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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-09-27 · Heft 39 (27.9.1888) · p. Seite 621

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 39 (27.9.1888)
Date
1888-09-27
Page
Seite 621 (sequence 13)
Language
German
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Israeliten „Anuar pentru Israeliti“ unter der umsichtigen Redaction des Herrn M. Schwarzfeld ist für das Jahr 5649 (1888—1889) in seinem 11. Jahrgange erschienen (Bucuresti 1888)* Auch dieser Jahrgang enthält mehrere ebenso werthvolle wie interessante Arbeiten, so eine Geschichte der Juden in Bulgarien von der frühesten Ansiedelung bis auf die Gegenwart, welche den gelehrten S. I. Rosanis in Rustschuk zum Verfasser hat, die historisch-juridische Studie über die Juden in der Moldau von dem aus früheren Arbeiten bekannten Dr. E. Schwarzfeld und die eingehende Studie über die gegenwärtige Lage der Juden in Rumänien von dem Redaeteur. Außerdem finden sich Artikel von Dr. C. Lippe in Jassy, Dr. M. Gaster in London, L. Schein (Saineau)in Bucarest, zwei ins Rumänische übersetzte Novellen von Karl E. Franzos und Leopold Kompert, biographische Skizzen und Notizen. — Die dänische Predigt, welche der greise Oberrabbiner Prof. Dr. A. A. Wolf aus Anlaß der siebzigsten Geburtstagsfeier des Königs Christian IX. den 7. April d. I. geholten, ist im Druck erschienen (Kjobenhave 1888), ebenso die ungarische Predigt zur Einweihung des israelitischen Tempels in Gran von Dr. Immannel Löw (Szegedin 1888). Dem Schmerze über den Hintritt des edeln Kaisers Friedrich gab auch Rabbiner H. Hochheimer in Baltimore! in einer am 22. Juni d. I. gehaltenen und gedruckt vor-! liegenden Denkrede (Baltimore 1888) recht herzlichen Ausdruck. Dr. Kayserling. Feuilleton. Zwei Scenen aus der Geschichte der Stadt Jerusalem. Der so lange und so weit verbreiteten Meinung, die! Zerstreuung der Juden sei durch einen „Fluch Gottes" (!)! bewirkt worden, traten wir stets mit der Ueberzeugung entj gegen, daß gerade im Gegensatz dieser Zerstreuung durch alle! Länder das Mittel der Vorsehung gewesen, durch welches der jüdische Stamm bestehen bleiben und erhalten werden konnte. Denn, wäre er in dem kleinen Lande zusammen-! geblieben, so hätte er den gewaltigen Völkerstürmen, welche! über dieses Land im Laufe der Zeiten hinrasten, keinen Widerstand leisten können, sondern würde der Vernichtung! preisgegeben worden sein. Denken wir uns, daß die Juden! unter dem Drucke der römischen Landpfleger ruhig geblieben, sich jedes Aufstandes enthalten hätten, so mußten sie unter diesen und noch mehr unter der Herrschaft der byzantinischen Kaiser immer muthloser, schwächer, sklavischer werden und ohne Widerstandskraft dem Ansturm der arabischen und der innerasiatischen Völkerhorden entweder mit oder ohne Kampf erliegen. Zum Beweise hierfür wollen wir zwei Scenen aus der späteren Geschichte Jerusalems hier schildern und zwar nicht aus jüdischer Feder. Es war im Jahre 637 der christlichen Zeitrechnung. Im letzten Abschnitt seines Lebens war Mohamed sehr feindselig gegen die jüdischen Bewohner Arabiens aufgetreten, hatte sie jeder Selbständigkeit beraubt, die sie vor ihm gelösten und zum Theil mit dem Schwerte in der Hand sich erworben hatten, und eine große Anzahl derselben getödtet. Es geschah dies, weil sie sich zu seinem Islam, zum Glauben an den Propheten weder überreden noch zwingen ließen, auch wohl weil sie im Anfänge seines Auftretens Spottgedichte auf ihn verfaßt hatten. Nach seinem Tode brachen seine siegreichen Heere über die Grenzen Arabiens in die benachbarten Länder ein, zunächst in Syrien. Man weiß, wie diese innerhalb eines halben Jahrhunderts ganz Kleinasien, Mesopotamien und Persien sich unterwarfen, dann Aegypten, ganz Nordafrika und selbst Spanien. Einer der ersten Punkte, auf welche sie stießen, war Jerusalem, das damals von den Christen unter griechischer Herrschaft bewohnt war. Wie die Eroberung vor sich ging, schildert uns folgender Bericht: „Die Muselmänner," sagt Rabasson in seiner Geschichte Carls des Fünften, „sind die einzigen Enthusiasten, die, wenn sie zur Verbreitung der Lehre ihres Propheten die Waffen ergriffen, denjenigen, die sie nicht annehmen wollten, erlaubt haben, ihrem Cultus treu zu bleiben. Als die Muselmänner Jerusalem belagerten, leistete die heilige Stadt langen und heftigen Widerstand. Als sie aber schließlich einsahen, daß eine Vertheidigung nicht mehr möglich war, ergaben sich die Christen in ihr Schicksal und capitulirten, jedoch nur unter der Bedingung, daß sie mit dem Khalifen in Person verhandeln dürften. Omar, der Abu Bekr, dem Schwiegervater und Nachfolger des Propheten, gefolgt war, brach aus Medina auf, sobald er von dieser Convention Nachricht erhalten hatte und begab sich nach Djabia, wo die Abgesandten Jerusalems mit ihm zusammentrafen. Er gestattete ihnen die die freie Ausübung ihrer Religion und ließ sie im Besitz ihrer Kirchen. Der Patriarch Sophronius empfing bei seinem Einzug in Jerusalem den Führer der Muselmänner, der durch die Einfachheit seiner Kleidung, die Strenge seines Lebens mehr einem jener christlichen Anachoreten ähnelte, als dem Fürsten eines Volkes, welches bereits in Folge seiner Siege gefürch-

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