Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1888)
- Date
- 1888-09-27
- Page
- Seite 620 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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620 den, welchem der Bruder des Verstorbenen, die. Vertreter der Redaction des „Pester Lloyd", Grazer Schriftsteller, Aerzte u. s. w. beiwohnten. An der reich mit Kränzen — darunter Einen von Prof. Dr. Fieiherru v. Krafft Ebing — bedeckten Bahre widmete Herr Dr. Mühsam dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. Als der Sarg in das Grab gesenkt war, hielt Herr Professor Albert Sturm am offenen Grabe im Namen der Berufsgenossen des Verstorbenen eine tiefempfundene Trauerrede. Dann legte Herr L. Friedmann Namens des ungarländischen Journalisten-Pensionsvereines einen Lorbeerkranz am Grabe nieder und hielt gleichfalls eine herzliche Gedenkrede. — Aus Aschaffenburg vom 13. Sept. wird geschrieben: Bei der Anwesenheit des Prinzregenten von Bayern in hiesiger Stadt waren zur Hoftafel gezogen: Die Vorstände der Gemeindekollegien, die Spitzen der Gerichts- und Verwaltungsbehörden, der kath. Stadtpfarrer Dr. Kiesel, der Protest. Stadtpfarrer Hoffmann, der Distriktsrabbiner Bamberger, die hier anwesenden Osficiere, der Adel der Stadt und Umgebung re. Bonn, 18. Sept. (Literarische Notizen.) Von dem „Handbuch der israelitischen Geschichte von der Zeit des Bibelabschlusfes bis zur Gegenwart. Für Schüler jüdischer Lehranstalten, höherer Bürgerschulen und Gymnasien, für Familien und Schulbibliotheken. Ursprünglich von E. Hecht bearbeitet, seit der dritten Auflage von Dr. M. Kayserling, Rabbiner in Budapest" (Leipzig, Gustav Engel 18d8) ist die sechste vermehrte und verbesserte Ansläge erschienen. Die Zahl dieser Auflagen und daß die neue schon nach vier Jahren erforderlich ward, ist das sprechendste Zeugnis; sür die Brauchbarkeit dieses Schulbuches. Ju der That ist in demselben das überreiche Material mit dem besten Geschick verarbeitet. Ju klarer und bündiger Sprache werdeir die Ereignisse und Persönlichkeiten charakterisirt und jeder Entscheidung unparteiisch die Bedeutung beigelegt, die sie in der geschichtlichen Entwicklung sich erworben hat. Herrn Kayserling kann man die Anerkennung nicht versagen, daß er bei jeder neuen Auflage die verbessernde Hand anlegt und namentlich auch für die neueste Zeit es an ausführlicherer Behandlung nicht fehlen läßt. Möge daher die Wirksamkeit des auch typographisch gut ausgestatteten Werkes immer weiter sich ausdehnen. — „Die berufliche und sociale Stellung des jüdischen Lehrers. Vortrag, gehalten auf der Conferenz jüdischer Lehrer Rheinlands und Westfalens zu Düsseldorf am 21. Mai 1888 und im Aufträge der Conferenz herausgegeben von FelixCoblenz." (Siegen, Montanus 1888). Der Titel dieser Broschüre belehrt genugsam über den Gegenstand, den sie behandelt. Wir können dem Verfasser die Einsicht in die Verhältnisse und die Besonnenheit im Urtheil sowie in der Mahnung nach allen Seiten hin nur volle Anerkennung aussprechen. Wenn er die Hindernisse, die einer gesunden Entwicklung des jüdischen Schulwesens entgegenstehen, mit scharfer Kritik beurtheilt, so werden wir ihm dies gewiß nicht übel nehmen, denn welcher jüdischer Lehrer hat nicht schon darunter gelitten? Nur darf man nicht außer Augen lassen, daß der nichtjüdische Lehrerstand auch nicht ans Rosen wandelt, sondern oft auf recht dornenvoller Bahn. Der Mangel an einer Centralstelle für das jüdische Schulwesen wird sich immer fühlbar machen, und so wird es immer gar sehr auf die Persönlichkeit des Lehrers selbst ankommen, um sich eine geziemende Stellung zu erobern. Wir wollen den schon so oft ventilirten Gegenstand heute nicht weiter verfolgen und nur eine erfreuliche Seite hervorheben, die in dem vorliegenden, sehr gut geschriebenen Schriftchen zur Anschau kommt. Der jüdische Lehrerstand zeigt sich in derselben in einer sehr befriedigenden Entwicklung und im vollen Besitze des beruflichen Bewußtseins. Da fallen uns denn als Gegensatz die düsteren Verhältnisse ein, wie sie noch in Polen herrschen, und in ihrer ganzen Traurigkeit in den in dieser Zeitung gegebenen Correspondenzen aus Lodz vor uns treten. Wie ist es nur möglich, daß in zwei benachbarten Ländern solche Gegensätze bestehen können! Hier ein wohlgeschulter, gebildeter und nach den besten pädagogischen Zielen strebender Lehrerstand, und dort die unwissenden, abergläubischen und verkehrten Melam-' dim, die selbst den einfachsten Verbesserungen, z. B. sanitären Einrichtungen der Schulräume sich entgegenstemmen, weil sie mit dem ersten Schritt aus der grausigen Verkümmerung ihres Schulwesens den Boden unter sich wanken fühlen. Grade darum, weil bei uns den Anforderungen der Zeit, sei es selbst langsam, Gerechtigkeit widerfährt, hoffen wir, daß auch die gerechten Wünsche des jüdischen Lehrerstandes mit der Zeit erfüllt werden. Viel schwächer sind unsere Hoffnungen auf durchgreifende Umgestaltung bei unseren Glaubensgenossen in Polen. In diesem Lande lasten Druck, Armuth und der Mangel an gutem Beispiel auf unseren Glaubensgenossen, und noch ein schlimmerer Feind für die Cultur als die starre Orthodoxie ist der Chassidismus, diese Wurzel des Aberglaubens und des Fanatismus. Herrn Coblenz wissen wir für seinen Vortrag besten Dank, wenn wir auch einige seiner Ansichten wesentlichen Modificationen unterwerfen müßten. — Die Rede, welche der Rabb. Dr. S. Gelbhaus zur Einweihung der renovirten und vergrößerten Synagoge zu Nordhauseu am 17. August d. I. gehalten, ist jetzt (Nord- Hausen, Kirchner 1888) im Druck erschienen, und verdient die Veröffentlichung im vollsten Sinne, sowohl durch den Gedankenreichthum, der darin entwickelt wird, als auch durch die schwungreiche, doch überall die rechte Linie einhaltende Form. — Pest, den 16. September. (Literarische Notizen.) Das mit einem Kalender versehene rumänische Jahrbuch für