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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-10-04 · Heft 40 (4.10.1888) · p. Seite 628

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 40 (4.10.1888)
Date
1888-10-04
Page
Seite 628 (sequence 4)
Language
German
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628 zweiten Sure, welche, da die 114 Suren theils vor der Flucht Mohamed's aus Mekka, theils nach derselben verfaßt worden, und deshalb in Mekkauische und Medinische abgetheilt werden, die erste der letzteren nach ihrer chronologischen Folge sein soll.') — Als Mvhamed in Medina verweilte, strebte er vor Allem, die Juden zu sich zu bekehren, sie zum „Glauben" au seine Prophetie zu bewegen. Er fand sich selbstverständlich darin getäuscht, und seine Stimmung wurde deshalb immer feindseliger gegen sie. Um eine feste Grundlage für seine Lehre zu gewinnen, erklärte er Abraham, Jsmael, Isaak, Moses unb Jesus für Propheten, sich aber selbst als den letzten. Judenthum und Christenthum sind ihm die ersten Stufen der göttlichen Offenbarung, deren Bollendung nun durch ihn geschehe. Die Juden und die Christen hätten sich deshalb zum Glauben an ihn, Mohamed, zu bekenne», und wenn sie dies nicht thun, so sind sie „ungläubig" und verfallen der Strafe Gottes, dem Fluche, dem Verlust des Antheils am Paradiese. In Mekka und Medina traf er aus keine Christen, wohl aber auf viele und angesehene Juden. Au diese richten sich daher viele Ansprachen in dieser zweiten, d. h. ersten Medinischen Sure. Er sagt bald am Anfänge derselben — wobei „ich" und „wir" Gott bedeutet^)—: „O, Kinder Israels, gedenket des Guten, was ich euch getha», haltet fest an meinem Bündnisse und auch ich will daran festhalten, und verehret nur mich, und glaubet, was wir zur Bestätigung euerer frühern Offenbarungen nun offenbart, und seid nicht die Ersten, welche nicht glauben daran, und vertauschet es nicht mit Nichtigem, und nur mich verehret. Kleidet die Wahrheit nicht in das Gewand der Lüge, und verhehlet sie nicht gegen euer besseres Wissen. Verrichtet das Gebet, spendet Almosen, und beugt euch mit de» sich Beugenden (den Anhängern Mohamed's). Wie wollt ihr sonst die Menschen zur Fröinmigkeit mahnen, wenn ihr das eigene Seelenheil vernachlässigt? Ihr leset die Schrift (die Bücher Mosis), wollt ihr sie denn nicht auch verstehen?" Wer diese Worte aufmerksam liest, sieht, daß hier den Juden dieselbe Stellung bereitet wird, wie in der christlichen Welt. Daß sie sich zu dem neuen Glauben, zum Glauben an den Propheten Mohamed, den höchsten und letzten der Propheten, nicht bekennen wollten, wird ihnen als Verstocktheit angerechnet, durch tvelche sie das Heil verlieren und als absichtliches Mißvcrständuiß der heiligen Schrift. Denn Mohamed machte ebenfalls den Anspruch, schon in der Thora vorausgesagt und voraus angedeutet worden zu sein. Wenn er hierfür keine Stellen ansührt, so geschah dies, weil er die 1) Vgl. Noeldeke, Geschichte des Korans (Göttingen 1860! Seite 128. 2) Nach der anerkannt trefflichen Uebersetzung von vr. L. Ullmann (früherem Oberrabbiner zu Creseld, Crefeld 1840). Schrift selbst nur aus dem Munde von Juden kannte, sie selbst nicht gelesen hatte. Er läßt von da ab Erinnerungen aus der Borzeit Israels folgen, namentlich an den Auszug aus Egypten und an das Leben in der Wüste, und deutet es den Juden als Abfall von Gott, als Vergessen der göttlichen Wohlthaten, daß sie jetzt Mohamed nicht anerkennen wollen. Hierbei, wie immer, mischt er in die Erzählungen Sagen und Einkleidungen nach aufgefangenen Midraschim, oder dichtet solche selbst, wobei es ihm auf Beweise seiner Unkenntniß nicht ankommt. So giebt er z. B. der Vorschrift über die „rothe Kuh" einen ganz falschen Zweck — wovon, nebenbei bemerkt, die Sure ihren Titel „Die Kuh" bat. Als erstes Zeichen einer feindseligen Gesinnung gegen die „halsstarrigen" Juden ist es anzusehen, daß, nachdem er früher seinen Anhängern geboten hatte, beim Gebet das Angesicht nach Jerusalem zu wenden, er dieses aufhob nnd vorschrieb, dabei nach Mekka, wo die Kaaba sich befindet, sich zu richten. Er wollte hierdurch einen Unterschied zwischen seinen Bekennern und den Juden constatiren. So sagt er weiterhin zu seinen Bekennern: „Ihr wünscht, daß sie (die Juden) euch glauben sollen? aber ein Theil von ihnen hat das Wort Gottes vernommen, und es darauf mit Absicht verdreht gegen besseres Wissen und Gewissen." Er erhitzt sich deshalb immer mehr und bald ruft er aus: „Gottes Fluch ruhet auf diesen Ungläubigen. Ja, Gott hat sie ihres Unglaubens wegen verflucht und nur Wenige waren gläubig. Als nun die Schrift von Gott ihnen ward, ihre frühere bestätigend, und obgleich sie früher um Hülfe gegen die Ungläubigen gefleht, so wollen sie dennoch, obschon sie Kenntniß davon hatten, diese leugnen. Gottes Fluch ruhet auf diesen Ungläubigen. Um Nichtiges haben sie ihre Seelen verkauft. Sie leugnen die Offenbarung Gottes aus Neid, daß Gott in seiner Huld sich seinen Dienern nach Gefallen offenbart. Zorn auf Zorn kommt über sie. Schmähliche Strafe trifft die Ungläubigen. Sagt man zu ihnen: Glaubet an Das, was Gott geoffenbart, so antworten sie: Wir glauben nur an Das, was uns geoffenbart wurde; und so verleugnen sie alles darauf Folgende, obgleich es Wahrheit ist und Früheres nur bestätigend." — Es genüge Dies. Man sieht, es ist überall dieselbe Melodie. Die Juden sollten wie Wachs in der heißen Hand jedes Stifters einer neuen Religion sein, und wenn sie dies nicht waren, so haßte und verfolgte man sie und gab diesen Haß und diese Verfolgung für einen „Fluch Gottes" aus, der auf ihnen laste. So verfuhr auch Mohamed, obschon die Juden ihm persönlich nichts Böses gethan, sondern nur ihn nicht als höchsten und letzten Offenbarer anerkennen wollten. Und doch wußte er ihnen vorläufig nichts Anderes zu geben, als sie schon besaßen. So sind seine Aussprüche über Gott nur der h. Schrift entnommen. Er sagt: „Gott ist Gott, außer ihm giebt's

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