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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-10-11 · Heft 41 (11.10.1888) · p. Seite 651

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 41 (11.10.1888)
Date
1888-10-11
Page
Seite 651 (sequence 11)
Language
German
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651 öfters mit Auszeichnungen begnadigt hat, den Jubilar mit einer Anerkennung beehren. L. (Auch wir begrüßen den ehrwürdigen verdienstvollen Jubilar, den Nestor der gegenwärtig fungirenden Rabbiner, mit den herzlichsten Glückwünschen und dem Ausdruck aufrichtigster Anerkennung und Verehrung. Schon am Beginn des Jahres 1835 erfreuten wir uns einer Correspondenz mit ihm und gaben int zweiten Bande unseres „Israelitischen Predigt- und Schulmagazins" Berichte „über die Synagogenordnung der Gemeinde zu Kopenhagen", welche Reform des Gottesdienstes von vr. A. A. Wolff, früherem Rabbiner zu Gießen (1826—29), ins Werk gesetzt worden war. Für die Israeliten Dänemarks war sein Wirken von größtem Erfolg und von allgemeinem Werthe ist seine Arbeit über die Piutim, welche wir durch das Institut zur Förderung der isr. Literatur veröffentlichten. Als Kanzelredner zeichnete er sich in dänischer wie in deutscher Sprache aus. Möge es der Vorsehung gefallen, ihn dem Judenthume und seiner Gemeinde noch lange zu erhalten! Redaktion.) Rumänien. Bukarest, 1. October. (Privatmitth.) Bis jetzt sind die Hoffnungen, welche die durch die frühere, sogenannte nationalliberale, zwölfjährige Regierung Bratiano's so tief niedergedrückte jüdische Bevölkerung auf das Regiment Rosetti's setzt, weder wesentlich erfüllt noch getäuscht worden. Jüngst sind zwei Wahlaufrufe für die bevorstehenden Wahlen eines neuen Abgeordnetenhauses erschienen. Der eine von der Partei des gestürzten Bratiano wagt es sogar, es dem verflossenen Regime zur Ehre anzurechnen, daß es gegen die Bestimmung des Berliner Congresses die Gleichberechtigung der Juden beseitigt und sie dem bittersten Drucke unterworfen und so den europäischen Großmächten Trotz geboten habe! Es war dies keine Heldenthat, denn Bratiano wußte, daß keine der Großmächte gesonnen und in der Lage war, für diese Bestimmung der Congreßacte den Rumänen den Krieg zu erklären, ja nicht einmal zu einer Repressivmaßregel zu greifen. Bewarben sich ja doch damals mehrere Großmächte um die Freundschaft Rumäniens, und diejenigen unter ihnen, welche früher einen Druck in dieser Richtung auf Rumänien geübt, England und Frankreich, hatten ihren Einfluß verloren. Diesem Wahlaufruf der Bratianischen Partei trat der der gegenwärtigen Regierung entgegen. Der hohen Politik sei nun genug geschehen, und der ganze Eifer müsse sich auf die sehr dringlichen Reformen im Innern richten. Eine ganze Reihe solcher Reformen in der Verwaltung, in der Justiz, in der Gewerbeordnung und ganz besonders in den agrarischen Verhältntssen sind in dem Wahlaufruf aufgeführt. Die Verbesserung der Lage der Israeliten, lie Anerkennung ihrer, durch die Congreßacte verbürgten Gleichberechtigung wird allerdings nicht erwähnt. Doch darf uns dies nicht Niederschlagen, denn allerdings wäre dieses Moment geeignet, von den Gegnern der Regierung zur Wiedererweckung von Leidenschaften, zum Neubeginn von Hetzereien den Anhalt zu geben. Wir hoffen vielmehr, daß die neue Regierung durch ihre Fortschritte in den inneren Verhältnissen folgerichtig auch auf die Lage der israelitischen Staatsangehörigen kommen und die reformatorische Hand an diese legen muß. Die nächste Zukunft wird uns darüber belehren. Schlimmer als es ist, kann es nicht werden. Palästina. Aus Palästina, im September. Die Gesammtzahl der jüdischen Bevölkerung in Palästina beläuft sich nach der neuesten Zählung auf 35,000 Seelen, davon wohnen in Jerusalem 20,000, in Safet 6000, in Tiberias 3000, in Jaffa 2000, in Hebron, Sidon und Chaifa je 1000. Bonn, 7. October. (Notizen.) Man schreibt aus Frankfurt a. M.: Herr vr. Joseph Goldschmidt, Lehrer an der Realschule der Israel. Religionsgesellschaft dahier, hat einen Ruf als Director an die jüdische höhere Bürgerschule in Hamburg erhalten und angenommen. — Am 30. Sept. feierte in Berlin Herr Gerson von Bleichröder das 50jährige Jubiläum als Chef der Weltfirma. Es versammelte sich dazu Alles, was in Berlin in Finanz hervorragt. Das Nähere haben wir hier nicht mitzutheilen, da weder die jüdische Gemeinde, noch Wissenschaft und Kunst dabei betheiligt waren. Der Jubilar hat bei dieser Veranlassung eine Art Lebensversicherung für die Diener der Firma gestiftet, von sonstigen Wohlthätigkeitshandlungen hat man nichts gehört. Es giebt eben unter den Finanzgrößen nicht viele Moritz Simons! — Die Antisemiten nehmen überall ihre Zuflucht zu Pöbelaufläufen und Gewaltthätigkeiten. Man schreibt aus Paris vom 26. Sept.: Ein junger Russe predigte vorgestern gegen 10 Uhr Abends auf offener Straße in der Rue Rivoli den Kreuzzug gegen die Juden und forderte die ungefähr 300 Köpfe starke Menge auf, den in der Nähe gelegenen Saal der israelitischen Vorlesungen zu stürmen und die Juden daraus mit Gewalt zu vertreiben. Der Hetzer wurde schließlich festgenommen, da die fanatische Menge drohte, die Worte gegen die Juden in Thaten zu übersetzen. (Das Letztere ist doch noch fraglich; der Russe hat offenbar den für seine Thätigkeit geeigneten Platz verkannt.) — Aus St. Louis (Amerika) wird uns geschrieben: Die neuerbaute Synagoge der hiesigen Gemeinde „Temple Israel" wurde Freitag, den 31. August durch den Rabbiner S. H. Sonneschein in feierlicher Weise eingeweiht. 41*

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