Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-10-18 · Heft 42 (18.10.1888) · p. Seite 660

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 42 (18.10.1888)
Date
1888-10-18
Page
Seite 660 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227717-3227760--45683-3265211
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

660 resultatlos verlaufen, dies auch hier der Fall wäre, und mindestens würde dieses Resultat erzielt werden, daß sich die Ansichten klären und mancher unbesonnene Schritt unterlassen würde. Wie natürlich, müßten religiöse Fragen ganz wegbleiben, um nicht von vornherein eine Spaltung in die Versammlung zu bringen. Hier handelt es sich um ein nny' bh und jeder n::r 22^ soll nntrathen. Es soll durchaus kein Parteitag sein und daher auch Niemand ausgeschlossen werden. Dies mit wenigen Worten mein Vorschlag, der durchaus auf Neuheit keinen Anspruch macht; falls er sich des Beifalls erfreut, so kann dann das Weitere berathen und ausgeführt werden. Vielleicht wollen Sie, Herr Redacteur, Ihr Gutachten auf Grund der großen Erfahrungen, die Sie gesammelt haben, über diese Angelegenheit abgeben und gestatten, daß auch Andere in Ihrer geehrten Zeitung über dieselbe sich auslassen. Da es sich hier um ein Gesammtinteresse der Juden handelt, wäre es wünschenswerth, daß sämmtliche jüdische Zeitschriften ohne Unterschied der Partei diesen Vorschlag reproducirten und zu demselben Stellung nähmen. Ich halte es übrigens für meine Pflicht, Folgendes hinzuzufügen. Ich hörte nämlich eine Einwendung gegen diesen Vorschlag, daß es besser sei, wenn Christen für uns eintreten, als wenn wir selbst unsere Sache führen. Man stellte mir ferner vor, von welcher Bedeutung es wäre, daß der Statthalter von Niederösterreich, Freiherr v. Possinger, jüngst im niederösterreichischen Landtage wahrhafte Keulenschläge gegen die Antisemiten geführt. Da ich jedoch die Leser nicht präoccupiren will, so enthalte ich mich dessen, ihnen meine Ansicht über diese Einwendung mitzutheilen. Nachwort der Redaction. Sehr gern werden wir weiteren Besprechungen dieses „Vorschlages" in unserer Zeitung Raum geben. Was unsrere Meinung betrifft, so ist uns zwar der Vorschlag sympathisch, allein es müßten zuvor zwei Vorbedingungen erfüllt sein: 1) es müßte sich ein Comito aus befähigten und würdigen Männern zu solchem Zwecke gebildet haben; 2) es müßte ein Programm vorbereitet sein. Wir brauchen nicht erst darzulegen, daß ohne die genügende Erfüllung dieser beiden Vorbedingungen sich nichts anfangen läßt. Zur Entwerfung dieses Programms würde wohl unser geehrter Mitarbeiter, Herr Dr. Wolf, sich am ehesten entschließen._ ÄUS der vergleichenden Religionswissenschaft, v. Warum sprechen wir hier über den Islam? Die äußeren Motive haben wir am Anfang von Nr. III. angegeben. Aber es besteht noch ein tieferer, innerer Grund. i In der Lehre von Gott, wie ihn die verschiedenen Religionen aufstellen, giebt es einen Gegensatz. Die eine erj hebt Gott in der Unendlichkeit seines Wesens und Könnens j zu solcher unermeßlichen, allem Menschlichen unendlich ent-! rückten Höhe, daß der Mensch, allem Göttlichen entzogen, ein! willenloses Geschöpf ist, welches nur Gesetzen unterworfen ist! und unbedingten Gehorsam leisten muß. Die andere dagegen vermenschlicht Gott, zieht ihn in die Empfindungsweisen des Menschen so sehr hinein, daß er wie ein sentimentales Wesen j erscheint und, um seiner Majestät nicht ganz entkleidet zu ' werden, der Zwischenstufen und Vermittler bedarf. Es muß um erkannt und anerkannt werden, daß die Religion Israels > beiden Gegensätzen fremd ist, so daß ihr Gottesbegriff ebenso : den Verstand wie das Herz befriedigt und den reinen Mo- ‘ notheismus für alle Zeiten aufrecht erhalten hat. Hierüber : später. — Ten ersten Gegensatz stellt der Islam dar. Man; hat in neuerer Zeit behaupten wollen, daß dieser den Fata- 5 lismus, den man in ihm ausgesprochen fand, gar nicht enthalte, da ja der Koran auch von Belohnung und Bestrafung | auch im Jenseits spreche, also eine Verantwortlichkeit und die Willensfreiheit des Menschen voraussetzt, wie auch Mohamed; über Gerechte und Sünder sich ausläßt. Jndeß dergleichen; Widersprüche wußte Mohamed in seinen zerstreuten und in j oft langen Zwischenräumen gegebenen Verkündigungen nicht zu vermeiden, da er kein selbständiger Denker war, sondern augenblicklichen Eingebungen und Situationen folgte. Es kommt vielmehr darauf an, wohin der Islam in seiner Entwickelung und systematischen Ausgestaltung gelangt ist. Allerdings haben einige der islamitischen religionsphilosophischen Schulen und die Secte der Schiiten sich an die zuletzt erwähnten Sentenzen Mohamed's angeschlossen und die Borausbestimmung durch das Borauswissen erklärt. Aber seit Jahrhunderten sind diese Schulen durch den orthodoxen Islam unterdrückt und die angeführte Secte befaßt nur einen geringen Theil der mohamedanischen Welt. Das Dogma der Prädestination bildet den wesentlichen Inhalt des zweiten Theiles der islamitischen Dogmatik Edolet. Es stützt sich auf folgende Verse des Koran: Sure 17, V. 14 lautet: „Einem jeden Menschen haben wir (Gott) sein Schicksal unwiderruflich bestimmt. Wir haben ihm seinen Vogel an den Hals gebunden." Sure 37, B. 92: „Gott hat erschaffen sowohl euch wie Alles, was ihr thut." Sure 2, V. 203: „Gott leitet auf den richtigsten Weg, wen er will." (Vergl. Sure 17, 99; 3; 4; 5; 6/150; 7, 184; 2, 274; 87, 3; 42, 612.) Ferner Sure 2, V. 6: „Gott hat der Ungläubigen Herzen und Ohren versiegelt; eine Decke hält ihr Gesicht verschlossen; ein schweres Gericht wartet ihrer." Sure 6, V. 3t": „ Gott führt in den Jrrthum, wen er will, und wen er will, den leitet er auf den rechten Weg." V.112: „Und wen Gott zu leiten beschlossen hat, dessen Brust wird er erwei-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.