Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1888)
- Date
- 1888-10-04
- Page
- Seite 629 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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629 keinen Gott. Er ist der Lebendige, der Ewige. Ihn ergreifet nicht Schlaf, nicht Schlummer. Sein ist, was im Himmel, sein ist, was auf Erden. Wer kann bei ihm Vermittler sein, ohne seinen Willen? Er weiß, was da war und was da sein man die Einwohner leben lassen. Nach diesen Grundsätzen handelten auch die ersten Vorkämpfer des Islams, und man darf daher die Greuel, die auf den Siegeszügen der Mohamedaner später geschahen, nicht dem Islam, sondern den wird, und die Menschen begreifen seine Allwissenheit nur inj Nationalitäten anrechnen, welche in der islamitischen Welt sofern, als er will. Ueber Himmel und Erve ist sein Thron j nach Verdrängung der Araber in den Vordergrund traten, ausgedehnt, und die Ueberwachung Beider ist ihm keine Bürde. j namentlich den Türken. (Fortsetzung folgt.) Er ist ja der Erhabene und Mächtige. Zwinget keinen zum Glauben, da ja die wahre Lehre von der falschen deutlich und klar unterschieden ist. Wer den Tagut (d. i. niya Jrrthümer) verleugnet und an Gott glaubt, der hält sich an eine Stütze, die nimmer zerbricht. Gott ist der Alles Hörende und Alles Wissende. Gott ist der Beschützer der Gläubigen; er führet sie aus der Finsterniß an's Licht. Der Ungläubigen Beschützer aber ist Tagut; er führt sie aus dem Lichte in die Finsterniß. Sie gehören zur Gesellschaft des Höllenfeuers und ewig werden sie darin verbleiben." — Schon früher heißt es: „Weißt du denn nicht, daß Gott allmächtig ist? Oder weißt du nicht, daß er ist Beherrscher des Himmels und der Erde und ihr außer ihm keinen Beschützer und Helfer habt?" — Dies ist die Grundlage der islamitischen Gottes lehre, welche, wie man voraussetzen wird, noch einer weiteren Entwickelung entgegenging, was wir später in Betracht ziehen werden. Wo sich Mohamed über sich selbst und seine Interessen zu seiner Anerkennung als höchster Prophet erhebt, gelangt er auch zu einer richtigen Erkenntniß eines ethischen Fundamentes. So sagt er in derselben Sure: „Die Gerechtigkeit besteht nicht darin, daß ihr das Gesicht nach Osten oder Westen (beim Gebete) richtet, sonder» Der ist gerecht, der an Gott glaubt, und an den jüngsten Tag und an die Engel und an die Schrift und die Propheten und mit Liebe von seinem Vermögen giebt den Anverwandten, Waisen und Armen und Pilgern, überhaupt Jedem, der darum bittet; der Gefangene löset, das Gebet verrichtet, Almosen spendet, der da festhält an eingegangenen Verträgen, der geduldig Noth und Unglück und Kriegsgefahr erträgt; Der ist gerecht, Der ist wahrhaft gottesfürchtig." So sagt er auch: „Sicherlich werden alle Die, welche der jüdischen Religion angehören, sowie die Christen, mit einem Worte alle Die, welche an Gott glauben, und gute Werke gethan haben, vom Herrn belohnt werden. Die Furcht wird sich nicht auf sie niederlassen und sie iverden nicht betrübt sein." Selbst den Zwang, zum Islam überzutreten, verbot er, da ja „der wahre Weg vom falschen sich genügend unterscheide." Daß auch dieser Grundsatz nicht bestehen blieb, ist bekannt. Es wurde Grundsatz des islamitischen Rechtes, daß wenn in einem Lande oder einer Stadt man sich den islamitischen Waffen entgegenstelle, alle-Männer niedergemetzelt werden sollen, ob bewaffnet oder . U.S- Nr. 39 und unser Nachwort. Zum richtige» Berständniß , " . des Folgenden bemerken wir, daß in den osterrerchlschen Schulen die unbewaffnet; nur da, wo man stch freiwillig unterwarf, sollte Klassen von unten mit eins ansangen. Red. Brünn, im September. Ueber unseren Religions-Unterricht an den Mittelschulen (Gymnasien) in Oesterreich. Von Dr. Max Grünseld. II. Geschichtsunterricht als Grundlage auch für die Moral und die Lehre vom Ritus des Judenthums haben wir in einem ersten Artikel als das Wesentliche des jüdischen Religionsunterrichtes bezeichnet. *) Bibellectüre soll der zweite Grundpfeiler desselben sein. Wie aber soll die Bibellectüre getrieben werden? Nur die Pädagogik als Wissenschaft kann diese Frage beantworten. Zwei Richtungen sind es, welche bei der Bibellectüre parallel nebeneinander herlaufen: die sprachliche und ethische. Nach der streng sprachlichen Seite hin an unseren Mittelschulen die Bibellectüre zu betreiben, wird vorläufig zu den Unmöglichkeiten gehören. Denn wollten wir das Lesen der Bibel etwa so betreiben, wie das Lesen der altklassischen Autoren, so müßten wir, ehe wir mit demselben beginnen, auch solche sprachliche, d. h. grammatikalische Kenntnisse bei den jungen Gymnasiasten voraussetzen, wie sie factisch im Latein und Griechisch vorausgesetzt werden müssen. Der erfahrene Lehrer wird aber wissen, daß dies bei der jetzt bestehenden Uebung rein undenkbar ist. Laßt uns nur immer mit Thatsachen rechnen und daun werden wir sehen, daß der Religionslehrer an Mittelschulen froh sein muß, wenn seine Schüler geläufig hebräisch lesen können. Und doch soll er schon in der 1. Klasse Bibellectüre treiben. Ein Zweites kommt dazu. Soll man das Lesen der Bibel vor Allem nach grammatikalischen Grundsätzen betreiben, dann muß nach den Forderungen der Pädagogik eine strenge Auswahl des zu lesenden Stoffes nach der Richtung vorgenommen werden, daß wir zuerst die grammatikalisch leichteren und dann die schwierigeren Stellen lesen. Wie schwer eine solche Auswahl gerade bei der Bibel ist, werden Kenner der Sache wohl wissen. Chrestomathien der Bibel aber, statt des ewig jungen, frisch sprudelnden Originalquells der Jugend in die