allein hier hat der Schüler noch zu viel mit der Sprache zu kämpfen, um mit dieser Lectüre die Unterweisung in der Religions'.ehre und das Ceremonialgesetz ausführlich schließen zu können. Abgesehen von diesem Differenzpunkt, können wir die Bemerkungen und Rathschlüge des Herrn Correspondenten aufmerksamer Berücksichtigung nur empfehlen. Redaction.

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