Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1888)
- Date
- 1888-10-11
- Page
- Seite 653 (sequence 13)
- Language
- German
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653 er noch zurückzulegen hat, stellt er unter den Pflichten, welche seine Mission ihm auferlegt, diejenige am höchsten, welche darin besieht, die nothwendigen weltlichen Kenntnisse zu erlangen, um mit Erfolg das Wort Gottes zu predigen. Nachdem er seine fünf reglementsmäßigen Studienjahre vollendet hatte, kam er beim Consiftorium um eine Verlängerung seines Verbleibens in der Schule ein, um sich noch zu vervollkommnen. Diese konnte ihm nicht gewährt werden. Diese Enttäuschung war ihm sehr empfindlich. „Ich sah", sagte er in seinem Briefe vom 24. Januar 1836, den wir ganz wiedergeben möchten, „den Traum der Erfüllung meines Glückes verfliegen, meine Hoffnungen verblühen und eine nach der anderen fallen". Aber der große Gott, welcher stets denen sein Ohr leiht, die ihn anrufen, sandte ihm einen neuen Beschützer, Herrn Cromieux, dessen Unterstützung es ihm möglich machte, seine Studien zu vollenden. Aber dann, wenn auch sein vergangenes Leben von Glück durchwebt gewesen, erscheint ihm die Zukunft sehr düster. Keine Rabbinerstelle ist unbesetzt; er weiß nicht, wohin er sich wenden soll, als er den Boden der Schule verlassen hat; er zittert davor, seinen Eltern wieder zur Last zu fallen; in einem Alter, wo man ihr Geschick erheitern sollte, wäre dies zu peinlich für das Herz eines jungen Mannes. Es fehlt mir glücklicherweise weder an Willen noch an Glauben: die Religion, welche der Aufklärung des Jahrhunderts nicht unzugänglich ist, wird immer die Standarte sein, an die ich mich mit Kraft und Stärke halten werde. Eine neue Enttäuschung erwartete ihn, als er beim 33er-; lassen der Schule im September 1836 die Examen machte:! das Reglement, betreffs der Erlangung des Rabbinerdiploms,! forderte, daß der Candidat wenigstens fünfundzwanzig Jahre! zähle. Nun, da Isidor zu dieser Zeit nur dreiundzwanzig und ein halbes Jahr alt war, konnte er das Diplom nicht erlangen. Trotz seiner Bitten, trotz seiner Klagen glaubte das Centralconsistorium die Bestimmungen des Reglements nicht ändern zu dürfen. Er zog sich nach Jngviller zurück! und dort lebte er in drückender Ungewißheit, ohne zu wissen was vorging, so sagte er, in einem Dorfe verbannt und zur; Unthätigkeit gezwungen; er schrieb an das Consistorium: „Sie' haben mir das geistige Leben gegeben, erleichtern Sie auch j mein physisches Leben." Seine Bitte konme nicht erhört wer-! den. Er erhielt sein Diplom erst im Jahre 1838 und wurde! dann zum Rabbiner in Pfalzburg ernannt. j In dem Jahre, das seiner Berufung folgte, im Monat December 1839 fand das bekannte Ereigniß mit dem Eide! more judaieo statt, das in Saverne so viel Aufsehen erregte und das in der Erinnerung Aller fest eingegraben geblieben. Wir wollen hier nur daran erinnern, daß der Rabbiner von; Pfalzburg sich diesem Gewaltsakte gegen unsre Rechte als! französische Bürger mit so großer Festigkeit, mit solchem religiösen Eifer entgegensetzte, daß ihm ein Proceß gemacht wurde, weil er verweigert hatte, den Eid abzunehmen. Croinieux, der damals Bice-Präsident des Centraleonsistoriums und Advoeat am königlichen Gerichtshöfe war, blieb sein Beschützer und Freund. Er kam auf den Ruf des Herrn Isidor, plaidirte vor dem Tribunal von Saverne und trug einen vollständigen Sieg davon. Isidor wurde freigesprochen und der Eid konnte nicht auferlegt werden. Bei dieser Gelegenheit überreichten die Mitglieder des Consistoriums von Paris im Fahre 1840 Cromieux eine goldene Medaille, welche sie aus eigenen Mitteln Herstellen ließen, glücklich ihm ihre Dankbarkeit zu bezeugen für seine Plaidoyers gegen den Eid inore juclaico. Dieses Ereigniß trug, wie man denken kann, nicht wenig dazu bei, die Bande noch enger zu knüpfen, welche Isidor mit Cremieux vereinigten. Der berühmte Advoeat verlor in der That den ehrenhaften Rabbiner von Pfalzburg nicht außer Augen und bei jeder Gelegenheit suchte er ihn zu fördern. Auf seinen Rath hin bat Isidor im Jahre 1841 um die Erlaubniß und erhielt sie auch, im Tempel von Paris während des Schebuothfestes zu predigen. Er bestand diese Probe ohne Furcht. Er hatte einen glänzenden Erfolg. Sein ergreifendes Wort, das die Menge anregte, mußte einen um so größeren Eindruck machen, als die Kanzel zu jener Zeit zu oft leer blieb. Das Consistorium richtete seine lebhaftesten Glückwünsche an ihn und drückte den Wunsch aus, seine Rede dem Drucke zu übergeben. Isidor verbarg nicht das Gefühl gerechten Stolzes, mit welchem dieser merkwürdige Erfolg ihn erfüllte und noch an demselben Tage übergab er der Buchdruckerei Wittensheim das Manuscript seiner Predigt, ganz glücklich, den Druck und die Correcturen zu überwachen. Es war dies eine vorzügliche Vorbereitung für den Kampf, welcher sich betreffs der Wahl eines Großrabbiners zu Paris entspinnen sollte. Zwei Jahre darauf wurde H. Marchand Eunery zum Großrabbiner des Centralcousistorinms ernannt und das Großrabbinat des Seinedepartements wurde vacant. Die Pariser Israeliten jener Zeit haben den Enthusiasmus nicht vergessen können, der damals in der Gemeinde herrschte, die Leidenschaft und die Aufregung der Geister. Sechs Candidaten traten damals auf, von denen aber nur zwei, Isidor und Charleville, verblieben. (Fortsetzung folgt.) Die Juden in Indien. Unter diesem Titel veröffentlicht Emil Schlagint weit im Septemberhefte der „Westermannffchen Monatsschrift" einen sehr interessanten Aufsatz, welcher sich auf Ermittelungen, die